代々木公園で見た

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Dienstag, 29. Mai 2007

Odysee

Vom 12. bis 24. Mai weilten meine Eltern in Japan, die erste Woche davon in Tokyo, wo sie mich besuchten.

Vergangenen Donnerstag nun ging es für die beiden zunächst mit ANA von Osaka nach Tokyo und anschließend mit der BA von Tokyo aus zurück nach Berlin, mit kurzem Zwischenstopp in London. Nach der Ankunft meiner Eltern in der Heimat verfasste Paps einen kurzen "Erlebnis"bericht, den ich an dieser Stelle - mit Erlaubnis des Verfassers - auszugsweise veröffentlichen möchte:


[...
Heute, 25.5.2007 gegen 19:00 Uhr, sind wir nach einer kleinen Reiseodyssee wieder in Dresden eingetroffen; ohne Koffer!
Denn British Airways (von dieser Gesellschaft sollte man die Finger lassen) war nicht in der Lage, trotz längerer Übergangszeit (unser Flieger von London nach Tegel war aus uns unbekannten Gründen nicht startfähig, so dass wir nach 55 Minuten Verspätung mit der Ersatzmaschine starteten) unsere Koffer nach Berlin einzuladen. Also standen wir eine Stunde wie dumm am Kofferband rum, bis das Schild "ENDE" kam. Aber am Samstag, so war auf unserem Anrufbeantworter zu Hause zu vernehmen, kommen sie vormittags mit DHL nach Dresden. Na ja!
In Osaka mussten wir feststellen, dass das Reisebüro wohl unsere Plätze bis Tokyo angemeldet, aber nicht bezahlt hatte. Also nachbezahlen. Bloß gut dass wir eine patente Reiseleiterin hatten, die das Ganze in Japanisch managen konnte.
In Tokyo mussten wir dann auch mit Ihrer Hilfe erst mal die Reisetickets holen, die dann aber zum Glück bis Tegel durchgecheckt waren.
Dann der Flug - immer am Polarkreis lang - nur bei Tageslicht. Aber, na gut, mit ein paar Nickerchen am Fensterplatz hinter den Tragflächen überstanden. Der Service wieder britisch sparsam und spröde. Man sah es den Damen der Flugbegleitung an, dass ihnen Fliegen wenig Spaß macht und schon gar nicht mit Economy-Class-Kunden.
Da war die Erfahrung mit ANA von Osaka bis Tokyo eine diametral andere. Übrigens konnten wir bei diesem Flug den Fuji-san prima von oben sehen.
Zurück zu BA: Nachdem wir reichlich Rotwein bei den ersten Servicedurchgängen gebunkert hatten (es gab 3x Essen aus der lieblosen Aluasiette) flossen die Getränke aus Flaschen dann spärlicher, um noch über Ostsibirien den servierten profanen Plastebechern zu weichen, deren Inhalt wir dann, ebenfalls noch über Russland, selbst aus der Küche holen konnten. Gelegentlich dieser Besuche war es auch möglich diverse Snacks von einem Tablett in "eigene Verwaltung zu übernehmen".
In London dann wieder die Sicherheitshysterie vor der selbst produzierten/verursachten Angst. Bitte nur ein Handgepäckstück pro passenger und um Himmels willen nicht den direkten Weg zur Sicherheitskontrolle. Nein, mindestens 4x den Parcours vor und zurück damit ja alle (vor allem indische) Sicherheitsbeamte sehen ob und wie man vor Angst um und über seinen Handgepäckinhalt zittert. Da wir durch eine etwa halbstündige Aussteigeprozedur schon knapp dran waren und Mutti immer unruhiger wurde, war das echt Stress. Also erste britische Kontrolle durch, dann Suchen nach dem Weg zum Abflugs-Gate. Wenigstens war Terminal 1 klar. Endlich Weg gefunden (war uns irgendwie vom Hinflug bekannt) aber wo ist die Flug-Info. Kleinere Flughäfen haben da wunderbar große Anzeigen knapp unter der Hallendecke!
Nein Heethrow braucht so was nicht. Die Leute haben große Stauneaugen, da reichen zwei A0 große Anzeigen an der Seite.
Und dann steht da drauf, dass BA 986 auf 16:20 Uhr verschoben wurde. Gate? Muss man als passenger nicht wissen. Wird nachgemeldet. Wir also in die Lounge für verirrt-verwirrte BA-Nutzer und wenigstens mit der Erkenntnis entlassen: GATE 28.
Also geht die Hatz zum 15 Minuten verspäteten Flieger weiter. Lange Gänge, stehende Rollwege, plötzlich Weg versperrt (mit Wachposten) weil Personenquerverkehr von links. Dann Weiterhetzen, das Ziel in Sichtweite. Aber nein, wir sehen immer noch überprüfungswürdig aus (wird hier neues, ausgeruhtes Personal angelernt?) Also nochmals alles Gepäck + Metallenes auf das Band und durchs "Stargate". Oh es pfeift. Der Geldkatzen-Gürtel war noch am Bauch. Endlich am Gate.
Warten. 16:20 Uhr ist längst vorbei. Dank der neuen "Wassermengen-Regeln" fängt man an zu "dürsteln", ein logischerweise kostenloser Wasserservice (fast jeder kleine Laden bietet heute so was) steht nicht, bzw. zu wuchernden Pfunden, zur Verfügung. Zum Glück haben die Japaner so kleine Joghurtfläschchen, die jede britische Kontrolle unterlaufen können (selbst im 5er-Pack!). Endlich sitzen wir kurz vor 17:00 Uhr auf der vorletzten Reihe am Fenster und lassen uns von hinten durch zarte britisch-stämmige Kinderfüße in den Rücken treten. Wie schimpft man mit solchen Gören! Also die Hand zwischen den Sitzen nach hinten und blind ein Kinderbein gegriffen. Dieses samt Kind etwas nach hinten geschoben und dann nach unten abgewinkelt. Das gleiche schnell noch mit dem anderen Bein. Erstaunen auf der Rückbank und - erst mal - Druckfreiheit im Rücken. Während des Fluges wurde diese erzieherische Maßnahme noch mal nachgebessert.
Gut, 2x gab's Getränke aus dem Plastebecher, wobei schon beim ersten Mal drei Reihen vor uns das Mineralwasser ausging und eine Stewardess im wahrsten Sinne nach Empfehlung ihrer Kolleginnen in der Kombüse suchen ging - einfach peinlich für BA, was wir in einem Fragebogen zur Zufriedenheit auch deutlich zum Ausdruck brachten.
Na ja, dann Tegel s. o.
Dafür klappte dann der Rest bis Bietzkestraße ganz gut, nachdem ich unserem Auto das Vorderteil geputzt hatte. Blöderweise war genau vor dem Stellplatz eine Kuhle und da es irgendwann geregnet hatte (laut Opa war alles unter Wasser - haha), musste es vielen Parkplatzbenutzern höllischen Spaß gemacht haben diese mit Speed zu durchqueren...
Heute sind wir nach einer gut durchschlafenen Nacht mit Oma + Opa in den Garten und haben es dort bis nach dem Kaffee (mit original Berliner Erdbeertorte aus eigener Ernte) bei Temperaturen bis 35°C ausgehalten. Auf der Rückfahrt kriegten wir dann noch einen "Stern" auf die Frontscheibe gezimmert (aber die war ja nach drei Monaten ihres Lebens sowieso schon wieder dran).
Jetzt sind wir in unsrem grünem Zuhause, Robby (Anm. S.: meine Schildkröte) hat sich trotz guter Fütterung wieder an seiner Pflanze vergangen (ca. 10 cm Stiel entblättert).
...
Tja, Japan war schön, das Treffen mit Dir prima und wichtig für die Seelen (vor allem für Mutti)
Bleibe schön gesund, bzw. werde gesünder.
...]


@ 母 & 父 vielen Dank für Euren Besuch. Es hat sehr gut getan, euch wiederzusehen und die gemeinsame Zeit war wirklich schön.
Alles Gute und lasst euch vom Wetter in Deutschland nicht allzu sehr ärgern. Habe gerade in der gestrigen Tagesschau gesehen, dass es wieder angefangen hat zu Schneien im Deutschen Mittelgebirge. Aber 30°C plus X waren ja auch unverschämt viel für den Mai.
Auf bald bei unserem Wiedersehen im August, September oder Oktober.

P.S. An dieser Stelle auch einen Gruß an alle anderen in Deutschland, ob Ost, ob West, ob Nord oder Süd. Und die in der Mitte auch.

Die schönste Frau der Welt kommt aus Japan

Nun hat auch die restliche Welt gemerkt, dass "wir hier in Japan" die schönsten Frauen haben :-)

Riyo Mori aus Shizuoka wurde gestern in Mexiko zur Miss Universe 2007 gewählt.


Quelle: www.welt.de

Mittwoch, 23. Mai 2007

Das große Schlachten beginnt

Bereits kurz vor meiner Ausreise nach Japan und auch danach wurden mir von verschiedener Seite die fürchterlichsten Geschichten über Ungezieferplagen in japanischen Wohnungen erzählt. Von Kakerlaken und Vielfüßern wurde mir erzählt, die Größen erreichen, die man sich in Deutschland nicht vorstellen kann. Besonders im Sommer, wenn es draußen warm und schwül wird, kommen die Tierchen auf ihren bis zu 100 Beinen aus ihren Verstecken und machen es sich unter Betten und hinter Schränken bequem.

Nun ist also die warme Zeit angebrochen und bereits durch andere LeidensgenossInnen wurde mir von ersten Heimsuchungen berichtet. Anfang vergangener Woche war es auch bei mir soweit. Da ich die Balkontür den lieben langen Tag offen stehen lasse - völlig ungefährlich in einem so sicheren Land, wie Japan - öffne ich ungewünschten Besuchern aus der Familie der Krabbeltiere natürlich Haus und Hof. So ergab es sich, dass ich mich letzten Dienstag bei meiner abendlichen Heimkehr plötzlich Aug' in Aug' mit einem Kakerlak sah. Der kleine Kerl wollte zuerst die Flucht ergreifen, hatte jedoch nicht mit meiner Schnelligkeit gerechnet. Mit einem Satz war ich über ihm, um meinen Pantoffel zu ergreifen. Als er dies bemerkte unternahm Artjom (so hab ich ihn im Nachhinein getauft, denn ein Feind ohne Name ist kein guter Feind) einen Schwenk, um in meine linke Flanke einzufallen, nicht bedenkend, dass ich nicht nur geradeaus schlagen kann. Nun das Ende vom Lied ist auf dem folgenden Bild zu sehen.



Eine Feuerbestattung in meinem Waschbecken, die einem so tapferen Kämpfer für die Sache der Kakerlaken gerecht geworden wäre (ja auch gefallene Feinde muss man ehrenhaft behandeln), konnte leider nicht zu Ende gebracht werden, da weder die Streichholzschachtel, noch der Kakerlak so richtig brennen wollten. So fand Artjom sein Ende in der Tüte für nichtbrennbaren Müll, der gestern abgeholt wurde.

Sanja Matsuri

Vom 18. bis 20. Mai herrschte Ausnahmezustand in Asakusa, einem historischen Stadtteil Tokyos, denn es fand das jährliche Fest Sanja Matsuri statt.
Dieses Fest geht auf das 13. Jahrhundert zurück, in dem der Historie zufolge drei Fischer im Fluss, der durch Asakusa fließt, eine Statue der Göttin Kannon in ihrem Netz fanden. Die goldene Statue ist jetzt im Sensoji Schrein in Asakusa untergebracht.
Zu Ehren der Fischer findet nun jährlich das Sanja Matsuri statt. Drei Tage lang vergessen die Japaner ihre Zurückhaltung und jegliche Regeln und das Leben wird bestimmt von Trinken, Tanzen und sonstigen Ausschweifungen.
Die Festlichkeiten begannen am Freitag mit Prozessionen von Musikern in traditioneller Kleidung durch Shitamachi, dem Gebiet in Asakusa um den Sensoji Tempel herum. Auf den Straßen außerdem zehntausende von Zuschauern, meist ortsansässige Ladenbesitzer, deren Angestellte und Anwohner, die ebenfalls zu einem großen Teil in traditionellen Gewändern gekleidet waren.
Am Samstag: wurden Mikoshi, transportable Schreine, aus allen 44 Bezirken von Asakusa zum Tempel gebracht, damit die Kami (shintoistische Götter) herabsteigen und in den Mikoshi Platz nehmen können. Anschließend starteten die Träger und mit ihnen die Schreine eine "Tour" zurück in ihre Bezirke. Auch dieses Spektakel wurde begleitet von hunderttausenden feiernden Menschen.
Der Sonntag schließlich stellte das Finale des Festes dar. Die drei großen Mikoshi des Sensoji-Schreins (jeder etwa eine Tonne schwer) wurden, begleitet von einigen kleineren Mikoshi (bspw. getragen von Kindern), von jeweils 40 Trägern den ganzen Tag und bis in den späten Abend hinein durch Asakusa getragen. Die Träger - früher ausschließlich Männer, mittlerweile sind aber auch Frauen zugelassen - trugen unterschiedliche hanten-Bekleidung mit verschiedenen Designs, welche für die einzelnen Stadtteile von Asakusa stehen.
Jeder der drei Mikoshi repräsentiert einen der Fischer, die die Kannon-Statue fanden. Die Japaner glauben, dass die Kami "hinuntersteigen" und sich in den Mikoshi niederlassen. Die Menschen führen sie dann durch ihre Wohngegenden, um diese den Kami zu zeigen und damit auf Glück zu hoffen. Regelmäßig kehren die Schreine auch zum Sensoji Tempel zurück, wo sie mit viel Jubel vor der Haupthalle präsentiert und herumgeschaukelt werden. Vermutlich, um die Götter aufzufordern, einzusteigen. Danach geht es wieder in alle möglichen Richtungen in die Stadt. Die Träger laufen jedoch nicht einfach stur vor sich hin, sondern tanzen und singen auf ihren Wegen durch die Stadt. Denn es heißt, je mehr die Mikoshi während der Tour geschüttelt werden und je mehr die Träger tanzen, desto mehr Glück soll es bringen.

Interessant ist, dass Sanja Matsuri eines der wenigen Feste in Japan ist, während denen die Yakuza öffentlich in Erscheinung tritt. Bis auf einen gebundenen Lendenschurz ihrer Kleidung entledigt, standen Mitglieder der örtlichen Gruppe "T-Gumi" auf den Mikoshi und feuerten die Träger an. Dabei präsentierten sie ihre teilweise bis auf die Hände, das Gesicht und die Füße komplett tätowierten Körper. Die Polizei schaute an diesem Tag dann auch einfach mal weg.



Aufgrund eines Pionierauftrags, den ich von meinen Eltern am Donnerstag bekommen hatte, mischte ich mich am Sonntag unter die Besucher des Festivals. Und allen, die wie ich bisher glaubten Shinjuku-Station zur morgendlichen/abendlichen Rush Hour oder der Platz am Hachiko in Shibuya am Samstagabend seien voll, denen sei gesagt: Es geht noch voller! In den vergangenen Jahren wurde ca. 1,5 Mio. Besucher an den drei Tagen des Festivals gezählt. Deswegen wage ich zu behaupten, dass auch am vergangenen Sonntag mindestens 500.000 Menschen die Straßen um den Sensoji Tempel bevölkerten. Das mag auch gar nicht so schlimm sein, wenn die sonst in Japan geltenden Verhaltensregeln eingehalten würden. Aber wie bereits weiter oben erwähnt, gelten die zu Sanja Matsuri nicht. Auf den völlig überfüllten Straßen Asakusas und im Tempelbereich selber wuselten die Menschen ohne Ordnung durcheinander. Besonders drastisch entwickelte sich die Situation, wenn in engen Straßen, wie der Nakamise dori, in denen die Menschen eh schon wie die Sardinen aneinander vorbeidrängten einer der großen Mikoshi seinen Weg durch die Stadt suchte. Als Vorhut liefen immer dutzende Begleiter, die mit Megaphonen, Pfeifen und ihrer schieren Masse die Menschen beiseite schoben. Da wurde keine Rücksicht mehr auf kleine alte Großmütterchen oder große schlanke Deutsche genommen. Ich war ziemlich glücklich über 1,70 m groß zu sein. Denn so verlor ich nie den Überblick und lief auch nicht Gefahr zu ersticken, weil ich den Bauch oder die Brust eines unglücklich auf mich gefallenen Mitmenschen ins Gesicht gedrückt bekam.
Lustig auch die Szenen an den Kreuzungen der Gassen: Von allen Seiten strömten die Menschen heran, mit dem Wunsch, sich wieder in alle Richtungen zu verteilen. Doch auch hier gab es keine Regeln, nach dem Motto "Links gehen von Ost nach West, rechts gehen von West nach Ost". Je nachdem, wie gut man darin war, seine Mitmenschen davon zu überzeugen einem den Vortritt beim Vortrieb zu lassen (bei manchen half ein Lächeln, bei anderen ein ernster Blick), kam man mehr oder weniger schnell und halbwegs in der gewünschten Richtung über die Wegkreuzung. Gut dran waren diejenigen - zumeist Mütter - die einen Kinderwagen vor sich herschieben konnten. Vor den Fahrten in die eigenen Hacken und über die Füße fürchteten sich viele "Wegkonkurrenten" dann doch und machten freiwillig Platz.


Butterbrot und Bier

Soviel Kultur aus dem alten Europa durfte ich schon lang’ nicht mehr an einem Tag erleben!

Vergangenen Freitag, dem letzten Tag meines "wohlverdienten" einwöchigen Urlaubs, bekam ich eine extra große Dosis Lebensgefühl des ach so fernen Europas verpasst.
Zunächst besuchte ich am frühen Nachmittag gemeinsam mit Yuki - übrigens einer äußerst bezaubernden zukünftigen Studentin und Japanisch-Lehrerin in Bochum - eine Kinovorstellung im Rahmen der EU Film Days. Gezeigt wurde der polnische Film Mój Nikifor, dessen Handlung sich um das Leben des berühmten polnischen Künstler Nikifor Krynicki (1895-1968) dreht. Bemerkenswert war - was mir jetzt erst beim Verfassen des Blog so richtig auffällt, dass Nikifor im Film von der Schauspielerin Krystyna Feldman gespielt wird.
Aufgrund der Ausstrahlung des Streifens in polnischer Originalfassung, gepaart mit – für meine mittelschlechte Leseleistung - ziemlich schnell wechselnden japanischen Untertiteln, verstand ich nur leider nicht die Hälfte der Zusammenhänge im Film. Aber ich hatte ja glücklicherweise Yuki dabei, die mir nach dem Film u. a. erklären konnte, wieso der ärmlich und verstört wirkende Nikifor zum Ende des Films mit einem Mal eine große Ausstellung mit allerlei Prominenz bekam.
Aber es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass es die Europäer (wieder) vermögen, auch ohne die übliche Hollywood-Dramatik und -Gewalt gute und des Kinobesuchs würdige Filme zu produzieren.

Im Anschluss an den Film machten wir uns durch das sonnenbeschienene Tokyo auf den Weg zum DAAD, in dessen Räumlichkeiten am Abend eine Veranstaltung stattfand, die unter dem im Titel des Blog-Eintrags genannten Thema stand. Was war ich überrascht, wie viele Deutsche - insbesondere Studenten (zumeist DAAD-Stipendiaten) - sich doch in Tokyo leben und an einem solchen Abend zusammenfinden. Ok es war aber auch alles gratis! Also ein triftiger Grund für finanziell ewig klamme Studenten und Praktikanten ans Tageslicht zu kommen und die Gemeinschaft zu suchen.
Nach einer für japanische Verhältnisse erfreulich kurzen Ansprache des japanischen DAAD-Präsidenten(?) bildete ein klassisches Konzert, bei dem von deutschen und japanischen Hobby-Musikern vor allem Werke Johann Sebastian Bachs aufgeführt wurden, den Auftakt des Abends. Im Anschluss daran startete der Höhepunkt des Tages und der Grund, warum die Veranstaltung mit "Butterbrot und Bier" überschrieben war: Eine Stehparty mit hektoliterweise Bier (gutes Sapporo) und - mein Herz schwang über vor Freude - echtem deutschen Schwarzbrot und ebenso echter deutscher Wurst, Käse, Butter und Saurer Gurken. Nach über fünf Monaten Ernährung fast ausschließlich durch Reis, Buchweizennudeln, Fisch und, wenn der Appetit einmal nach Brot und Wurst verlangte, blassem Weißbrot und seltsam anmutendem Wurstersatz, wieder einmal eine dicke Scheibe Schwarzbrot mit Jagdwurst und Schinken belegt in Händen halten und verspeisen zu können, ließ in mir Gefühle wie zu Weihnachten aufkommen.
Flankiert wurde die Veranstaltung von Fotographien und Videoinstallationen deutscher und japanischer DAAD-Stipendiaten, die Kunststudiengänge absolvierten.

Montag, 7. Mai 2007

Und Langnasen beißen doch!

Nun ist sie schon wieder vorbei, die Golden Week in Japan. Bei dieser besonderen Woche im japanischen Kalender handelt es sich um einen Zeitraum, in dem (zumindest dieses Jahr) innerhalb einer Arbeitswoche gleich vier Feiertage liegen:
  • Am 29.04. ist der "Showa-Tag" zum Gedenken an Kaiser Hirohito (da das dieses Jahr ein Sonntag war, war der Montag frei)
  • Der 03.05. ist der "Verfassungsgedenktag"
  • Den "Tag der Umwelt" feiert man am 04.05.
  • Und der 05.05. ist der "Tag des Kindes"
Ganz Japan ist in dieser Woche unterwegs; entweder um zur Familie zu fahren oder mal ausgiebig (mehr als fünf Tage) Urlaub zu machen.

Auch ich hatte die Möglichkeit wahrgenommen, mal aus Tokyo rauszukommen und etwas anderes zu sehen. Mein Weg führte mich nach Kyoto, der alten Hauptstadt Japans.
Zu nachtschlafener Zeit startete mein Zug Donnerstagmorgen um 06:30 Uhr in Tokyo. Und ich muss sagen, ich liebe die japanischen Shinkansen. Die Züge sind sowas von bequem. Und Beinfreiheit ohne Ende. Sogar ich als Riese im Land von Zwergen konnte meine Beine lang ausstrecken und es mir im bequemen Sessel so richtig gemütlich machen. Für mich lustig (wenn auch mittlerweile nicht ganz unerwartet) anzusehen war auch das Verhalten der Zugbegleiter. Bevor sie einen Wagen betreten, verbeugen sie sich zuerst. Und bevor sie den Wagen auf der anderen Seite wieder verlassen, drehen sie sich nochmal um, um eine erneute Verbeugung auszuführen. Angenehm, dass die Schaffner auch nicht nerven, wenn sie ihren Stempel auf die Fahrkarte drücken wollen und der Fahrgast gerade schläft (oder so tut). Während deutsche Bahnbeamte solange Querelen machen, bis man entnervt die Augen öffnet, wird man hier in Japan in Ruhe gelassen.

In Kyoto traf ich mich mit Toshi-san, einem netten älteren Herrn, der zusammen mit seinem 99,5-jährigen Vater in der Nähe von Kyoto lebt. Toshi-san habe ich über einen Volunteer-Service kennengelernt und er war für zwei Tage mein Stadtführer. Bei herrlichstem Frühsommer-Wetter zogen wir am Donnerstag und Freitag durch die Stadt. Mit wirklich viel und interessantem Hintergrundwissen konnte er mir die Geschichten diverser Tempel, Paläste und Villen näherbringen. Auch wenn ich zugeben muss, das meiste schon wieder vergessen zu haben. Aber wer kann sich schon merken, welcher Gründer welcher buddhistischen Sekte wann welchen Tempel erbaut hat, nachdem die Sekte von wem auch immer aufgrund von "Monopolbildungen" aufgespalten wurde.

Auf unseren Streifzügen bewegten wir uns meist etwas abseits der breitgetretenen Touristenpfade. Einer der Gründe, weshalb ich mich zeitweise wie der einzige Gaijin in der 1,5 Mio-Metropole vorkam. Es können schon seltsame Gefühle in einem aufkommen, wenn man bei der Besichtigung einer alten herrschaftlichen Villa oder eines Tempels in einer Gruppe von 30 bis 50 Touristen die einzige Langnase ist. Für manchen der Besucher war ich dann interessanter, als die eigentlichen geschichtlich interessanten Bauten und Objekte.
Nur einmal wurde mir die Show gestohlen. Auf einem meiner abendlichen Wege zurück ins Hotel wartete ich zusammen mit einigen Japanern an einer Ampel. Ein junges Pärchen, beide eher von kleinerer Statur, betrachtete mich ob meiner Größe "erfurchtsvoll" von unten herauf. Später liefen wir drei (und einige andere) den selben Weg entlang, als uns ein anderer Ausländer entgegenkam, der mich mit gut 2m weit überragte. Da gab es hinter mir aber ein großes Aah und Ooh...

Während der Zeit mit Toshi-san mutierte ich zeitweise zum echten Fotomodel. Zwar ohne die Fähigkeit toll posieren zu können und auch ohne den notwendigen Körperbau, um zur Topliga zu gehören; aber was die Anzahl der Ablichtungen angeht, kann ich es sicher mit dem einen oder anderen aufnehmen. An allen möglichen Plätzen meinte Toshi-san "Stell Dich mal dort hin", "Sitz mal hier" oder "Warte mal da drüben". Jetzt bin ich gespannt, wie ich mich so gemacht habe, wenn er mir demnächst die Bilder schickt...

Als ich mich Samstag schließlich allein umhertrieb, musste ich im kaiserlichen Palast die Erfahrung machen, dass sich einige der hiesigen Inselbewohner trotz der Öffnung des Landes vor gut 150 Jahren noch immer vor Menschen mit langer Nase und unglaublicher Körpergröße fürchten. Da Toshi-san als Schreinträger in seiner Heimatstadt unabkömmlich war, musste ich mich nach anderen Möglichkeiten umsehen, um mich auch einmal auf ein Bild bannen zu lassen. Also guckte ich mir in meiner riesigen japanischen Begleitergruppe einen vertrauenswürdig wirkenden Mitmenschen heraus, um ihn zu fragen, ob er mich mal vor einem der Gebäude ablichten könnte. Keine Ahnung, ob ich mich so missverständlich ausdrückte oder er echt Angst vor mir hatte. Jedenfalls rannte er zuerst zu seiner Familie (kleiner Sohn, zwei Töchter und Ehefrau), um sich mit denen zu beraten. Hatte er mich so verstanden, dass ich mit ihm (oder einem anderen Japaner) zusammen auf ein Foto will?! Denn er fragte irgendwas seine Töchter und seine Frau, die mit angstgeweiteten(?) Augen ein verneinendes Kopfschütteln erkennen ließen. Schließlich kam er wieder zu mir zurück, um selbst die Tat zu vollbringen. Da ich durch das Verhalten seiner Familie etwas verunsichert war, machte ich ihm nochmal klar, dass er wirklich nur ein Foto von mir machen sollte. Ich war nicht auf der Suche nach irgendwelchen obskuren Abenteuern!

Vom wilden Affen gebissen wurde ich (zumindest fast) auf dem Arashiyama. Auf diesem Berg im Westen von Kyoto kann man im Iwatayama Monkey Park eine große Anzahl japanischer Affen in freier Natur beobachten und man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Am späten Samstagnachmittag fuhr ich auf Empfehlung einer Guide mit der Keifuku-Arashiyama Line nach Arashiyama. Dort angekommen und nach einem knapp 20-minütigen Aufstieg auf den Berg, erreichte ich eine Aussichtsplattform, auf der sich auch einige Affen rumtrieben. Bereits vor dem Aufstieg wurde ich gewarnt, den Viechern nicht in die Augen zu blicken. Besonders die älteren männlichen Exemplare sollen da ziemlich giftig drauf reagieren. Da ich den Blick auf Kyoto jedoch auch genießen wollte, näherte ich mich auf dem Weg zum Rand der Plattform einem älteren männlichen Affen (allerdings ohne ihn direkt anzusehen). Irgendwie fühlte sich der Kerl aber von mir dumm angemacht, denn plötzlich fing der ein Geschrei an und zeigte mir seine netten Beißerchen. Da ich jedoch keine Erfahrung mit selbigen machen und dem Tierchen auch kein Haar krümmen wollte, machte ich lieber kehrt und stiefelte weiter den Berg hoch, bis zum Gipfel. Oben angekommen konnte ich dann auch die Aussicht genießen - in Gesellschaft von netten Affen, die mehr miteinander zu tun hatten, als sich auf mich zu stürzen.

Sozialstudie

Liebe Leserschaft,

vielen Dank für die zahlreiche (unbewusste, aber anonyme) Teilnahme an der von mir am 29. April gestarteten Untersuchung des gesellschaftlichen Nahraums meiner Blog-Leser und Flickr.com-Album-Besucher unter Verwendung empirisch ermittelter Untersuchungsbefunde – oder kurz: meiner "Sozialstudie".
Mithilfe dieser "Studie" wollte ich neue Erkenntnisse über die Besuchergemeinde meiner Flickr.com-Alben gewinnen.
Als Abschluss- oder Zwischenergebnisse (so ganz genau weiß ich das noch nicht), kann ich nun folgende Erkenntnisse bekanntgeben:

Zunächst konnte ich eruieren, dass der überwiegende Teil der Besucher meiner Flickr.com-Seiten (nicht ganz unerwartet) männlich sein muss.
Denn wie schon oft von anderen bewiesen, gilt auch auf meinen Seiten scheinbar das Motto "Sex sells". Für das Album meines Besuchs der Playoffs der "bj league" vom 22. April wählte ich die Fotos bewusst so aus, dass ein relativ ausgewogenes Verhältnis der Anzahl an Bildern von den Spielen (Basketballspieler, Ball, Korb, ...) und den Bildern der Geschehnisse am Rande des Spielfeldes und in den Pausen (Cheerleader, Maskottchen, ...) herrscht. Die Auswertung der "Viewed"-Statistiken zeigt ein deutliches Bild: Während Fotos der Spiele jeweils Detailbetrachtungen (also mehr als die Thumbnailansicht) von lediglich null bis vier Mal auf sich ziehen konnten, stieg die Betrachtungsrate bei den Bildern mit den Cheerleadern mit mindestens zehn, im Durchschnitt sogar etwa 20 Views, sprunghaft an (Anm.: Außerhalb der Gruppe meiner lieben Blog-Leser sind meine Alben in der Flickr-Gemeinde relativ unbekannt, weshalb es sich natürlich nicht mit den weitläufig bekannteren messen kann). Besonders angetan zu sein scheint ihr vom Bild "Osaka Evessa Cheerleader". Obwohl ich damit rechnete, dass dieses Bild besonderen Anklang finden würde ;-) , war ich doch ein wenig überrascht, in welch' kurzer Zeit es mit 47 Views auf den zweiten Platz der beliebtesten Bilder all meiner Alben gelangte. Es verdrängte sogar knapp die Langzeit-Nummer-Eins "Cosplay girls at Jingu-bashi".

Außerdem durfte ich feststellen, dass es unter euch eine ungeheure Anzahl an "Setis" und Star-Wars- oder Star-Trek-Fans geben muss, die beim Wort "Spaceship" leuchtende Augen bekommen und von fernen Welten träumen. Von mir gänzlich unerwartet schaffte es das unscheinbare Bild (Dank dafür an Raik den Fotografen) einer Raumschiff-Attrappe der Deko eines Roller Coasters im Disneyland Tokyo mit derzeit "unglaublichen" 66 Views auf den Top-Platz der Allzeit-beliebtesten Fotos meiner Flickr.com-Alben.