代々木公園で見た

代々木公園で見た

Montag, 6. August 2007

Hanabi in Itabashi

Mehrmals im Kalenderjahr finden in Japan im Rahmen von traditionellen Festen (jap. 祭り matsuri) eine Vielzahl von Feuerwerken statt, zu denen stets tausende Menschen pilgern. Frauen und Mädchen dabei meist in Kimonos gekleidet und die Herren manchmal im Yukata. Feuerwerk heißt im Japanischen 「花火」, was exakt übersetzt "Blumenfeuer" bedeutet. Und diese Übersetzung kann man ruhig wörtlich nehmen. Denn Feuerwerke erreichen in Japan eine Qualität und einen Umfang, von in Deutschland nicht bekannten Maßen. Mittlerweile erreicht die Kunst des Feuerwerkens eine neue unglaubliche Bildervielfalt. Angefangen bei einfacheren Blumengebilden oder Feuertränen, die den gesamten Himmel bedecken, bis hin zu komplexen Gebilden, wie Gesichtern, Planeten mit Äquatorringen (so wie der Saturn) oder anderes.
Verantstaltet werden die Feuerwerke in Tokyo durch die Stadt selbst. Das hat den sehr positiven Effekt, dass alles super geregelt und extrem sicher ist. Der Weg zu den Orten des Geschehens wird von Ordnungskräften gewiesen, die allesamt mit einer verkleinerten Kopie der Jedi-Schwerter ausgestattet sind und damit rumwedeln. War Rot eigentlich die Farbe der Guten oder der Bösen?
Auch am Ziel ist dann für alles gesorgt: Große Mülleimer an zentralen Stellen, Absperrungen und wieder zahlreiche nette Helferlein, die auf jede noch so kleine Gefahr (Stufen, Absperrband, ...) hinweisen und sowie in der kleinsten, als auch größten Not hilfreich zur Seite stehen.

Vergangenen Samstag-Spätnachmittag machten Ronald, Ümit und ich uns auf den Weg zum Hanabi in Itabashi, im Norden von Tokyo, nachdem der Alternativ-Veranstaltungs-Vorschlag "Bauchtanz in Shibuya" mit 2/3-Mehrheit demokratisch abgelehnt wurde.
Glücklicherweise kamen wir etwas verspätet (30 Minuten nach Beginn des Feuerwerks) am Zielbahnhof in Nishidai an, so dass das größte Menschengedränge bereits vorüber war. Auf unserem gut 15-minüten Weg zum Ort des Spektakels, den Ufern des Ara-kawa, versorgten wir uns noch mit ausreichend Bier und Wassermelonen. Außerdem konnten wir bereits zwischen den Häusern die Feuerwerke beobachten und den davon ausgehenden Donner hören. Durch den Rückschall durch die Gebäude klang das stellenweise wie Trommelfeuer.
Am Ziel angekommen fanden wir glücklicherweise schnell ein paar Sitzplätze zwischen einigen jungen Japanern. Denn auf den Wegen oder Treppen stehen durfte man nicht. Schließlich könne man ja ggf. den Weg versperren... uuuund das ist GEFÄHRLICH!!!

Hier ein paar Impressionen des Gesehenen und Erlebten:





Nachdem das Feuerwerk etwa 100 Minuten nahezu ununterbrochen lief, ging es gegen 20:45 Uhr in einem fulminanten Finale zu Ende.
Anschließend machten sich geschätzte 10.000 Menschen auf den Rückweg zur JR-Station, um zurück in die Stadt zu fahren. Und wir mittendrin. Nachdem wir uns zunächst einfach von der Menge mittreiben ließen und uns unterwegs mit Yakitori und Furankufutaa-Würsten versorgten, strandeten wir irgendwann vor dem Abfahrtsbahnhof, in den das Gros der Menge strömte. Keine Lust verspürend, uns sofort in überfüllte Züge zu zwängen, machten wir es uns in den Abgasen der parkenden Autos zunächst gemütlich und beobachteten die vorbeilaufenden Leute. Zu unserem Erstaunen ging die Zahl der Gaijins nahezu gegen Null. Wir durften uns also wie wahre Exoten fühlen.
Nachdem sich der Großteil der Hanabi-Besucher bereits in unzählige Zügen gezwängt und in alle Himmelsrichtungen verstreut hatte, sowie unsere Sinne hinreichend benebelt waren, starteten wir noch zu einem kurzen Rundgang über den Platz und schlossen diesen mit dem Betreten des Bahnhofs ab. Mit einem nunmehr bereits halbleeren Zug (man konnte die Arme beim Stehen bereits wieder bewegen) ging es auch für uns nach Hause.

Ach noch ein Wort zu den Abgasen parkender Autos: In Japan werden Motoren beim Parken oft laufen gelassen, wenn jemand im Fahrzeug sitzt oder nur kurz mal selbiges verlassen hat. Doch wird dies nicht aus dem selben Grund gemacht, aus dem die LKW-Fahrer in Sibirien und Alaska ihre Motoren den ganzen Winter über laufen lassen. Nein, der Grund sind die Klimaanlagen, die das Raumklima auf angenehmen 18 °C halten müssen. Da machen die paar Gramm Stickoxide und andere Abgase mehr in der Atmosphäre auch nix aus. Ist ja eh schon genug da.

Sonntag, 5. August 2007

Don't phone, talk, kick & film

Heut' war - mit netter Begleitung - mal wieder Kinotag angesagt. Auf dem Programm stand der neue Pixar-Film "Ratatouille", oder im Japanischen 「レミーのおいしいレストラン」 ("remi no oishii resutoran" - "Das leckere Restaurant von Remi").



Ausgerüstet mit einer übergroßen Tüte Popcorn sowie zwei Cola und gespannt auf den Film, bezogen Soyo und ich kurz nach 15:00 Uhr Stellung im Saal 5 des Toho Cinema in Roppongi.
Gerade noch rechtzeitig, um die Ausstrahlung der "Du-darfst-nicht" Spots zu mitzuerleben.
Zu meiner Überraschung fiel ausgerechnet einem Comic-Pseudo-Verschnitt aus Adolf Hitler und Mr. Spock die Aufgabe zu, gemeinsam mit einem maskierten Bengel und einem Teddy in Arztkittel, den Kinogästen in zwar witzigen, aber auch etwas rabiaten Spots beizubringen, was sie während der Filmvorführung NICHT dürfen:
  1. Don't phone
  2. Don't talk
  3. Don't kick
  4. Don't film



Als ich die Spots sah, wunderte ich mich zunächst, wie man denn bitte so eine (bitterböse) Kombination der Charaktere für diese Art Spots verwenden kann.
Nachdem ich am Abend wieder zu Hause war, konnte ich mich im WWW jedoch über die Hintergründe der Spots informieren. Die Charaktere stammen aus der TV-Morgen-Show 「蛙男劇場」 ("kaeruotoko gekijoo") ... "The Frogman Show", in deren Rahmen es eine Serie mit dem Titel 「鷹の爪」 ("takane no tsume") gibt. Übersetzt bedeutet der Titel "Die Kralle des Falken". In der Serie hat der Hitler-Verschnitt den Namen/Titel 「総統」 "sootoo", was man entweder mit "Präsident" oder auch "Führer" übersetzen kann. Von dieser Serie wiederum läuft seit einiger Zeit ein Film in den japanischen Kinos.

Und gerade fiel mir ein, mit einer Hitler-Parodie gab es auch in deutschen Lichtspielhäusern vor einiger Zeit einen Spot gegen das Benutzen von Mobiltelefonen während der Vorführung:



Und für alle, bei denen das Filmchen jetzt nicht erscheint oder startet, hier der Link zum Video bei YouTube.

Mittwoch, 1. August 2007

Ende, Aus und Vorbei

So schnell gehen acht Monate vorüber. Gestern verbrachte ich den letzten Tag in den Räumlichkeiten der Merck Ltd. Japan. Nun bin ich wieder mein eigener Herr und genieße den japanischen Sommer. Ein wenig schwermütig wurde mir aber doch zumute, als es ans Leerräumen des Arbeitsplatzes ging. Denn ich habe während des Praktikums einige sehr nette Menschen kennengelernt, die ich jetzt nicht mehr oder nicht mehr so oft sehen werde.
Jetzt folgen noch zwei Farewell-Parties - eine im kleinen Kreis meiner Gruppe und eine im größeren Kreis des gesamten Departments.
Den August werde ich noch in Japan verleben. Ein bisschen reisen, Freunde treffen und noch das eine oder andere Job-Interview.
Anfang September kehre ich dann nach Deutschland zurück. Ich hoffe immer noch, dass es nur eine vorübergehende Rückkehr wird. Denn ich verspüre den starken Wunsch und Drang in mir, noch ein paar Jahre in Japan leben zu wollen. Alles was mir dazu bisher fehlt, ist ein ordentlicher Job.

Also heißt es noch ein bisschen anstrengen und Hoffnung bewahren... Ganbarimasu!

Sonntag, 29. Juli 2007

Album-Update

Aufgrund einer Mischung aus spätem Aufstehen, Hitze am Mittag und Regen am Nachmittag, nahm ich mir die Freiheit die Annehmlichkeiten meines wohl temperierten Apartments zu genießen und meine Schnappschüsse der vergangenen 1,5 Monate zu sichten und zu archivieren. In diesem Zusammenhang habe ich mein flickr-Album wieder mit einer Auswahl der neuesten Bilder erweitert - auch um dem vielfachen Nachfragen nach neuen Eindrücken in Bildform von euch nachzukommen.

Zeit wurde es ja mal!

Nach dem Regen die Hitze

Die Regenzeit in Tokyo verabschiedet sich so langsam für diese Saison. Tagelange Regenschauer weichen nun unerträglichen Temperaturen, die sich um die 30 °C bewegen. "Das sind ja nun wahrlich keine Rekorde, das haben wir in Deutschland auch", werden jetzt sicher viele denken. Richtig! Aber aufgrund der vorangegangenen wochenlangen Regenzeit ist die Luftfeuchtigkeit in Tokyo sehr hoch, was dazu führt, dass einem - kaum aus dem Haus - der Schweiß in Strömen den Körper entlang perlt. Wohl dem, der die Aussicht hat, bald ein schattiges Plätzchen oder wohl klimatisierte Räumlichkeiten zu erreichen.

Glücklicherweise haben die Firmen vorsorglich bereits vor Wochen den Casual Business Style ausgerufen. D. h., männliche Angestellte dürfen zumindest ihre Krawatten und Jacketts meist in den heimischen Schränken belassen. Die weibliche Belegschaft hat aufgrund des Geschlechts eh eine um ein Vielfaches größere Freiheit bei der Auswahl, die Bekleidung betreffend.

An den Wochenenden, an denen man nicht die Möglichkeit hat, sich in den Büros Abkühlung zu verschaffen, bleibt meist nur, entweder die Klimaanlage in den eigenen vier Wänden zur Gestaltung eines angenehmen Raumklimas zu nutzen, oder sich irgendwo ein schattiges Plätzchen zu suchen und mit weiteren Utensilien zur inneren und äußeren Abkühlung auszustatten.




Auch sehr beliebt bei Japanern beiderlei Geschlechts sind Schirme, die - in unterschiedlicher Ausführung - nicht nur zum Fernhalten herabfallenden Nass', sondern auch zum Schutz vor Sonne und direkter Hitzeeinstrahlung dienen.
Die Benutzung von Sonnenschirmen hat somit auch den Effekt vor ungewollter Sonnenbräune zu schützen. Vornehme Blässe ist in Japan ein noch weit verbreitetes Schönheitsideal... Mal abgesehen von den Shibuya-Girls, die durch unzählige Besuche im Solarium, sowie die Benutzung von Selbstbräuner und sonstiger Kosmetik eine teilweise recht unnatürliche Bräune erreichen.


Montag, 23. Juli 2007

Datenschutz bei japanischen Sicherheitsorganen

Vor einigen Wochen lenkte eine Agenturmeldung die Aufmerksamkeit der Welt auf ein kleines Inselreich im Osten Asiens.
Angehörige der japanischen Marine sorgten durch den unbedarften und gedankenlosen Austausch von Schmuddelbildchen und Filmen über ihre Dienst-Computer (als Entschuldigung mag geltend gemacht werden, dass das Blut in anderen Regionen, als dem Kopf benötigt wurde) für die rasende Verbreitung geheimer Dokumente zu einem neuen Radarsystem der Marine, auch über die Grenzen der schwimmenden Streitkräfte - unter dem Banner der aufgehenden Sonne - hinaus.

Vor einigen Tagen nun wurde ein weiteres Mal die Kompetenz der japanischen Sicherheitsbehörden, hinsichtlich der Datensicherheit, bewiesen. Diesmal traf es ein Exekutivorgan - die Polizei von Tokyo.
Als Versursacher wurde ein Polizist, der mittlerweile jedoch keiner mehr ist, ermittelt.
Zum Zwecke des Austauschs zweifelhaften Inhalts, installierte der (Ex-)Beamte auf seinem Dienstrechner die Applikation "Winny", ein in Asien beliebtes P2P-Netzwerk. Da er dem Programm keine Beschränkungen bezüglich der nutzbaren Datenquellen zuwies, zogen sich andere Filesharer fleißig Kopien von etwa 6.600 Polizeiakten, darunter auch Verhörprotokolle oder die Positionen von Verkehrsüberwachungskameras.
Einsehbar waren auch die Namen und Daten von ca. 12.000 Kriminellen, darunter 400 Yakuza-Mitgliedern nebst den Verdächtigen des Mordes am Bürgermeister von Nagasaki.

Dienstag, 26. Juni 2007

Freitag, 22. Juni 2007

Berufswunsch Journalist?

Meine Zeit bei Merck Ltd. Japan nähert sich langsam aber sicher ihrem Ende. Der nahende Abschied bewog mich bereits vor einigen Wochen mir Gedanken bezüglich meiner weiteren Zukunft als Werktätiger zu machen. Nun will ich berufsmäßig nächstens nach Möglichkeit nicht nur eingleisig im Karriere-Express fahren, da dies schnell auch auf ein totes Gleis führen kann. Um den Prellbock des beruflichen Lebens nicht eines fernen Tages mir im Wege stehen und auf mich zukommen sehen zu müssen, nutze ich so manchen Umsteigebahnhof, um zumindest zeitweise auch einmal auf andere Züge aufzuspringen.
Letztens erwischte ich den Zug "Journalismus" und machte es mir im Abteil "Fotoreportage" bequem. Dergestalt inspiriert übte ich mich schon bald als Bild-Reporter (nicht BILD-Reporter!) und sandte meine Ergebnisse an ein seriöses überregionales deutsches Tagesblatt. Im Internet-Portal eben jenes Hortes täglicher Information wurden nun die Ergebnisse meiner ersten Versuche als Berichterstatter veröffentlicht. Gemeinsam mit einem leider nicht ganz so begabten Bildunterschriften-Schreiberling fertigte ich eine Bildreportage zum Thema "Cosplay - ein Leben als Comicheld".

*Tataaa* ... und hier nun das Ergebnis.

Donnerstag, 14. Juni 2007

UFO über Kyoto

Da guck ich letztens die Fotos meines Urlaubs in Kyoto während der Golden Week durch und was muss ich auf einem Bild entdecken, welches mich vor dem Kiyomizu-dera Tempel zeigt?

Ein unbekanntes Flugobjekt... EIN UFO

Zuerst dachte ich: "Ok, wird wohl ein Vogel, Flugzeug oder gar ein Dreckfleck auf der Kamera gewesen sein". Aber falsch gedacht! Wie ein Vogel aus Stahl oder Fleisch und Blut sieht der Gegenstand nun definitiv nicht aus. Und auf den Bildern, die vorher und nachher mit dem Fotoapparat geschossen wurden, ist an der betroffenen Stelle nichts zu entdecken, was wie ein Fleck aussieht.
Also können es nur Besucher aus dem All sein!

Hier der Fotobeweis (das Ding im Kreis):



Und hier nochmal vergrößert:



Dumm nur, dass ich beim Ereignis des Jahres mal wieder nicht hingeguckt habe.

Sonntag, 10. Juni 2007

Hilfe die Welt versinkt

Heute morgen kam ein Gewitter über Tokyo, wie es es schon lang nicht mehr gab. Sintflutartige Regenfälle jagten Mensch und Tier bis zum späten Nachmittag von den Straßen Meguros. Außerdem dachte sich Raijin (jap. 雷神) der Donnergott er müsse sich einen Spaß daraus machen mich am Sonntagmorgen mal so richtig zu erschrecken. Ich stand gerade unter der Dusche, als es einen mächtigen Rums gab, der das Haus erzittern und mich das Duschbad aus der Hand verlieren ließ. Und als würde das nicht reichen, erhellte ein gleisender Blitz anschließend für eine Sekunde die Nachbarschaft. Da verlor selbst mein getreues Notebook, zwecks Energienutzung an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, die Fassung, unterbrach jegliches musikalisches Unterhaltungsprogramm und spielte "Toter Laptop". Glücklicherweise halfen gutes Zureden und eine Betätigung der Power-Taste, ihn wieder ins Leben zurückzurufen.

Tütenwahn

Lang habe ich es tapfer ertragen oder durch ein rechtzeitiges "fukuro wa iidesu" zu verhindern gewusst. Aber nicht immer lässt es sich umgehen.
Während in Deutschland die äußerst praktischen Klappkisten bereits vor vielen Monden Einzug hielten in die Grundausstattung eines jeden Supermarktkunden und sogar Stoffbeutel - insbesondere bei kleineren Einkäufen - eine wahre Renaissance erfuhren, schwört der gemeine Supermarktangestellte und seine Kundschaft in Japan noch immer auf die ach so geliebte Plastetüte.
Vergangenen Freitag stand bei mir wieder einmal ein "größerer" Lebensmitteleinkauf an: Brot, Wurst, Käse, Nudeln, Kartoffelsalat und Hühnerbeine für den Abend und noch einige andere Leckereien. Am Ende eine ganz beträchtliche Menge, die ich mit nach Hause zu nehmen gedachte.
Als es schließlich an der Kasse ans Einscannen der Preise und Packen der Sachen ging, sah ich vor meinem inneren Auge die Welt bereits in einem Berg von Plastetüten untergehen. Zunächst packte mir die Kassiererin vier Tüten zum Tragen in meinen Korb, was aufgrund der eingekauften Menge akzeptabel war. Doch dann kam es: der Kartoffelsalat, obwohl bereits in einer äußerst stabilen und dichten Verpackung enthalten, bekam eine extra Tüte verpasst, die eng um das Gefäß gewickelt wurde. Weiter ging es mit der Tiefkühlkost. Obwohl auch diese durch die Art ihrer Verpackung vor Beschädigung geschützt war, bekam sie eine zusätzliche schützende Umhüllung. Anschließend folgten noch die Melone, die Hühnerteilchen und die Butter. Für jedes ein extra, der Umwelt nicht unbedingt verträglicher, Kunststoffschutz.

Zu Hause angekommen und die Sachen in den Schränken verstaut, sah ich mich nunmehr insgesamt neun Tüten gegenüber.
Damit sie jetzt nicht gänzlich unnütz der Natur zu Lasten fallen, werde ich sie noch als kleine, aber feine Mülltüten nutzen.

Dienstag, 5. Juni 2007

Kiotsukete kudasai

Manchmal geschehen so Sachen, da will man sich einfach nur noch in Luft auflösen und nie gekannt worden sein.
So geschehen am heutigen Nachmittag:

Durch die HR-Abteilung von Merck Japan wurde in einer Rundmail die Ankündigung veröffentlicht, dass in den kommenden Tagen die Sommerboni für die Firmen-Angestellten ausgezahlt werden. Allerdings sind temporäre Mitarbeiter - wozu auch ich als Praktikant zähle - von diesen Boni ausgeschlossen. Dumm nur, dass ich in einem Mail-Verteiler enthalten bin, der sich da nennt "Merck-JP-Japanese (excl. temp. staff)". Somit gelangte das Rundschreiben also auch in mein Postfach.
Da ich auch sonst 'ne Abwechslung brauchte, dachte mein nicht ausgelastetes Hirn "Dazu muss ich jetzt 'nen dummen Spruch machen und den einer befreundeten deutschen Kollegin schicken".
Gedacht - getan, also fix die naheliegenste mit Kanji beschriftete Schaltfläche im Mailprogramm betätigt, mit der Absicht die Mail weiterzuleiten. Und kurz darauf waren auch ein paar Worte zum Thema geschrieben (... 2,75 x 0 Yen = 0 Yen ... was man sich dafür alles kaufen kann...). Außerdem durfte ein giftiger Kommentar über die Sinnhaftigkeit des Einfügens von temporären Angestellten in o. g. Verteiler nicht fehlen.
Noch ein halber Blick, ob ein Empfänger eingefügt wurde... Ja... fein. "Senden" betätigt. Noch ein Blick auf den Empfänger... OH GOTT da steht aber ein japanischer Name... Mist die Mail geht zurück an das Mädel aus der HR. Zum Glück kann sie kein Deutsch. Trotzdem schnell 'ne Entschuldigungsmail hinterher; Antwort: "No problem".
Kaum war die Mail mit der Entschuldigung raus, kommt eine Mail von der Kollegin, die ich eigentlich als Adressat wählen wollte. Inhalt: "AUTSCH!!! Bloß gut, dass hier keiner Deutsch spricht". Ich denke mir: Mmh woher konnte sie so schnell von dem "Missgeschick" erfahren? Da dämmerte es mir. Ich hab' bei meinem Blindflug über die Schaltflächen meiner japanischen Anwendung die Taste "Allen antworten" erwischt. D. h. alle Mitglieder im Verteiler haben meine Mail erhalten. Ganz große Katastrophe! Bei gut 400 Mitarbeitern in Japan kann sicher der eine oder die andere auch Deutsch. Mindestens unser Präsident, der ist ebenfalls Deutscher und sicherlich auch in dem Verteiler drin.
Im Laufe des Nachmittags erreichten mich dann auch gut 25 Antwortmails. Glücklicherweise alles nur Abwesenheitserklärungen.

Das Beste zum Schluss: Als ich kurz nach sechs Uhr das Büro verließ, gesellte sich eine Kollegin einer anderen Abteilung mit in den Aufzug. Guckt mich kurz fragend an und meinte dann "Oh, you had sent a mail this afternoon, right!? But you wrote the mail in German, so I could not read it." Nun sah ich mich doch gezwungen, sie über das versehentliche Betätigen der falschen Taste aufzuklären und, dass es auch eigentlich ganz gut ist, dass ich in Deutsch und nicht Englisch oder Japanisch geschrieben habe. Ihr abschließender Kommentar, als wir den Aufzug verließen und sich unsere Wege trennten:

気をつけて - kiotsukete - Vorsichtig sein das nächste Mal!

Im tiefsten Inneren meiner selbst versprach ich ihr und mir, mir diesen Ratschlag zu Herzen zu nehmen.
Und es beweist sich eben immer wieder: Männer sind nicht Multitasking-fähig. Wenn sie etwas anfangen, sollten sie sich ganz und gar darauf konzentrieren und sich nicht durch andere Aufgaben oder Gedanken ablenken lassen!

Dienstag, 29. Mai 2007

Odysee

Vom 12. bis 24. Mai weilten meine Eltern in Japan, die erste Woche davon in Tokyo, wo sie mich besuchten.

Vergangenen Donnerstag nun ging es für die beiden zunächst mit ANA von Osaka nach Tokyo und anschließend mit der BA von Tokyo aus zurück nach Berlin, mit kurzem Zwischenstopp in London. Nach der Ankunft meiner Eltern in der Heimat verfasste Paps einen kurzen "Erlebnis"bericht, den ich an dieser Stelle - mit Erlaubnis des Verfassers - auszugsweise veröffentlichen möchte:


[...
Heute, 25.5.2007 gegen 19:00 Uhr, sind wir nach einer kleinen Reiseodyssee wieder in Dresden eingetroffen; ohne Koffer!
Denn British Airways (von dieser Gesellschaft sollte man die Finger lassen) war nicht in der Lage, trotz längerer Übergangszeit (unser Flieger von London nach Tegel war aus uns unbekannten Gründen nicht startfähig, so dass wir nach 55 Minuten Verspätung mit der Ersatzmaschine starteten) unsere Koffer nach Berlin einzuladen. Also standen wir eine Stunde wie dumm am Kofferband rum, bis das Schild "ENDE" kam. Aber am Samstag, so war auf unserem Anrufbeantworter zu Hause zu vernehmen, kommen sie vormittags mit DHL nach Dresden. Na ja!
In Osaka mussten wir feststellen, dass das Reisebüro wohl unsere Plätze bis Tokyo angemeldet, aber nicht bezahlt hatte. Also nachbezahlen. Bloß gut dass wir eine patente Reiseleiterin hatten, die das Ganze in Japanisch managen konnte.
In Tokyo mussten wir dann auch mit Ihrer Hilfe erst mal die Reisetickets holen, die dann aber zum Glück bis Tegel durchgecheckt waren.
Dann der Flug - immer am Polarkreis lang - nur bei Tageslicht. Aber, na gut, mit ein paar Nickerchen am Fensterplatz hinter den Tragflächen überstanden. Der Service wieder britisch sparsam und spröde. Man sah es den Damen der Flugbegleitung an, dass ihnen Fliegen wenig Spaß macht und schon gar nicht mit Economy-Class-Kunden.
Da war die Erfahrung mit ANA von Osaka bis Tokyo eine diametral andere. Übrigens konnten wir bei diesem Flug den Fuji-san prima von oben sehen.
Zurück zu BA: Nachdem wir reichlich Rotwein bei den ersten Servicedurchgängen gebunkert hatten (es gab 3x Essen aus der lieblosen Aluasiette) flossen die Getränke aus Flaschen dann spärlicher, um noch über Ostsibirien den servierten profanen Plastebechern zu weichen, deren Inhalt wir dann, ebenfalls noch über Russland, selbst aus der Küche holen konnten. Gelegentlich dieser Besuche war es auch möglich diverse Snacks von einem Tablett in "eigene Verwaltung zu übernehmen".
In London dann wieder die Sicherheitshysterie vor der selbst produzierten/verursachten Angst. Bitte nur ein Handgepäckstück pro passenger und um Himmels willen nicht den direkten Weg zur Sicherheitskontrolle. Nein, mindestens 4x den Parcours vor und zurück damit ja alle (vor allem indische) Sicherheitsbeamte sehen ob und wie man vor Angst um und über seinen Handgepäckinhalt zittert. Da wir durch eine etwa halbstündige Aussteigeprozedur schon knapp dran waren und Mutti immer unruhiger wurde, war das echt Stress. Also erste britische Kontrolle durch, dann Suchen nach dem Weg zum Abflugs-Gate. Wenigstens war Terminal 1 klar. Endlich Weg gefunden (war uns irgendwie vom Hinflug bekannt) aber wo ist die Flug-Info. Kleinere Flughäfen haben da wunderbar große Anzeigen knapp unter der Hallendecke!
Nein Heethrow braucht so was nicht. Die Leute haben große Stauneaugen, da reichen zwei A0 große Anzeigen an der Seite.
Und dann steht da drauf, dass BA 986 auf 16:20 Uhr verschoben wurde. Gate? Muss man als passenger nicht wissen. Wird nachgemeldet. Wir also in die Lounge für verirrt-verwirrte BA-Nutzer und wenigstens mit der Erkenntnis entlassen: GATE 28.
Also geht die Hatz zum 15 Minuten verspäteten Flieger weiter. Lange Gänge, stehende Rollwege, plötzlich Weg versperrt (mit Wachposten) weil Personenquerverkehr von links. Dann Weiterhetzen, das Ziel in Sichtweite. Aber nein, wir sehen immer noch überprüfungswürdig aus (wird hier neues, ausgeruhtes Personal angelernt?) Also nochmals alles Gepäck + Metallenes auf das Band und durchs "Stargate". Oh es pfeift. Der Geldkatzen-Gürtel war noch am Bauch. Endlich am Gate.
Warten. 16:20 Uhr ist längst vorbei. Dank der neuen "Wassermengen-Regeln" fängt man an zu "dürsteln", ein logischerweise kostenloser Wasserservice (fast jeder kleine Laden bietet heute so was) steht nicht, bzw. zu wuchernden Pfunden, zur Verfügung. Zum Glück haben die Japaner so kleine Joghurtfläschchen, die jede britische Kontrolle unterlaufen können (selbst im 5er-Pack!). Endlich sitzen wir kurz vor 17:00 Uhr auf der vorletzten Reihe am Fenster und lassen uns von hinten durch zarte britisch-stämmige Kinderfüße in den Rücken treten. Wie schimpft man mit solchen Gören! Also die Hand zwischen den Sitzen nach hinten und blind ein Kinderbein gegriffen. Dieses samt Kind etwas nach hinten geschoben und dann nach unten abgewinkelt. Das gleiche schnell noch mit dem anderen Bein. Erstaunen auf der Rückbank und - erst mal - Druckfreiheit im Rücken. Während des Fluges wurde diese erzieherische Maßnahme noch mal nachgebessert.
Gut, 2x gab's Getränke aus dem Plastebecher, wobei schon beim ersten Mal drei Reihen vor uns das Mineralwasser ausging und eine Stewardess im wahrsten Sinne nach Empfehlung ihrer Kolleginnen in der Kombüse suchen ging - einfach peinlich für BA, was wir in einem Fragebogen zur Zufriedenheit auch deutlich zum Ausdruck brachten.
Na ja, dann Tegel s. o.
Dafür klappte dann der Rest bis Bietzkestraße ganz gut, nachdem ich unserem Auto das Vorderteil geputzt hatte. Blöderweise war genau vor dem Stellplatz eine Kuhle und da es irgendwann geregnet hatte (laut Opa war alles unter Wasser - haha), musste es vielen Parkplatzbenutzern höllischen Spaß gemacht haben diese mit Speed zu durchqueren...
Heute sind wir nach einer gut durchschlafenen Nacht mit Oma + Opa in den Garten und haben es dort bis nach dem Kaffee (mit original Berliner Erdbeertorte aus eigener Ernte) bei Temperaturen bis 35°C ausgehalten. Auf der Rückfahrt kriegten wir dann noch einen "Stern" auf die Frontscheibe gezimmert (aber die war ja nach drei Monaten ihres Lebens sowieso schon wieder dran).
Jetzt sind wir in unsrem grünem Zuhause, Robby (Anm. S.: meine Schildkröte) hat sich trotz guter Fütterung wieder an seiner Pflanze vergangen (ca. 10 cm Stiel entblättert).
...
Tja, Japan war schön, das Treffen mit Dir prima und wichtig für die Seelen (vor allem für Mutti)
Bleibe schön gesund, bzw. werde gesünder.
...]


@ 母 & 父 vielen Dank für Euren Besuch. Es hat sehr gut getan, euch wiederzusehen und die gemeinsame Zeit war wirklich schön.
Alles Gute und lasst euch vom Wetter in Deutschland nicht allzu sehr ärgern. Habe gerade in der gestrigen Tagesschau gesehen, dass es wieder angefangen hat zu Schneien im Deutschen Mittelgebirge. Aber 30°C plus X waren ja auch unverschämt viel für den Mai.
Auf bald bei unserem Wiedersehen im August, September oder Oktober.

P.S. An dieser Stelle auch einen Gruß an alle anderen in Deutschland, ob Ost, ob West, ob Nord oder Süd. Und die in der Mitte auch.

Die schönste Frau der Welt kommt aus Japan

Nun hat auch die restliche Welt gemerkt, dass "wir hier in Japan" die schönsten Frauen haben :-)

Riyo Mori aus Shizuoka wurde gestern in Mexiko zur Miss Universe 2007 gewählt.


Quelle: www.welt.de

Mittwoch, 23. Mai 2007

Das große Schlachten beginnt

Bereits kurz vor meiner Ausreise nach Japan und auch danach wurden mir von verschiedener Seite die fürchterlichsten Geschichten über Ungezieferplagen in japanischen Wohnungen erzählt. Von Kakerlaken und Vielfüßern wurde mir erzählt, die Größen erreichen, die man sich in Deutschland nicht vorstellen kann. Besonders im Sommer, wenn es draußen warm und schwül wird, kommen die Tierchen auf ihren bis zu 100 Beinen aus ihren Verstecken und machen es sich unter Betten und hinter Schränken bequem.

Nun ist also die warme Zeit angebrochen und bereits durch andere LeidensgenossInnen wurde mir von ersten Heimsuchungen berichtet. Anfang vergangener Woche war es auch bei mir soweit. Da ich die Balkontür den lieben langen Tag offen stehen lasse - völlig ungefährlich in einem so sicheren Land, wie Japan - öffne ich ungewünschten Besuchern aus der Familie der Krabbeltiere natürlich Haus und Hof. So ergab es sich, dass ich mich letzten Dienstag bei meiner abendlichen Heimkehr plötzlich Aug' in Aug' mit einem Kakerlak sah. Der kleine Kerl wollte zuerst die Flucht ergreifen, hatte jedoch nicht mit meiner Schnelligkeit gerechnet. Mit einem Satz war ich über ihm, um meinen Pantoffel zu ergreifen. Als er dies bemerkte unternahm Artjom (so hab ich ihn im Nachhinein getauft, denn ein Feind ohne Name ist kein guter Feind) einen Schwenk, um in meine linke Flanke einzufallen, nicht bedenkend, dass ich nicht nur geradeaus schlagen kann. Nun das Ende vom Lied ist auf dem folgenden Bild zu sehen.



Eine Feuerbestattung in meinem Waschbecken, die einem so tapferen Kämpfer für die Sache der Kakerlaken gerecht geworden wäre (ja auch gefallene Feinde muss man ehrenhaft behandeln), konnte leider nicht zu Ende gebracht werden, da weder die Streichholzschachtel, noch der Kakerlak so richtig brennen wollten. So fand Artjom sein Ende in der Tüte für nichtbrennbaren Müll, der gestern abgeholt wurde.

Sanja Matsuri

Vom 18. bis 20. Mai herrschte Ausnahmezustand in Asakusa, einem historischen Stadtteil Tokyos, denn es fand das jährliche Fest Sanja Matsuri statt.
Dieses Fest geht auf das 13. Jahrhundert zurück, in dem der Historie zufolge drei Fischer im Fluss, der durch Asakusa fließt, eine Statue der Göttin Kannon in ihrem Netz fanden. Die goldene Statue ist jetzt im Sensoji Schrein in Asakusa untergebracht.
Zu Ehren der Fischer findet nun jährlich das Sanja Matsuri statt. Drei Tage lang vergessen die Japaner ihre Zurückhaltung und jegliche Regeln und das Leben wird bestimmt von Trinken, Tanzen und sonstigen Ausschweifungen.
Die Festlichkeiten begannen am Freitag mit Prozessionen von Musikern in traditioneller Kleidung durch Shitamachi, dem Gebiet in Asakusa um den Sensoji Tempel herum. Auf den Straßen außerdem zehntausende von Zuschauern, meist ortsansässige Ladenbesitzer, deren Angestellte und Anwohner, die ebenfalls zu einem großen Teil in traditionellen Gewändern gekleidet waren.
Am Samstag: wurden Mikoshi, transportable Schreine, aus allen 44 Bezirken von Asakusa zum Tempel gebracht, damit die Kami (shintoistische Götter) herabsteigen und in den Mikoshi Platz nehmen können. Anschließend starteten die Träger und mit ihnen die Schreine eine "Tour" zurück in ihre Bezirke. Auch dieses Spektakel wurde begleitet von hunderttausenden feiernden Menschen.
Der Sonntag schließlich stellte das Finale des Festes dar. Die drei großen Mikoshi des Sensoji-Schreins (jeder etwa eine Tonne schwer) wurden, begleitet von einigen kleineren Mikoshi (bspw. getragen von Kindern), von jeweils 40 Trägern den ganzen Tag und bis in den späten Abend hinein durch Asakusa getragen. Die Träger - früher ausschließlich Männer, mittlerweile sind aber auch Frauen zugelassen - trugen unterschiedliche hanten-Bekleidung mit verschiedenen Designs, welche für die einzelnen Stadtteile von Asakusa stehen.
Jeder der drei Mikoshi repräsentiert einen der Fischer, die die Kannon-Statue fanden. Die Japaner glauben, dass die Kami "hinuntersteigen" und sich in den Mikoshi niederlassen. Die Menschen führen sie dann durch ihre Wohngegenden, um diese den Kami zu zeigen und damit auf Glück zu hoffen. Regelmäßig kehren die Schreine auch zum Sensoji Tempel zurück, wo sie mit viel Jubel vor der Haupthalle präsentiert und herumgeschaukelt werden. Vermutlich, um die Götter aufzufordern, einzusteigen. Danach geht es wieder in alle möglichen Richtungen in die Stadt. Die Träger laufen jedoch nicht einfach stur vor sich hin, sondern tanzen und singen auf ihren Wegen durch die Stadt. Denn es heißt, je mehr die Mikoshi während der Tour geschüttelt werden und je mehr die Träger tanzen, desto mehr Glück soll es bringen.

Interessant ist, dass Sanja Matsuri eines der wenigen Feste in Japan ist, während denen die Yakuza öffentlich in Erscheinung tritt. Bis auf einen gebundenen Lendenschurz ihrer Kleidung entledigt, standen Mitglieder der örtlichen Gruppe "T-Gumi" auf den Mikoshi und feuerten die Träger an. Dabei präsentierten sie ihre teilweise bis auf die Hände, das Gesicht und die Füße komplett tätowierten Körper. Die Polizei schaute an diesem Tag dann auch einfach mal weg.



Aufgrund eines Pionierauftrags, den ich von meinen Eltern am Donnerstag bekommen hatte, mischte ich mich am Sonntag unter die Besucher des Festivals. Und allen, die wie ich bisher glaubten Shinjuku-Station zur morgendlichen/abendlichen Rush Hour oder der Platz am Hachiko in Shibuya am Samstagabend seien voll, denen sei gesagt: Es geht noch voller! In den vergangenen Jahren wurde ca. 1,5 Mio. Besucher an den drei Tagen des Festivals gezählt. Deswegen wage ich zu behaupten, dass auch am vergangenen Sonntag mindestens 500.000 Menschen die Straßen um den Sensoji Tempel bevölkerten. Das mag auch gar nicht so schlimm sein, wenn die sonst in Japan geltenden Verhaltensregeln eingehalten würden. Aber wie bereits weiter oben erwähnt, gelten die zu Sanja Matsuri nicht. Auf den völlig überfüllten Straßen Asakusas und im Tempelbereich selber wuselten die Menschen ohne Ordnung durcheinander. Besonders drastisch entwickelte sich die Situation, wenn in engen Straßen, wie der Nakamise dori, in denen die Menschen eh schon wie die Sardinen aneinander vorbeidrängten einer der großen Mikoshi seinen Weg durch die Stadt suchte. Als Vorhut liefen immer dutzende Begleiter, die mit Megaphonen, Pfeifen und ihrer schieren Masse die Menschen beiseite schoben. Da wurde keine Rücksicht mehr auf kleine alte Großmütterchen oder große schlanke Deutsche genommen. Ich war ziemlich glücklich über 1,70 m groß zu sein. Denn so verlor ich nie den Überblick und lief auch nicht Gefahr zu ersticken, weil ich den Bauch oder die Brust eines unglücklich auf mich gefallenen Mitmenschen ins Gesicht gedrückt bekam.
Lustig auch die Szenen an den Kreuzungen der Gassen: Von allen Seiten strömten die Menschen heran, mit dem Wunsch, sich wieder in alle Richtungen zu verteilen. Doch auch hier gab es keine Regeln, nach dem Motto "Links gehen von Ost nach West, rechts gehen von West nach Ost". Je nachdem, wie gut man darin war, seine Mitmenschen davon zu überzeugen einem den Vortritt beim Vortrieb zu lassen (bei manchen half ein Lächeln, bei anderen ein ernster Blick), kam man mehr oder weniger schnell und halbwegs in der gewünschten Richtung über die Wegkreuzung. Gut dran waren diejenigen - zumeist Mütter - die einen Kinderwagen vor sich herschieben konnten. Vor den Fahrten in die eigenen Hacken und über die Füße fürchteten sich viele "Wegkonkurrenten" dann doch und machten freiwillig Platz.


Butterbrot und Bier

Soviel Kultur aus dem alten Europa durfte ich schon lang’ nicht mehr an einem Tag erleben!

Vergangenen Freitag, dem letzten Tag meines "wohlverdienten" einwöchigen Urlaubs, bekam ich eine extra große Dosis Lebensgefühl des ach so fernen Europas verpasst.
Zunächst besuchte ich am frühen Nachmittag gemeinsam mit Yuki - übrigens einer äußerst bezaubernden zukünftigen Studentin und Japanisch-Lehrerin in Bochum - eine Kinovorstellung im Rahmen der EU Film Days. Gezeigt wurde der polnische Film Mój Nikifor, dessen Handlung sich um das Leben des berühmten polnischen Künstler Nikifor Krynicki (1895-1968) dreht. Bemerkenswert war - was mir jetzt erst beim Verfassen des Blog so richtig auffällt, dass Nikifor im Film von der Schauspielerin Krystyna Feldman gespielt wird.
Aufgrund der Ausstrahlung des Streifens in polnischer Originalfassung, gepaart mit – für meine mittelschlechte Leseleistung - ziemlich schnell wechselnden japanischen Untertiteln, verstand ich nur leider nicht die Hälfte der Zusammenhänge im Film. Aber ich hatte ja glücklicherweise Yuki dabei, die mir nach dem Film u. a. erklären konnte, wieso der ärmlich und verstört wirkende Nikifor zum Ende des Films mit einem Mal eine große Ausstellung mit allerlei Prominenz bekam.
Aber es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass es die Europäer (wieder) vermögen, auch ohne die übliche Hollywood-Dramatik und -Gewalt gute und des Kinobesuchs würdige Filme zu produzieren.

Im Anschluss an den Film machten wir uns durch das sonnenbeschienene Tokyo auf den Weg zum DAAD, in dessen Räumlichkeiten am Abend eine Veranstaltung stattfand, die unter dem im Titel des Blog-Eintrags genannten Thema stand. Was war ich überrascht, wie viele Deutsche - insbesondere Studenten (zumeist DAAD-Stipendiaten) - sich doch in Tokyo leben und an einem solchen Abend zusammenfinden. Ok es war aber auch alles gratis! Also ein triftiger Grund für finanziell ewig klamme Studenten und Praktikanten ans Tageslicht zu kommen und die Gemeinschaft zu suchen.
Nach einer für japanische Verhältnisse erfreulich kurzen Ansprache des japanischen DAAD-Präsidenten(?) bildete ein klassisches Konzert, bei dem von deutschen und japanischen Hobby-Musikern vor allem Werke Johann Sebastian Bachs aufgeführt wurden, den Auftakt des Abends. Im Anschluss daran startete der Höhepunkt des Tages und der Grund, warum die Veranstaltung mit "Butterbrot und Bier" überschrieben war: Eine Stehparty mit hektoliterweise Bier (gutes Sapporo) und - mein Herz schwang über vor Freude - echtem deutschen Schwarzbrot und ebenso echter deutscher Wurst, Käse, Butter und Saurer Gurken. Nach über fünf Monaten Ernährung fast ausschließlich durch Reis, Buchweizennudeln, Fisch und, wenn der Appetit einmal nach Brot und Wurst verlangte, blassem Weißbrot und seltsam anmutendem Wurstersatz, wieder einmal eine dicke Scheibe Schwarzbrot mit Jagdwurst und Schinken belegt in Händen halten und verspeisen zu können, ließ in mir Gefühle wie zu Weihnachten aufkommen.
Flankiert wurde die Veranstaltung von Fotographien und Videoinstallationen deutscher und japanischer DAAD-Stipendiaten, die Kunststudiengänge absolvierten.

Montag, 7. Mai 2007

Und Langnasen beißen doch!

Nun ist sie schon wieder vorbei, die Golden Week in Japan. Bei dieser besonderen Woche im japanischen Kalender handelt es sich um einen Zeitraum, in dem (zumindest dieses Jahr) innerhalb einer Arbeitswoche gleich vier Feiertage liegen:
  • Am 29.04. ist der "Showa-Tag" zum Gedenken an Kaiser Hirohito (da das dieses Jahr ein Sonntag war, war der Montag frei)
  • Der 03.05. ist der "Verfassungsgedenktag"
  • Den "Tag der Umwelt" feiert man am 04.05.
  • Und der 05.05. ist der "Tag des Kindes"
Ganz Japan ist in dieser Woche unterwegs; entweder um zur Familie zu fahren oder mal ausgiebig (mehr als fünf Tage) Urlaub zu machen.

Auch ich hatte die Möglichkeit wahrgenommen, mal aus Tokyo rauszukommen und etwas anderes zu sehen. Mein Weg führte mich nach Kyoto, der alten Hauptstadt Japans.
Zu nachtschlafener Zeit startete mein Zug Donnerstagmorgen um 06:30 Uhr in Tokyo. Und ich muss sagen, ich liebe die japanischen Shinkansen. Die Züge sind sowas von bequem. Und Beinfreiheit ohne Ende. Sogar ich als Riese im Land von Zwergen konnte meine Beine lang ausstrecken und es mir im bequemen Sessel so richtig gemütlich machen. Für mich lustig (wenn auch mittlerweile nicht ganz unerwartet) anzusehen war auch das Verhalten der Zugbegleiter. Bevor sie einen Wagen betreten, verbeugen sie sich zuerst. Und bevor sie den Wagen auf der anderen Seite wieder verlassen, drehen sie sich nochmal um, um eine erneute Verbeugung auszuführen. Angenehm, dass die Schaffner auch nicht nerven, wenn sie ihren Stempel auf die Fahrkarte drücken wollen und der Fahrgast gerade schläft (oder so tut). Während deutsche Bahnbeamte solange Querelen machen, bis man entnervt die Augen öffnet, wird man hier in Japan in Ruhe gelassen.

In Kyoto traf ich mich mit Toshi-san, einem netten älteren Herrn, der zusammen mit seinem 99,5-jährigen Vater in der Nähe von Kyoto lebt. Toshi-san habe ich über einen Volunteer-Service kennengelernt und er war für zwei Tage mein Stadtführer. Bei herrlichstem Frühsommer-Wetter zogen wir am Donnerstag und Freitag durch die Stadt. Mit wirklich viel und interessantem Hintergrundwissen konnte er mir die Geschichten diverser Tempel, Paläste und Villen näherbringen. Auch wenn ich zugeben muss, das meiste schon wieder vergessen zu haben. Aber wer kann sich schon merken, welcher Gründer welcher buddhistischen Sekte wann welchen Tempel erbaut hat, nachdem die Sekte von wem auch immer aufgrund von "Monopolbildungen" aufgespalten wurde.

Auf unseren Streifzügen bewegten wir uns meist etwas abseits der breitgetretenen Touristenpfade. Einer der Gründe, weshalb ich mich zeitweise wie der einzige Gaijin in der 1,5 Mio-Metropole vorkam. Es können schon seltsame Gefühle in einem aufkommen, wenn man bei der Besichtigung einer alten herrschaftlichen Villa oder eines Tempels in einer Gruppe von 30 bis 50 Touristen die einzige Langnase ist. Für manchen der Besucher war ich dann interessanter, als die eigentlichen geschichtlich interessanten Bauten und Objekte.
Nur einmal wurde mir die Show gestohlen. Auf einem meiner abendlichen Wege zurück ins Hotel wartete ich zusammen mit einigen Japanern an einer Ampel. Ein junges Pärchen, beide eher von kleinerer Statur, betrachtete mich ob meiner Größe "erfurchtsvoll" von unten herauf. Später liefen wir drei (und einige andere) den selben Weg entlang, als uns ein anderer Ausländer entgegenkam, der mich mit gut 2m weit überragte. Da gab es hinter mir aber ein großes Aah und Ooh...

Während der Zeit mit Toshi-san mutierte ich zeitweise zum echten Fotomodel. Zwar ohne die Fähigkeit toll posieren zu können und auch ohne den notwendigen Körperbau, um zur Topliga zu gehören; aber was die Anzahl der Ablichtungen angeht, kann ich es sicher mit dem einen oder anderen aufnehmen. An allen möglichen Plätzen meinte Toshi-san "Stell Dich mal dort hin", "Sitz mal hier" oder "Warte mal da drüben". Jetzt bin ich gespannt, wie ich mich so gemacht habe, wenn er mir demnächst die Bilder schickt...

Als ich mich Samstag schließlich allein umhertrieb, musste ich im kaiserlichen Palast die Erfahrung machen, dass sich einige der hiesigen Inselbewohner trotz der Öffnung des Landes vor gut 150 Jahren noch immer vor Menschen mit langer Nase und unglaublicher Körpergröße fürchten. Da Toshi-san als Schreinträger in seiner Heimatstadt unabkömmlich war, musste ich mich nach anderen Möglichkeiten umsehen, um mich auch einmal auf ein Bild bannen zu lassen. Also guckte ich mir in meiner riesigen japanischen Begleitergruppe einen vertrauenswürdig wirkenden Mitmenschen heraus, um ihn zu fragen, ob er mich mal vor einem der Gebäude ablichten könnte. Keine Ahnung, ob ich mich so missverständlich ausdrückte oder er echt Angst vor mir hatte. Jedenfalls rannte er zuerst zu seiner Familie (kleiner Sohn, zwei Töchter und Ehefrau), um sich mit denen zu beraten. Hatte er mich so verstanden, dass ich mit ihm (oder einem anderen Japaner) zusammen auf ein Foto will?! Denn er fragte irgendwas seine Töchter und seine Frau, die mit angstgeweiteten(?) Augen ein verneinendes Kopfschütteln erkennen ließen. Schließlich kam er wieder zu mir zurück, um selbst die Tat zu vollbringen. Da ich durch das Verhalten seiner Familie etwas verunsichert war, machte ich ihm nochmal klar, dass er wirklich nur ein Foto von mir machen sollte. Ich war nicht auf der Suche nach irgendwelchen obskuren Abenteuern!

Vom wilden Affen gebissen wurde ich (zumindest fast) auf dem Arashiyama. Auf diesem Berg im Westen von Kyoto kann man im Iwatayama Monkey Park eine große Anzahl japanischer Affen in freier Natur beobachten und man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Am späten Samstagnachmittag fuhr ich auf Empfehlung einer Guide mit der Keifuku-Arashiyama Line nach Arashiyama. Dort angekommen und nach einem knapp 20-minütigen Aufstieg auf den Berg, erreichte ich eine Aussichtsplattform, auf der sich auch einige Affen rumtrieben. Bereits vor dem Aufstieg wurde ich gewarnt, den Viechern nicht in die Augen zu blicken. Besonders die älteren männlichen Exemplare sollen da ziemlich giftig drauf reagieren. Da ich den Blick auf Kyoto jedoch auch genießen wollte, näherte ich mich auf dem Weg zum Rand der Plattform einem älteren männlichen Affen (allerdings ohne ihn direkt anzusehen). Irgendwie fühlte sich der Kerl aber von mir dumm angemacht, denn plötzlich fing der ein Geschrei an und zeigte mir seine netten Beißerchen. Da ich jedoch keine Erfahrung mit selbigen machen und dem Tierchen auch kein Haar krümmen wollte, machte ich lieber kehrt und stiefelte weiter den Berg hoch, bis zum Gipfel. Oben angekommen konnte ich dann auch die Aussicht genießen - in Gesellschaft von netten Affen, die mehr miteinander zu tun hatten, als sich auf mich zu stürzen.

Sozialstudie

Liebe Leserschaft,

vielen Dank für die zahlreiche (unbewusste, aber anonyme) Teilnahme an der von mir am 29. April gestarteten Untersuchung des gesellschaftlichen Nahraums meiner Blog-Leser und Flickr.com-Album-Besucher unter Verwendung empirisch ermittelter Untersuchungsbefunde – oder kurz: meiner "Sozialstudie".
Mithilfe dieser "Studie" wollte ich neue Erkenntnisse über die Besuchergemeinde meiner Flickr.com-Alben gewinnen.
Als Abschluss- oder Zwischenergebnisse (so ganz genau weiß ich das noch nicht), kann ich nun folgende Erkenntnisse bekanntgeben:

Zunächst konnte ich eruieren, dass der überwiegende Teil der Besucher meiner Flickr.com-Seiten (nicht ganz unerwartet) männlich sein muss.
Denn wie schon oft von anderen bewiesen, gilt auch auf meinen Seiten scheinbar das Motto "Sex sells". Für das Album meines Besuchs der Playoffs der "bj league" vom 22. April wählte ich die Fotos bewusst so aus, dass ein relativ ausgewogenes Verhältnis der Anzahl an Bildern von den Spielen (Basketballspieler, Ball, Korb, ...) und den Bildern der Geschehnisse am Rande des Spielfeldes und in den Pausen (Cheerleader, Maskottchen, ...) herrscht. Die Auswertung der "Viewed"-Statistiken zeigt ein deutliches Bild: Während Fotos der Spiele jeweils Detailbetrachtungen (also mehr als die Thumbnailansicht) von lediglich null bis vier Mal auf sich ziehen konnten, stieg die Betrachtungsrate bei den Bildern mit den Cheerleadern mit mindestens zehn, im Durchschnitt sogar etwa 20 Views, sprunghaft an (Anm.: Außerhalb der Gruppe meiner lieben Blog-Leser sind meine Alben in der Flickr-Gemeinde relativ unbekannt, weshalb es sich natürlich nicht mit den weitläufig bekannteren messen kann). Besonders angetan zu sein scheint ihr vom Bild "Osaka Evessa Cheerleader". Obwohl ich damit rechnete, dass dieses Bild besonderen Anklang finden würde ;-) , war ich doch ein wenig überrascht, in welch' kurzer Zeit es mit 47 Views auf den zweiten Platz der beliebtesten Bilder all meiner Alben gelangte. Es verdrängte sogar knapp die Langzeit-Nummer-Eins "Cosplay girls at Jingu-bashi".

Außerdem durfte ich feststellen, dass es unter euch eine ungeheure Anzahl an "Setis" und Star-Wars- oder Star-Trek-Fans geben muss, die beim Wort "Spaceship" leuchtende Augen bekommen und von fernen Welten träumen. Von mir gänzlich unerwartet schaffte es das unscheinbare Bild (Dank dafür an Raik den Fotografen) einer Raumschiff-Attrappe der Deko eines Roller Coasters im Disneyland Tokyo mit derzeit "unglaublichen" 66 Views auf den Top-Platz der Allzeit-beliebtesten Fotos meiner Flickr.com-Alben.

Donnerstag, 19. April 2007

Wahlkampf

An diesem Sonntag werden in Tokyo (Japan?) neue Volksvertreter gewählt. Bereits vor einiger Zeit habe ich in diesem Blog über das volksnahe Engagement der Kandidaten im Wahlkampf berichtet, die persönlich bis in die Wohnsiedlungen Tokyos vordringen, sich mit Mikrophon und Werbebanner bewaffnet auf die Straßen stellen und über die Ziele referieren, die sie im Falle einer erfolgreichen Wahl zu erreichen gedenken.

Nun nähert sich der Wahlkampf und damit auch die Bemühungen der Bewerber für eine regierungspolitische Verantwortung mittlerweile ihrem Höhepunkt.
In den letzten Tagen trifft man die hiesigen Politiker-in-spe (und diejenigen, die wiedergewählt werden wollen) jeden Morgen am Bahnhof von Meguro, wo sie die vorbeieilenden Einwohner und Wähler mit einem "Ohaio gozaimasu" begrüßen. Und am Abend mit einem "Konbanwa" in den Feierabend schicken.
Nun können sich natürlich nicht alle Kandidaten auf einmal vor dem Ein-/Ausgang des Bahnhofs postieren. Sonst ist kein Platz mehr für die vorübereilenden Wähler da *hehe* Darum wird sich abgewechselt. Und diejenigen, die gerade nicht mit ihrem Tross an Helfern eine regelmäßige Begrüßung hervorbringen, fahren in Minibussen mit Lautsprechern immer im Kreis durch die Gegend und geben ihre Wahlkampfreden zum Besten, erhöhen damit den Lärmpegel noch etwas und und winken den Leuten auf der Straße zu. Besonders Gaijins wie ich, obwohl nicht wahlberechtigt, werden gern mit überschwenglichem Winken (meist von den weiblichen Kandidaten/Begleiterinnen *gg*) bedacht. Da kommt es sogar mal zum Händeschütteln in engen Gassen...

Hier mal noch ein paar Impressionen der wahlkämpfenden Kandidaten:



Dienstag, 17. April 2007

Ehre für Merck CMG Korea

[...
Zum 41. Nationalen Steuerzahlertag im März diesen Jahres wurde Merck Advanced Technologies in Korea der "Tax Award" des Wirtschafts- und Finanzministeriums verliehen. Diese Auszeichnung wird an Unternehmen vergeben, die ihren steuerlichen Pflichten, den geltenden Gesetzen entsprechend, in vorbildhafter Weise nachkommen. O-Kyu Kwon, stellvertretender koreanischer Premierminister, sowie Minister für Finanzen und Wirtschaft, übergab die Urkunde an Dr. A. Kruse, Präsident von Merck Advanced Technologies in Korea. Kwon betonte vor allem den Beitrag Mercks als zuverlässigen Steuerzahler und dessen Rolle als Vorbild und richtungsweisendes Unternehmen hinsichtlich eines harmonischen und der Unternehmensethik verpflichteten Arbeitsumfeldes.
Kruse dazu: "Diese Auszeichnung ist sowohl das Ergebnis einer stets sehr guten Kooperation zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen von Merck in Korea, als auch der entschiedenen Einhaltung der unternehmensinternen Richtlinien bezüglich unserer Zusammenarbeit mit externen Partnern."
...]

Quelle: "pro International" The Newspaper for Merck KGaA Employees No. 3, April 2007


Vielleicht sollte man so eine Auszeichnung auch in Deutschland einführen. Dann haben Unternehmen im Zusammenhang mit Steuerzahlungen die Möglichkeit auch mal positive Presse zu bekommen. Das würde eventuell dabei helfen, in den Köpfen unserer Wirtschaftslenker ein Umdenken zu auszulösen, was die Steuermoral v. a. der großen Konzerne in Deutschland angeht...

Sonntag, 15. April 2007

Neulich in Nishi-Sugamo

Ein etwas unglückliches Händchen bei der Namenswahl für sein Geschäft hat der Besitzer des hier gezeigten Friseursalons aber schon gehabt:



... und dann auch noch mit Ausrufezeichen *tsts*

Dienstag, 3. April 2007

Hanami

Seit gut einer Woche sprießen überall in Tokyo die Kirschblüten. Es ist die Zeit des Hanami (jap. 花見). Niemanden hält es in seiner/ihrer freien Zeit im Haus – und seien es auch nur einige Minuten in der Mittagspause. Auf den Straßen und in den Parks tummeln sich Jung und Alt unter der rosa-weißen duftenden Pracht der blühenden Bäume, bewaffnet mit Fotohandys oder "richtigen" (Digital)Kameras. Einige bringen gar halbe Fotostudios mit: Spiegelreflexkamera, mehrere Objektive mit dazugehörigen optischen Filtern und riesige Stative, damit die Bilder auch ja nicht verwackeln.
Auch die Umwelt freut sich, ob dieser Zeit. In den Meguro-kawa (jap. 目黒川), das Fließgewässer an dem ich jeden Tag auf dem Weg zum Büro entlanggehe, wurden schon seit über einer Woche keine Abwässer mehr geleitet. Denn an dem Fluss – wenn auch vielleicht besser als Kanal bezeichnet, da begradigt und von Betonufer eingefasst – stehen hunderte Kirschbäume, unter denen nun die begeisterten "Blütengucker" wandeln. Und diese sollen beim Senken des Blicks und damit auch der Nase keinen Wahrnehmungsschock erleiden. Die üblicherweise waschwasserblaue Farbe des Gewässers wurde durch ein gesundes Grün abgelöst und der oftmals durch eine schwefelige Note betonte "Duft" wich dem relativ neutralen Geruch des nassen Elements.

Am Wochenende nun versammelte sich die gesamte Tokyoter Bevölkerung in den Parks der Stadt, um bei Unmengen von Speis' und Trank' gemeinsam Hanami, übersetzt heißt das einfach nur "Blütengucken", zu feiern.
Auch ich wollte da nicht außen vor bleiben und verbrachte den vergangenen Samstag zusammen mit Silvia (einer Freundin aus Deutschland, die gerade zu Besuch ist), Matthias, Nami, Aya, Hiromi, Chi und Ume im Ueno-Park, um zusammen mit geschätzten 1.000.000 anderen Menschen Unmengen an Alkohol, Sushi, Pizza, Snacks und verschiedenes Meeresgetier zu verputzen und uns am Blütenregen und dem Karaoke benachbarter Gruppen zu erfreuen. Das Wetter spielte zwar leider nicht ganz mit – geschlossene Wolkendecke und Temperaturen um die 12 – 15 °C – aber das tat dem Ganzen keinen Abbruch. Als die Dunkelheit anfing hereinzubrechen, wurden die Lampions angezündet, die in langen Reihen unterhalb der Bäume hingen und die Landschaft so in ein angenehmes rotes Licht getaucht.




Ganz anders dagegen sah, was das Wetter anging, der Sonntag aus: strahlender Sonnenschein und gefühlte 25 °C. Weshalb ein erneuter Tag inmitten einer wuselnden Masse aus schwarzen Köpfen und Fotoapparaten geplant und in Chiyoda-ku in die Tat umgesetzt wurde. Als erstes führten die Schritte von Silvia und mir zum Garten des Kaiserpalastes, wo wir auf der großen Wiese im östlichen Teil eine Pause einlegten – zum Blütengucken und Leute-Beobachten. Doch wir beobachteten nicht nur – wir wurden auch beobachtet. So von einem kleinen knuffigen Japaner, der gerade zwei oder drei Lenze zählte und allem Anschein nach erst wenige Nicht-Japaner zu Gesicht bekommen hatte. Zusammen mit seinen Eltern kam er an unserem Lagerplatz vorüber und blieb wie angewurzelt stehen. Sein Papa wollte Fotos von ihm machen, aber der kleine Bub reagierte nicht. Starrte unentwegt auf uns zwei Gaijins. Jedoch ohne eine Mine zu verziehen oder auf Winken, Zureden oder jegliche Ablenkungsmanöver zu reagieren. Wie der hiesigen Welt entrückt stand er felsenfest da. Da half kein elterliches Rufen, Ziehen, Schieben oder Geklapper mit dem Spielzeug. Erst als seine Eltern sich schließlich zum Gehen entschieden, erwachte er und trottete hinter seinem Kinderwagen hinterher. Wir waren vergessen.




Irgendwann setzten auch Silvia und ich unseren Weg weiter nach Norden fort, Richtung Yasukuni-Schrein. Waren wir im Kaiserlichen Garten bislang nicht auf eine ungewöhnlich große Anzahl an Menschen gestoßen, änderte sich das am nördlichen Tor des Gartens mit einem Mal. Als wir um die letzte Ecke vor der Pforte bogen, standen wir plötzlich einer riesigen Menschentraube gegenüber, die in zwei Richtungen durch das ca. drei Meter breite Portal strömte. Der Grund war auch schnell entdeckt. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich Kirschbäume in voller Blüte und einige Meter weiter der Yasukuni-Schrein. Wir stürzten uns also in die Menschenflut und wurden alsbald auf die gegenüberliegende Seite des Tors gespült. Dort angekommen bot sich – über die anderen Häupter hinweg – ein wunderbarer Blick auf die Bäume, den Gondelteich und – zu unserem Entsetzen – auf die vorsichtig geschätzten 100.000 Menschen, die auf dem selben Weg, wie wir waren. Aber da mich nach vier Monaten Tokyo nichts mehr so schnell schrecken kann, was Menschenansammlungen angeht, und Silvia mir wohl oder übel folgen musste, wurden wir schon bald weiter getrieben in Richtung Schrein. Die Straße vom westlichen Torii zum Schrein selbst war flankiert von unzähligen Ständen, die neben Essen, Getränken, Eis und verschiedenen Souvenirs auch einige Kurzweil' anboten. Besonders gefiel uns die Aktion, bei der mit einem Papierköcher kleine Goldfische und andere geschuppte Flossenträger gefangen werden konnten. Für 300 Yen durfte solange gefischt werden, bis das Papier des Köchers ein Loch hatte und damit das Fischen unmöglich wurde. Der kluge Fischer kümmerte sich also um die kleinen Fische, da die großen Exemplare das Papier sehr schnell zerrissen und das Vergnügen damit vorbei war. Die gefangenen Wassertierchen durften anschließend mit nach Hause genommen werden. Entweder für das Aquarium, zum Sushi oder als lebender Snack zwischendurch.



Jedoch geht die Blütenpracht langsam aber sicher ihrem Ende entgegen. Vor allem "Dank" starker Winde und Regen in den letzten Tagen wurden bereits tausende Blüten von den Bäumen gerissen. Nun sind die Wege an vielen Stellen teilweise von einer weißen Schicht aus herabgefallenen Blüten bedeckt.

Freitag, 30. März 2007

Sie werden assimiliert werden

"Wir sind die Japaner! Sie werden assimiliert werden, Widerstand ist zwecklos!"

Dieser Satz, den ich einfach mal von den Borg geklaut und etwas modifiziert habe, ging mir an diesem Nachmittag durch den Kopf, nachdem ich mich durch einen weiteren wichtigen Schritt tiefer in die japanische Gesellschaft gekrallt habe.

Wegen eines erhöhten Aufkommens an Reisetätigkeiten in der nächsten Zeit (siehe Beitrag "Zur Arbeit in die Provinz"), führte mich einer meiner heutigen Wege – mit dem Ziel einer Kontoeröffnung für die zu erstattenden von Reisekosten – zur örtlichen Repräsentanz der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Zusammen mit meiner schnuckligen Begleiterin von Merck HR betrat ich gegen 14 Uhr die extrem überfüllte Filiale. Aufgrund des heute ablaufenden Geschäftsjahres japanischer Unternehmen war diese – nach Auskunft meiner Begleiterin – überwiegend angefüllt mit unzähligen MitarbeiterInnen diverser Finance/Controlling-Abteilungen.

Nach dem Ziehen einer Nummer und 15 Minuten Warten, kamen wir schließlich an die Reihe und übergaben das bereits im Voraus ausgefüllte Antragsformular an die Dame auf der anderen Seite des Schalters. Nach dem Nachweis meiner Identität anhand meiner Alien Registration Card, der Einzahlung von 10 Yen Startkapital (jetzt hoffe ich mal auf eine enorme Verzinsung) und einer kurzen weiteren Wartezeit, wurde mir endlich in einer feierlichen Zeremonie mein "Sparbuch", und das Versprechen des Erhalts meiner Geld-/VISA-Karte innerhalb der kommenden Woche, übergeben. Plus einer Tüte, in der sich allerlei Überraschungen finden ließen: Neben den obligatorischen Werbe-Tissues und den Kontobedingungen in Japanisch (SUPER!!!) auch ein Mousepad. Als ich mir letzteres genauer ansah, stellte ich mir die Frage, ob ich gerade ein Konto eröffnet, oder aber die Aufnahme meines Kindes in den Kindergarten beantragt hatte. Vom Antlitz der Mausschubsarena grinsten mich, unter dem Logo der MUFJ, Winnie The Poo, Tigger und Piglet an. Nun ich werde damit sicher einer japanischen Freundin eine Freude machen können.

Doch auch ungefragt und ohne mein Wissen wurde meine Assimilation vom Merck-Kollektiv bereits seit langem geplant und vorangetrieben. Beim Ausfüllen des Antrags für die Kontoeröffnung kam ich auf die Frage, wo ich denn bitte zu unterschreiben habe. Nirgendwo! War die Antwort. Nach einem verwunderten Blick meinerseits wurde mir von meiner bereits oben erwähnten schnuckligen HR-Unterstützerin mein höchsteigener – freundlicherweise von Merck Ltd. Japan bereitgestellter – Hanko (jap. 判子) präsentiert und letztlich auch überreicht. Dieser in Japan als Unterschriftsersatz dienende Stempel schlummerte bereits seit meinem Firmeneintritt in den heiligen Hallen der HR-Gruppe.



Ab sofort werde ich die Krakel, die ich meine Unterschrift zu nennen pflege, auf jeglichen Formularen durch die formvollendeten Kana meines Hanko ersetzen können.

Ich habe also resigniert und erkannt: Ich werde einer von ihnen! Es ist wohl nicht mehr zu verhindern. Nur ein schnelles Eingreifen meiner eigenen Spezies kann mich vielleicht noch retten!

Zum Schluss nochmal eine Zusammenstellung der Dinge und Eigenschaften, die mich immer tiefer in die japanische Gesellschaft hineinziehen und in ihr verwurzeln:
  • Schlafen in Bus und Bahn... Krieg ich problemlos hin
  • Mit dem iPod die Außenwelt abschalten... Mach ich regelmäßig
  • Mit dem Handy vor der Nase (nicht am Ohr!) durch die Welt laufen... Auch das kein Problem
  • Nase hochziehen... Aber hallo!
  • Zur Begrüßung und zum Abschied verbeugen... Als wär's mir angeboren
  • Als Bestätigung des aktiven Zuhörens ein regelmäßiges "Hai"... Rutscht einfach raus
  • JR fahren nur mit Suica... Da bin ich japanischer als manch' Japaner
  • Bus und Metro fahren nur mit Transnet Pass... Siehe vorigen Punkt
  • Zur Kirschblüte unter den Bäumen stehen und mit großem Oh! und Ah! die Pracht bewundern und eine unendliche Serie von Fotos schießen... Erst gestern geschehen
  • Einen Kalender vom Tenno auf dem Schreibtisch stehen haben... Da isser *zeig*
  • Schuhe im Restaurant ausziehen... Ok, muss man halt manchmal einfach
Und was unterscheidet mich noch?:
  • Die Muttersprache... Da kann man (zum Glück) nix dran drehen
  • Die Körpergröße... Da kann auch nichts dran geändert werden
  • Schuhgröße... Nur im Handel für Sondergrößen könnte ich vernünftige Fußbekleidung bekommen
  • Die Geschwindigkeit beim Gehen... Ich werde nur in Menschenmassen gebremst
  • Mein leidliches Japanisch... Was soll ich dazu sagen?!
  • Ich mag immer noch kein Natto... Obwohl ich mir das überlegen muss; hab letztens das Angebot von zwei Kolleginnen gekriegt, dass sie mir ihre Freundinnen vorstellen wollen, wenn ich Natto esse/mag – Japanerinnen sollen bei Maennern da voll drauf stehen – haben'se gesagt!

Donnerstag, 29. März 2007

Long Line

Ich habe zwölf Jahre meiner Kindheit in der Deutschen Demokratischen Republik gelebt und verbringe mittlerweile auch schon einige Zeit in Japan, weiß also was Schlangestehen und Warten bedeutet.
Jedoch erstaunt es mich stets aufs Neue, in welche Extreme es die Japaner treiben können:

30.11.2003 - Eröffnung der ersten Apple-Filiale in Ginza

Dienstag, 27. März 2007

Zur Arbeit in die Provinz

Es soll unter der Tokyoter Bevölkerung ArbeitnehmerInnen geben, die 30, 60, ja teilweise sogar bis zu 90 Minuten benötigen, um den täglichen Weg zwischen Wohnung und Büro zu absolvieren. Bisher blieb ich - auch durch eine günstige Wahl des Wohnortes - glücklicherweise davon verschont. Ja! Für die Möglichkeit eines kurzen zehnminütigen morgendlichen und abendlichen Fußmarschs von Haustür bis zum Schreibtisch und zurück, beneideten mich bislang gar viele.
Jedoch hat es damit - zumindest für die kommenden Wochen - erstmal ein Ende. Ich setze dem durchschnittlichen Arbeitsweg der hiesigen Arbeitnehmerschaft hinsichtlich Zeit und Weg sogar noch was drauf.
Aufgrund eines neuen Aufgabengebiets (Projektqualitätssicherung und -validierung), und der damit verbundenen Notwendigkeit eines regelmäßigen persönlichen Kontaktes mit Anwendern und Entwicklern vor Ort, darf ich ab sofort wenigstens ein- oder zweimal pro Woche nach Atsugi fahren. Das sieht zwar entfernungsmäßig auf der verlinkten Google-Map nicht wirklich schlimm aus (obwohl... wenn man weiter rauszoomt dann doch, merk' ich gerade), jedoch habe ich zu meinem Leidwesen noch keine Möglichkeit gefunden per Luftlinie auf dem geraden Weg dahin zu gelangen. Also muss ich auf dem Landweg eine Strecke von reichlich 65 km bewältigen. Zunächst von Meguro nach Shinjuku, dann nach Hon-Atsugi und weiter bis zur Produktionsstätte von Merck irgendwo in der Walachei. Bei einer Kombination der Verkehrsmittel Fußmarsch, Bahn (Express) und Taxi brauche ich dafür (heute gemessene) 113 Minuten. Wenn ich aus Kostengründen statt mit dem Taxi mit dem Bus fahre und das "Glück" habe mit selbigem in eine Feierabendverkehrsstockung zu geraten, erhöht sich der Zeitbedarf locker auf (ebenfalls gemessene) 168 Minuten. Von der unchristlichen Zeit, zu der ich ab sofort morgens aus dem Bett muss (06:45 Uhr) und der Zeit, zu der ich abends nach Hause zurückkehre (21:00 Uhr) ganz zu schweigen.

Aber!!! Jedes Schlechte (obwohl das ist glaube ich doch zuviel - sage ich mal besser "Unangenehme") hat auch sein Gutes: Nun hab' ich enorm viel Zeit, um Vokabeln zu büffeln, weil die unproduktive Zeit in Bahn und Bus schließlich überbrückt werden will.

Sonntag, 25. März 2007

"Weltuntergang" im Fernsehen

Heute geht die Welt unter! Hier in Japan kann man das am heutigen Tag auch wörtlich nehmen. In Tokyo stürmt und regnet es (hat aber zwischenzeitlich etwas nachgelassen) und im Nordwesten der Präfektur Ishikawa (Westjapan, also weit weg von Tokyo) gab es gegen 09:42 Uhr ein sehr starkes Seebeben (ungefähr Stärke 6). Die Region Tokyo soll das Beben noch mit einer Stärke von 1 auf der nach oben offenen Richterskala erreicht haben. Ich habe es nur daran gemerkt, dass mein kleiner roter Dharma kurz nach der oben genannten Zeit mal einen kurzen Spaziergang über den Tisch veranstaltet hat.

Da die Außenwelt aufgrund des Wetters nicht wirklich zu einem Ausflug einlädt, verbringe ich den heutigen Tag damit, eine Menge Japanisch-Hausaufgaben zu machen und Vokabeln zu büffeln.
Außerdem läuft nebenbei die Flimmerkiste. Nachdem heute Morgen auf nahezu allen Kanälen das Seebeben DAS Topthema war, kehren die Fernsehmacher so langsam zum Tagesprogramm zurück. Neben diversen Anime-Serien, die ohne Vorwarnung mit irgendwelchen seltsam anmutenden Spiel- und Kochshows abwechseln und durch Werbeblöcke unterbrochen werden, die so unverhofft kommen, wie sie gehen, wurde gegen 13 Uhr eine Art "Traumhochzeit" mit Linda de Mol gesendet. Nur, dass die Linda durch einen alternden Playboy und eine Assistentin mit der Stimme einer Kreissäge ersetzt wurde.


Hauptaufgabe der Kreissäge war, die Brautpaare zu Beginn mit einem lauten "Irashaaaaaai" zu begrüßen und mit einem darauf folgenden, aber mindestens genauso anstrengenden "doooosoooo" zum Setzen aufzufordern. Anschließend brüllten (vermutlich wegen der schwerhörigen Großmutter zu Hause) die beiden Gäste (also das Brautpaar) jeweils ihre Namen und ihr Alter in die Tischmikros, so dass der Moderator vor Schreck (oder wegen dem Schalldruck) mitsamt seinem Sessel seitlich umfiel, was vom Publikum mit lautem Gejohle begleitet wurde
Nachdem sich Mr. Playboy wieder aufgerichtet hatte, ging seine erste Frage an die Braut. Vermutlich jene, die in dem Moment - aufgrund des (für japanische Verhältnisse übermäßig) üppig gefüllten Kleides - alle ((japanischen) männlichen) Zuschauer am meisten interessierte: Wie denn ihre Körbchengröße lautet...?! Ich glaube, spätestens jetzt wäre in Deutschland Alice Schwarzer ins Studio gestürmt und hätte den Moderator entzwei gerissen. Aber die Braut musste sich zusammenreisen und brachte mit einem gekonnten Lächeln ein "etch cappu" über die Lippen. Danach sollte der Bräutigam das Gewicht der Oberweite seiner Angetrauten durch Live-Handwiegen schätzen. Da kam ich ob des Niveaus der Sendung doch ein wenig ins Grübeln.
Anschließend folgten noch Fragen zum Ort des Kennenlernens (Internetcafé), wer den Anfang gemacht hat (er) und diverses mehr.
Zum Schluss wurde das Paar mit einer gemeinsamen Verbeugung und einem "arigatooo" der Kreissäge erstmal hinter die Bühne geschickt und das zweite Paar hereingebeten, damit sich dieses einer ähnlichen Prozedur unterziehen lassen konnte. Die oben stehende erste Frage kam diesmal aufgrund einer veränderten Situation nicht auf. Dafür musste der Bräutigam die Namen von Blumen erraten, die in einem überdimensionalen Gebinde auf dem Tisch in der Mitte der Runde standen. Zum Erstaunen des Moderators schlug er sich dabei auch recht gut.


Das letzte, was ich von der "Traumhochzeit" mitbekam, bevor ich mich wieder "Japanese For Busy People II" widmete, war, dass die Paare durch ein multimediales Memory-Spektakel Preise, wie Reisen, Notebooks oder Kaffeemaschinen, gewinnen konnten.

Mittwoch, 14. März 2007

Fehler im System

Heute ist mal wieder einer der Tage bei Merck, an denen mein Email-Postfach von einer Flut von Meldungen heimgesucht wird. Jedoch nicht, weil der Spam-Filter ausgefallen ist, oder sich jemand daran erinnert hat, dass ich ja auch noch da bin und ein wenig Unterhaltung benötigen könnte. Nein der Grund ist, dass in einem vor kurzem aktualisierten SAP-System ein Fehler entdeckt wurde. Das passiert zwar sehr selten, kommt aber halt vor. Dieser Fehler wurde heute morgen zunächst vom Finder an die IS-Gruppe (in der auch ich bin) gemeldet. Und damit gleich alle anderen Benutzer auch Bescheid wissen, bekamen die Mitglieder der Verteilergruppen "MJ-SAP-User-Japanese", "MJ-SAP-User-English" und "MS-SAP-User-Japanese" die selbe Mail. Ich weiß, dass ich in wenigstens zwei der Gruppen enthalten bin.
Das ist ja auch schön und gut, denn so weiß gleich jeder Bescheid. Allerdings blieb es nicht bei dieser einen Nachricht. Zunächst wurde dem Finder für das Finden des Problems gedankt und das schnellstmögliche Beheben desselbigen versprochen. Und dann startete der Mailverkehr zwischen den SAP-Entwicklern. Die Mails wurden mit fortschreitender Kommunikation immer länger und umfangreicher, enthielten auch oftmals rieeesige Anhänge in Form von Screenshots, Excelsheets oder anderem. Und IMMER mit im Boot sind die oben genannten Verteilergruppen.
Jetzt frage ich mich doch als praktisch veranlagter und in den letzten Jahren auch ein wenig betriebswirtschaftlich geprägter Mensch, was ich (und nicht nur ich bin betroffen) als Unbeteiligter oder als einfacher Benutzer des SAP-Systems mit den ganzen, für mich völlig uninteressanten, Meldungen anfangen soll. Nicht allein der Umstand, dass ich mich normalerweise über Mails freue und dann beim Öffnen des Postfachs wieder nur enttäuscht eine unnötige Mail in einen Archivordner verschieben muss, ärgert mich. Nein auch die Zeit die dabei verloren geht (aktuelle Arbeit unterbrechen – zu Lotus Notes wechseln – Mail öffnen – kurz überfliegen (bei mir kann es auch mal etwas länger dauern, ist schließlich immer alles Japanisch (deswegen ist auch die Aufnahme des Verteilers "MJ-SAP-User-English" ein wenig fragwürdig)) – erkennen, dass es wieder nichts Interessantes ist – Mail schließen – Mail in Archiv verschieben) ist nicht unerheblich. In meinem Fall ist das für Merck zwar kein großer Verlust, da ich nichts koste (außer ein bisschen Strom und Sauerstoff) und als Praktikant eh Zeit habe, aber die Zeit all der fleissigen Bürokräfte, die durch das Studium dieser Nachrichten von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden, wird unwiderbringlich und sinnlos verpulvert.
Nach meiner Auffasung reicht es doch, wenn die erste Mail (meinetwegen auch der Dank dafür) an die Verteiler geht, und dann am Ende des Tages eine Mail mit der Meldung "考え物をもつれ解きました" – "Problem gelöst".

Das spart viel unnötigen Aufwand und ich gerate auch nicht in die Situation, kaum dass ich mich von einer Enttäuschung (unnütze Informationen betreffend) erholt habe, wieder die nächste zu erleben.

Ich werde den Vorschlag mal schriftlich festhalten und in den "Büroalltagsverbesserungsvorschlagskasten" werfen... nachdem ich ihn gefunden habe.

[Update... (14:30 Uhr)]

(Ok, ich geb' zu ich bereite den Beitrag während meiner Arbeitszeit vor. Also live am Ort des Geschehens. So aktuell ist der Blog selten.)

Gerade kam wieder so eine Meldung an die SAP-Benutzer rein. Inhalt übersetzt und kurz zusammengefasst: "Wir bitten die Unannehmlichkeit des weiterhin bestehenden Problems zu entschuldigen. An der Behebung wird intensivst gearbeitet. Seien Sie uns auch weiterhin gewogen."

Man kann es mit der "Kundenfreundlichkeit" auch übertreiben. Selbst in Japan!

[Update... (15:25 Uhr)]

Ich konnte ein Muster ausmachen! Die im vorigen Update genannte Entschuldigungsmeldung wird im Abstand von etwa 50 bis 60 Minuten versendet.

[Update... (17:50 Uhr)]

Gerade habe ich erfahren, dass es keinen "Büroalltagsverbesserungsvorschlagskasten" gibt. Also gilt es für mich erstmal diesen Misstand zu beseitigen. Ich werde heute Abend schon mal meinen Berater-Werkzeugkasten aus der Ecke holen. Und beim nächsten geselligen Gemeinsam-viel-Essen-und-noch-mehr-Trinken-Abend des IS-Departments kommende Woche werde ich meinem Chef dann ein ausgefeiltes "Büroalltagsverbesserungsvorschlagskasten"-Konzept vorlegen.