代々木公園で見た

代々木公園で見た

Sonntag, 25. März 2007

"Weltuntergang" im Fernsehen

Heute geht die Welt unter! Hier in Japan kann man das am heutigen Tag auch wörtlich nehmen. In Tokyo stürmt und regnet es (hat aber zwischenzeitlich etwas nachgelassen) und im Nordwesten der Präfektur Ishikawa (Westjapan, also weit weg von Tokyo) gab es gegen 09:42 Uhr ein sehr starkes Seebeben (ungefähr Stärke 6). Die Region Tokyo soll das Beben noch mit einer Stärke von 1 auf der nach oben offenen Richterskala erreicht haben. Ich habe es nur daran gemerkt, dass mein kleiner roter Dharma kurz nach der oben genannten Zeit mal einen kurzen Spaziergang über den Tisch veranstaltet hat.

Da die Außenwelt aufgrund des Wetters nicht wirklich zu einem Ausflug einlädt, verbringe ich den heutigen Tag damit, eine Menge Japanisch-Hausaufgaben zu machen und Vokabeln zu büffeln.
Außerdem läuft nebenbei die Flimmerkiste. Nachdem heute Morgen auf nahezu allen Kanälen das Seebeben DAS Topthema war, kehren die Fernsehmacher so langsam zum Tagesprogramm zurück. Neben diversen Anime-Serien, die ohne Vorwarnung mit irgendwelchen seltsam anmutenden Spiel- und Kochshows abwechseln und durch Werbeblöcke unterbrochen werden, die so unverhofft kommen, wie sie gehen, wurde gegen 13 Uhr eine Art "Traumhochzeit" mit Linda de Mol gesendet. Nur, dass die Linda durch einen alternden Playboy und eine Assistentin mit der Stimme einer Kreissäge ersetzt wurde.


Hauptaufgabe der Kreissäge war, die Brautpaare zu Beginn mit einem lauten "Irashaaaaaai" zu begrüßen und mit einem darauf folgenden, aber mindestens genauso anstrengenden "doooosoooo" zum Setzen aufzufordern. Anschließend brüllten (vermutlich wegen der schwerhörigen Großmutter zu Hause) die beiden Gäste (also das Brautpaar) jeweils ihre Namen und ihr Alter in die Tischmikros, so dass der Moderator vor Schreck (oder wegen dem Schalldruck) mitsamt seinem Sessel seitlich umfiel, was vom Publikum mit lautem Gejohle begleitet wurde
Nachdem sich Mr. Playboy wieder aufgerichtet hatte, ging seine erste Frage an die Braut. Vermutlich jene, die in dem Moment - aufgrund des (für japanische Verhältnisse übermäßig) üppig gefüllten Kleides - alle ((japanischen) männlichen) Zuschauer am meisten interessierte: Wie denn ihre Körbchengröße lautet...?! Ich glaube, spätestens jetzt wäre in Deutschland Alice Schwarzer ins Studio gestürmt und hätte den Moderator entzwei gerissen. Aber die Braut musste sich zusammenreisen und brachte mit einem gekonnten Lächeln ein "etch cappu" über die Lippen. Danach sollte der Bräutigam das Gewicht der Oberweite seiner Angetrauten durch Live-Handwiegen schätzen. Da kam ich ob des Niveaus der Sendung doch ein wenig ins Grübeln.
Anschließend folgten noch Fragen zum Ort des Kennenlernens (Internetcafé), wer den Anfang gemacht hat (er) und diverses mehr.
Zum Schluss wurde das Paar mit einer gemeinsamen Verbeugung und einem "arigatooo" der Kreissäge erstmal hinter die Bühne geschickt und das zweite Paar hereingebeten, damit sich dieses einer ähnlichen Prozedur unterziehen lassen konnte. Die oben stehende erste Frage kam diesmal aufgrund einer veränderten Situation nicht auf. Dafür musste der Bräutigam die Namen von Blumen erraten, die in einem überdimensionalen Gebinde auf dem Tisch in der Mitte der Runde standen. Zum Erstaunen des Moderators schlug er sich dabei auch recht gut.


Das letzte, was ich von der "Traumhochzeit" mitbekam, bevor ich mich wieder "Japanese For Busy People II" widmete, war, dass die Paare durch ein multimediales Memory-Spektakel Preise, wie Reisen, Notebooks oder Kaffeemaschinen, gewinnen konnten.

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