代々木公園で見た

代々木公園で見た

Samstag, 30. Dezember 2006

Umzug nach 3-18-3 Meguro

Achso: umgezogen bin ich am Donnerstag ja auch noch. Aus dem Gästezimmer in Kagurazaka hin in mein eigenes Apartment in Meguro, welches - und jetzt haltet euch fest - beachtliche 20 qm hat. Boah, werdet ihr jetzt denken, was für eine fürstliche Größe für japanische Verhältnisse; und das für eine Person allein. Ja Recht habt ihr! Aber ich brauchte eben eine repräsentative Residenz...

Über diesen Link könnt ihr das Haus aus der Vogelperspektive sehen.

Den Umzug hab ich mit einem Taxi durchgeführt, denn den Stress mehrfach mit schwerem Gepäck mit der stets vollen JR Yamanote Line zu fahren, wollte ich mir nicht unbedingt antun. So ging es bequem von Haustür zu Haustür.
Der Fahrer hat die richtige Adresse in Meguro sogar auf Anhieb gefunden; was bei Tokyoter Taxifahrern nicht selbstverständlich ist, da das japanische Adressystem nicht so ganz einfach ist, wie wir es in Deutschland kennen. Japanische Postadressen (jap. 住所 Jūsho) basieren nicht auf den Grundlagen von Strasse und Hausnummer, sondern auf städtischen Verwaltungseinheiten. Folgende Komponenten sind Bestandteil einer Adressangabe in Japan:
  • Die Postleitzahl und der Name der Präfektur + 都 (to) oder 道 (dō) oder 府 (fu) oder 県 (ken)
  • Name der Stadt + 市 (shi) oder Name des Landkreises + 郡 (gun)
  • Name des Stadtbezirk + 区 (ku) [allerdings nur in großen Städten]
  • Name des Stadtteils oder der Landgemeinde + 町 (chō)
  • Nummer des Stadtteilabschnitts + 丁目 (chōme) [nur in Städten]
  • Nummer des Häuserblocks + 番地 (banchi) / 番 (ban)
  • Nummer des Grundstücks + 号 (gō)
  • (Gebäudename)
  • (Apartmentnummer + 号 (gō) oder Zimmernummer + 号室 (gōshitsu))
  • Personenname + 様 (höfliche Anrede)
Die Nummern des Häuserblocks und des Grundstücks werden je nach Erschließung oder Bau vergeben. Dadurch ist es oftmals so, dass man nicht davon ausgehen kann, dass neben dem Block / Grundstück mit der Nummer 1 der Block / das Grundstück mit der Nummer 2 liegt. Und genau das ist das Problem, welches auch Taxifahrer beim Finden einer Adresse haben.

Die Postadresse meines Apartments wird nach oben stehendem Muster wie folgt angegeben:
153-0063東京都目黒区目黒3丁目18番3号
  • Postleitzahl: 153-0063
  • Name der Präfektur: 東京都 (Tokyo-to)
  • Name des Stadtbezirks: 目黒区 (Meguro-ku)
  • Name des Stadtteils: 目黒 (Meguro)
  • Nummer des Stadtteilabschnitts: 3丁目
  • Nummer des Häuserblocks: 18番
  • Nummer des Grundstücks: 3号
Und eventuellen Fragen vorbeugend stelle ich hier gleich noch ein paar Bilder von meiner Unterkunft und der Aussicht vom großen Südbalkon bereit.


Schreibtisch und Bett(en).


Bett(en), Balkon, Schrank und Esstisch. Draußen auf dem Balkon gibt es auch noch eine Waschmaschine


Blick vom Balkon nach Osten.


Blick vom Balkon nach Westen.

Besuch der Deutschen Botschaft und der Blick auf den Fuji-san

Weil wir diese Woche Winterferien haben - unsere Sprachsschule hat geschlossen - entschied ich mich am Mittwoch einmal zur Deutschen Botschaft hier in Tokyo zu fahren.
Ich wollte mich zum einen in die Deutschenliste eintragen lassen und zum anderen meinen Führerschein übersetzen lassen. Nur mit einer solchen japanischen Übersetzung ist es möglich als Ausländer in Japan Auto zu fahren oder eines zu mieten. Die Deutschenliste dient der Botschaft dazu, einen Überblick zu gewinnen, welche Deutschen Staatsbürger sich zur Zeit in Japan befinden. Sie ist auch im Fall einer Katastrophe, wie einem starken Erdbeben, wichtig, denn anhand der Liste können Rettungsmaßnahmen oder Evakuierungen organisiert und koordiniert werden.
Leider hat die Botschaft - typisch deutsch - so "gute" Arbeitnehmer- und Praktikanten-freundliche Öffnungszeiten, dass ich bisher noch keine Zeit dazu gefunden hatte, schon früher einmal hinzugehen.

Bei strahlendem Sonnenschein zog ich los Richtung Hirō. An der Pforte zur Botschaft angekommen wurde ich zunächst von einem freundlichen japanischen Sicherheitsmann nach meinem Begehr und Ausweis gefragt. Nachdem ich ersteres kundgetan und letzteres vorgezeigt hatte, ließ er mich gewähren und durch das Tor und die darauffolgende Sicherheitskontrolle gehen. Nun war ich wieder auf deutschem Boden. Und das ohne Flug und Streß. Ich verspürte doch einige heimatliche Gefühle. Diese sollten sich noch verstärken, als ich das Botschaftsgebäude betrat und die große Menge an Wartenden sah die darauf hofften, an den zwei einzigen Schaltern bedient zu werden. Wie luxuriös kam mir in diesem Moment die Japanische Botschaft in Berlin vor: ganze sechs Schalter und ich der einzige Antragsteller weit und breit.
Ich musste auch "nur" eine geschlagene Stunde warten. Aber glücklicherweise hatte ich mein Keitai und das Metropolis-Magazin dabei. So wurde mir nicht langweilig. Die nette junge japanische Dame am Schalter entschädigte mich jedoch für all die Warterei. In perfektem Deutsch fragte sie nach meinen Wünschen und erledigte alles prompt.

Gestern habe ich erfahren, dass man seine Angelegenheiten in der Botschaft auch schneller, als in einer Stunde erledigen kann. Raik brauchte wohl nur 10 Minuten. Er war gerade einen Tag später dort, als ich. Tja hab ich wohl Pech gehabt.

Nachdem ich meine Angelegenheiten in der Botschaft erledigt hatte, das Wetter mich jedoch von einer sofortigen Rückkehr in mein Quartier abhielt, fasste ich den Plan einmal von Hirō aus über Ebisu, Shibuya, Harajuku und Yoyogi nach Shinjuku zu laufen. Zum Großteil führt der Weg vorbei an interessanten und belebten Straßen und war somit ein Erlebnis für sich.
In Shinjuku angekommen, fiel mir der wolkenlose Himmel auf und die Lehren meines Geolehrers aus den Zeiten meines Geographie-Leistungskurses am Gymnasium ein. Eine davon lautete: Wenn es stark und lange geregnet hat, dann setzt sich ein Großteil der Staub- und Schmutzpartikel in der Luft auf den Boden ab und man hat eine super Fernsicht, wenn man sich auf einem hohen Aussichtspunkt befindet. Nun hatte es den ganzen vorangegangenen Tag ununterbrochen geregnet und aus dem Shinjuku Tower District grüßten die ersten Wolkenkratzer. Da fiel mir ein, dass ich am Montag auf der Aussichtsebene des Tokyoter Rathauses, dem Tokyo Metropolitan Government Building, in der 45. Etage auf einem Hinweisschild den Fuji-san gesehen habe. Mit meinem Wissen im Kopf und zwei Kameras in der Tasche vollzog ich eine scharfe Linksbiege und lief zum Rathaus, um dort zur Aussichtsebene zu fahren. Oben angekommen bot sich mir ein grandioser weiter Blick über Tokyo. Und als ich nach Westen schaute, erblickte ich ihn: Den stolzesten aller japanischen Berge: Den Fuji-san.


Montag, 25. Dezember 2006

Weihnachten in Japan

Nun ist der 25. Dezember - der erste Weihnachtsfeiertag - schon wieder fast vorbei. Weihnachtliche Gefühle kamen bei mir bisher jedoch eigentlich nicht richtig auf. Die einzige Ausnahme war gestern Abend. Denn da veranstalteten wir in kleinem Kreise eine Deutsche Weihnachtsfeier. So richtig mit Stollen, Lebkuchen, Plätzchen und Glühwein. Letzterer sollte ursprünglich eine Feuerzangenbowle werden. Aber da wir in Tokyo leider keinen Zuckerhut und auf die Kürze auch keinen Rum mit brennbarem Alkoholgehalt auftreiben konnten, und die in London bestellten Zutaten aufgrund des dort vorherrschenden Nebels uns nicht rechtzeitig erreichen konnten, wurde daraus leider nichts und wir sahen uns sozusagen als Trost – stattdessen in Teilen den Film "Die Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann an.
Außerdem veranstalteten wir ein Schrottwichteln. Dazu musste im Voraus jeder Teilnehmer ein Geschenk besorgen, welches so sinnlos wie nur möglich ist. Wir übertrafen uns dabei gegenseitig. Heraus kamen: Ein Tesaband mit irgendwelchen Mangafiguren, getrockneter Fisch in Tüten, Schlüsselanhänger und noch einiges mehr. Und weil am Ende ein paar mehr Gäste, als Geschenke da waren, wurden kurzerhand noch ein paar Büchsen japanisches "Neujahrs"-Bier zu Geschenken erklärt.

In Japan ist aufgrund des fast nicht vorhandenen christlichen Glaubens (nur ca. 1% der Bevölkerung sind Christen) Weihnachten kein echter Feiertag, an dem man besinnlich mit der Familie zusammensitzt und feiert. Lediglich Pärchen feiern bei einem romantischen Dinner in einem guten Restaurant und anschließend mit einer Erdbeertorte im Love-Hotel.
Und da der 25. Dezember ein normaler Arbeitstag ist und einige unserer Partyteilnehmer wieder arbeiten mussten, löste sich unsere Feier kurz vor Mitternacht wieder auf. Ein weiterer nicht zu vergessender Grund ist, dass in Tokyo die Metro-Bahnen nur bis Mitternacht fahren. Ein Sachverhalt, der mich übrigens extrem stört. Aber die Stadtregierung ist eben um die Leistungsfähigkeit ihrer Bürger besorgt und bemüht sich auf diese Weise darum, dass jeder rechtzeitig zu Hause ist.

Leider verpassten Uta und ich unsere letzte Bahn der Tozai Line. Deshalb legten wir einen kleinen Nachtspaziergang von Takadanobaba nach Kagurazaka ein, inklusive Rast an einem Conbini, in dem wir uns jeder ein Sandwich holten, da unser innigster Wunsch nach einer Tüte Pommes nicht erfüllt werden konnte. Die McDonalds auf unserem Weg hatten alle bereits geschlossen (-.-) Aufgrund der relativen milden Temperaturen war der Spaziergang jedoch eine angenehme Sache.

Nun wünsche ich allen noch schöne und besinnliche Feiertage.

またね セバスティアン

Des Tennos 73. Geburtstag

Jedes Jahr am 23. Dezember feiert der gottgleiche japanische Kaiser Akihito seinen Geburtstag. Zu diesem Anlass laden er und seine Familie an diesem Tag das Volk dazu ein, ihn im Palast zu besuchen – und zu huldigen.

Da wir HNP-Stipendiaten zu den "feurigsten Anhängern" des Tennos gehören, wollten wir uns die Möglichkeit nicht entgehen lassen, den Kaiser einmal persönlich und aus relativer Nähe zu sehen, sowie den Palast und den dazugehörigen großen Park zu besichtigen.

Nachdem sich unser Grüppchen, bestehend aus zehn Leuten um kurz nach 09:00 Uhr am Yaesu Central Ticket Gate der Tokyo Station getroffen hatten, zogen wir allesamt los, Richtung Chiyoda-ku (jap. 千代田区), dem kaiserlichen Bezirk in Tokyo. Auf der Uchibori-dori, der Straße, die im Osten am Kaiserpalast vorbeiläuft, bekam jeder von uns von einem jungen Mann noch ein Winkelement in Form einer schön großen Japan-Fahne in die Hand gedrückt. Von diesen Fähnchen sollten wir später noch hunderte – ja tausende – zu sehen bekommen.

Zu meiner Überraschung kamen wir recht schnell am Eingang zum kaiserlichen Garten an und auch hinein. Ich hatte eigentlich erwartet, aufgrund des enormen Ansturms, einige Stunden warten zu müssen. Aber wir kamen vermutlich zu einer recht günstigen frühen Zeit. Zunächst ging es noch vor dem Eingang zum Palast vorbei an zwei Security-Checks. Dort merkte ich, dass die Sicherheitskräfte scheinbar sehr viel Vertrauen in die Besucher setzen. In Deutschland undenkbar: man durfte Trinkflaschen – auch große – mit auf das Palastgelände nehmen. Es gab einzig den Hinweis, diese Flaschen doch bitte während des Aufenthaltes im Palastgelände in der Tasche zu lassen. Es wurde scheinbar kein Gedanke daran verschwendet, dass die Behälter als Wurfgeschosse verwendet werden könnten. Andererseits – wer will dem Tenno schon ein Leid antun?!

Nach den Kontrollen überschritten wir die Nijubashi Brücke und betraten den kaiserlichen Park. An normalen Tagen ist an der Brücke für Besucher Schluss. Weiter kommt man nicht in das Palastgelände hinein.

Schließlich erreichten wir einen großen Platz vor dem Palast. Der Teil des Palastes, den wir sehen konnten, besteht aus einem langen Gebäude an dessen Längsseite von einer Seite zur anderen ein langer verglaster Balkon entlangläuft, in dessen Mitte sich ein Vorbau befindet, in dem sich die kaiserliche Familie zeigen würden.

Um 10:15 Uhr war der Platz vor dem Palast dicht gefüllt mit Menschen. Ein paar überlange Gaijins stachen aus der Menge hervor. Eine witzige Situation ergab sich an unserem Standort. Markus (ein anderer langer Mensch aus unserer Gruppe) und ich standen nebeneinander. Als sich der Platz mehr und mehr füllte, schauten wir uns auch mal nach hinten um und bemerkten, dass bis ca. vier Meter hinter uns niemand stand. Ich glaube die Leute haben nichts gesehen *hehexxl*

Um 10:20 trat dann der Kaiser mit seiner Familie auf den Balkon und hielt eine kurze Ansprache. Kurz vor der Ansprache zupfte eine ältere japanische Dame – die sah, dass ich mit meinen zwei Kameras bis weit über die winkende Menge reichte – an meinem Ärmel und fragte, ob ich mit ihrem Fotoapparat auch einmal ein paar Bilder "von weiter oben" schießen könnte. Weil ich ja ein gut erzogener Pionier bin, meinte ich "Hai, dozō", nahm ihre kleine Kamera, drückte ihr meine zwei Apparate in die Hand und schoss ein paar Bilder. Anschließend tauschten wir wieder zurück und sie bedankte sich sogar mit einem deutschen "Danke". Ist schon toll, wenn man kleinen Leuten helfen kann (^_^) Nach dem Ende der Rede des Kaisers schwenkten wir alle unsere mitgebrachten Japan-Flaggen. Es war ein beeindruckendes Bild. Und von überall erschollen „Tenno Tenno Tenno“-Rufe und andere Sprüche die ich leider nicht ganz verstand und daher nicht wiedergeben kann.

Nach diesem ersten Höhepunkt des Tages schlenderten wir durch den Park und legten uns eine Weile auf eine Wiese. Die Sonne schien und es war wunderbar warm. Sogar ein blühender Kirchbaum stand am Rande.

Außerdem gönnten sich Raik und ich noch etwas Besonderes: Einen kleinen Tischkalender der japanischen Kaiserfamilie. Einfach wunderschön…

Der Kaiser tritt an seinem Geburtstag übrigens dreimal auf. Und wer es an Tennos Geburtstag nicht zu einem "Besuch" schafft, der hat am 02. Januar eines jeden Jahres noch einmal die Chance. Dann spricht Kaiser Akihito zum Neujahr zum japanischen Volk.

Nachdem wir den Kaiserlichen Park im Norden verlassen hatten, machten wir uns auf den Weg in Richtung des Yasukuni-Schreins (jap. 靖国神社 Yasukuni-jinja; "Schrein des friedlichen Landes"). Es handelt sich dabei um einen Shintō-Schrein, in dem die Angehörigen des japanischen Militärs, die in den Bürgerkriegen nach der Meiji-Restauration von 1868 auf der Seite der kaiserlichen Armeen oder in den Kriegen Japans in Asien und gegen die USA ihr Leben ließen, als "kami" und "Heldenseelen" (jap. 英霊 eirei) verehrt werden.

Auch hier konnten wir wieder viele interessante Menschen beobachten. Neben ein paar japanischen Rechten und einer Handvoll Yakuza, auch eine Betriebsdelegation, die in dem Schrein die Toten ehrte.

Donnerstag, 14. Dezember 2006

My home is my castle

Aufgrund vieler Nachfragen, wie ich denn (derzeit) so wohne und wie die Umgebung ist, hier ein paar Eindrücke meines Zimmers, des Hauses in dem ich wohne und von der Umgebung:


Mein Zimmer. Klein (10,6 qm) aber mein (^_^) Schränke??? Braucht man nicht. Es gibt ja zwei kleine Regale und Kleiderhaken (-.-)
Im Haus gibt es insgesamt sieben Zimmer mit derzeit acht Bewohnern.


Die Küche und der Zugang zu den Sanitäranlagen und den Duschzellen, von der Küche aus. In der Küche bin ich eigentlich selten, eigentlich nur ab und an, um mal eine Ramen oder ein Okonomi-Yaki warm zumachen. Meist wird aber außerhalb gegessen. Das Waschbecken im rechten Bild ist leider auch sehr klein ausgefallen. Drum wird das nur zum Rasieren und Zähneputzen genutzt.


Im linken Bild zu sehen: der Hauseingang (der, wo Sakura House drübersteht) zur Unterkunft und die Straße vom Haus in Richtung Kagurazaka Station (Tokyo Metro "Tozai Line"). Gleich neben dem Eingang steht, wie praktisch, ein Automat mit warmen und kalten Getränken. Links vom Eingang ist ein Waschsalon mit Waschmaschinen und Trocknern. Leider waschen die Maschinen nur mit kaltem Wasser. Drum wird wirklich verdreckte Wäsche nicht sauber. Aber um Zigaretten- oder anderen Geruch aus den Kleidern zu kriegen reicht es.
In Japan verlaufen die Stromleitungen aufgrund der häufigen Erdbeben meist oberirdisch. Darum auch der "Kabelsalat" in den Straßen.


Gleich nebenan befindet sich ein kleiner Shintō-Schrein mit Torī. Das Torī ist das große Tor mit den zwei Querbalken im linken Bild.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Deutsches Kulturfest der Sapporo Brauerei

Für gestern Abend war unsere HNP-Gruppe eingeladen worden, am "Deutschen Kulturfest" der Sapporo-Brauerei teilzunehmen. Die Veranstaltung fand in der Sapporo Lion Ginza Hall im Tokyoter Stadtteil Ginza statt.

Vor unserer Ankunft dachte ich noch, dass es sich um eine Veranstaltung der Brauerei handelte, um die Kontakte zu deutschen Geschäftspartnern zu pflegen. Das heißt, ich habe einige fremde deutsche Gesichter erwartet. Allerdings wurde mir bei unserer Ankunft schnell bewusst, dass meine Erwartungen völlig falsch waren. Außer uns sieben Praktikanten war nicht ein einziger Deutscher auf der Party. Die Veranstaltung diente mehr der Kontaktpflege der japanischen Partner der Sapporo-Brauerei. Ich denke das Thema "Deutsches Kulturfest" wurde nur gewählt, weil Bier nun mal mit keinem Land so sehr in Verbindung gebracht wird, wie mit Deutschland.

Als wir in der Lion Ginza Hall ankamen, waren die Veranstalter gerade dabei ihr Deutschlandbild, welches in Japan herrscht, zu festigen. Ein Redner berichtete (so vermute ich) über seinen letzten Aufenthalt auf dem Oktoberfest in München. Im Hintergrund lief ein Film über die Wiesn’ und eine Fotopräsentation zeigte das vom Sprechenden Gesagte detailliert auf. Zu sehen waren vor allem Bier-trinkende Deutsche, zum Teil Arm in Arm mit japanischen Männern, des Weiteren Weißwürste, gebratene Ochsen und einige Fahrgeschäfte der Wiesn’. Jeder der schon mal dort war, weiß wovon ich spreche.
Den Abschluss bildeten ein paar Bilder von München und natürlich Schloss Neuschwanstein.
Letzteres übrigens war in einem japanischen Atlas, dessen Deutschlandkarte uns letztens im Meguro Language Center gezeigt wurde, die einzige Sehenswürdigkeit Deutschlands, die markiert war.

Während der Rede standen wir erstmal alle nur dabei und hörten zu. Ab und an kam dann das Gefühl in mir auf, ich gehöre zur Einrichtung oder stelle ein Ausstellungsstück, passend zum Thema, dar. Nach den Reden stellten sich Uta und Marlen noch auf der Bühne selbst vor. Auf Japanisch versteht sich. Auch das kam sehr gut bei den Gästen an.

Anschließend stürzten wir – Japaner und Deutsche – uns alle auf die Buffets. Es gab eine Menge deutsche Gerichte, wie Eisbein, Bratkartoffeln und diverse Würste. Später wurde dann allerdings auch Sushi aufgetragen, falls einige Leute nicht soviel mit den deutschen Speisen anzufangen wussten. Auf jeden Fall war das Essen sehr lecker und wir wurden alle satt. Auch Bier und Wein gab es bis zum Abwinken.

Während des Essens spielte eine japanische Musikgruppe in deutschen (bayrischen) Trachten volkstümliches und zum Teil auch klassisches Liedgut aus Deutschland. Zum Großteil wurden die Texte auf Japanisch gesungen, das eine oder andere aber auch Deutsch. Am besten fand ich, als alle "Oans, zwoa, gsuffa" sangen.
Nachdem die ersten Hungergefühle getilgt wurden, begann eine Polonaise, an der wirklich sehr viele der Anwesenden teilnahmen. Daran anschließend wurde gemeinsam der Ententanz vollführt.

Nach einer Weile kamen wir mit dem einen oder anderen japanischen Geschäftsmann ins Gespräch. Meist drehte es sich um die Thema "Warum sind Sie in Japan", "Wie lange sind Sie schon hier, was machen Sie und wie lange bleiben Sie" oder auch "Wie gefällt Ihnen Japan". Es war eine recht lockere und angenehme Atmosphäre.

Nach zweieinhalb Stunden war um 20:30 Uhr aber leider schon alles vorbei und alle Anwesenden verließen ziemlich rasch die Veranstaltung. Ich hab mir sagen lassen, dass es in Japan normal ist, dass solcherart Veranstaltungen meist nur zwei Stunden dauern. Unter anderem liegt es daran, dass die Leute noch einen langen Heimweg haben und die Züge nur bis Mitternacht fahren.

Hier nun noch ein paar Eindrücke vom weihnachtlich geschmückten Ginza bei Nacht und dem Fest selbst:


Ginza bei Nacht.


Das reichhaltige Buffet mit ner Pyramide drauf, die leider nur zwei senkrecht stehende Flügel hatte.


Die japanische Musikgruppe präsentiert deutsches Liedgut. Auf dem Banner steht "doitsu bunka no tsudoi sapporo raion", übersetzt "Deutsches Kulturfest Sapporo Lion"


Gruppenbild fast aller auf dem Fest anwesenden Deutschen (Marlen, Uta, Dilek, Raik, Christina und ich (ab. 2. v. l.)) und Frau Takaku. Nur Matthias fehlt. Frau Takaku (ganz links im Bild) hat bislang bei der NCDG gearbeitet. Aufgrund einer "Verkleinerung" der NCDG hatte sie am Montag leider ihren letzten Arbeitstag. Ich wünsche ihr alles Gute für die Zukunft.

Montag, 11. Dezember 2006

TÜV-Weihnachtsmarkt in Yokohama und Shopping in Akihabara

Nun ist schon das zweite Wochenende vorbei. Viel zu schnell, wie ich fand.

Samstag besuchten wir den TÜV-Weihnachtsmarkt in Yokohama. Dieser wurde vom TÜV-Rheinland veranstaltet. Es gab Stollen, Glühwein und Wurstbrote. Außerdem führten die Physikanten in einer Art "Zaubershow" physikalische Experimente, wie "Das schwebende Schiff" vor. Besonders bei den Kindern kam das sehr gut an. Auch, dass im Anschluss an jedes Experiment die Ursache für das Gesehene erläutert wurde. Leider war das Wetter extrem schlecht. Es war kalt und hat die ganze Zeit geregnet. Daher kam bei uns nicht so richtig Stimmung auf. Drum war unser Aufenthalt auch nur recht kurz. Wir haben uns eine der Shows angesehen, ein wenig Stollen gegessen und Glühwein getrunken und sind dann wieder zurück nach Tokyo.

Nachdem wir HNP-Jünger die Nacht vom Samstag auf den Sonntag wieder in Roppongi mit Speise, Trank und Tanz verbracht haben und deshalb erst kurz vor 6 Uhr am Sonntagmorgen in die Betten fallen konnten, raffte ich mich bereits um 13 Uhr wieder auf, um nach Akihabara zu fahren.

Akihabara ist ein Stadtteil Tokyos und wird auch "Electric Town" genannt. Es ist vollgestopft mit Elektronikgeschäften. Es gibt fast alle erdenklichen Elektronikgeräte zu kaufen. Wenn man will auch gebraucht. Einige Geräte, wie ältere Spielekonsolen oder Videokameras können oftmals zu Schleuderpreisen erworben werden. In der Hauptstraße an der Akihabara Station und in den daran angrenzenden Seitenstraßen reiht sich – wie auf einer Perlenkette – ein Geschäft an das andere, unterbrochen höchstens einmal von dem einem oder anderen kleinen Restaurant.

Am Wochenende wird die Hauptstraße außerdem für den Autoverkehr gesperrt, damit sich die Menschenmassen besser verteilen können. Auf den dann freien Plätzen treten Kleinkünstler auf und spielen Musik oder führen akrobatische Vorstellungen auf. Des Weiteren verteilen Hostessen alle möglichen Arten von Werbeflyer für die Geschäfte oder den einen oder anderen Massagesalon. Diejenigen, die besonders verkleidet sind, werden auch stets von einer Menge "Fotografen" umringt. Dann müssen sie ständig posieren und kommen kaum noch zum Verteilen ihrer Zettel.

Ich hatte mich auf den Weg gemacht, da ich mir noch eine kleine handliche Digitalkamera zulegen wollte. Meine alte Canon Powershot G5 ist zwar auch sehr gut, aber einfach zu groß und unhandlich, um sie einfach in die Tasche zu stecken und bei einer sich bietenden Gelegenheit schnell ein Foto zu schießen.

Aufgrund der Vielzahl an Geschäften hatte ich in Akihabara die Möglichkeit bequem und ohne viel laufen zu müssen, Angebote und Preise zu vergleichen. Bereits im Voraus hatte ich mir die Exilim von Casio und die Lumix von Panasonic herausgeguckt, da beide sehr schön klein und handlich, trotzdem aber sehr gut sind. Schnell merkte ich, dass die Preise sehr stark schwankten. Im ersten Geschäft, in dem ich war, kostete die Lumix bspw. 50.000 Yen. Je weiter ich mich vom Bahnhof wegbewegte, desto billiger wurden die Kameras – zumindest war das mein Gefühl. Nach einigem Überlegen und Beratungen entschied ich mich schließlich für die Lumix DMC-FX50, da diese ein sehr gutes Leica-Weitwinkel-Objektiv besitzt, sowie klein und handlich ist. Schließlich fand ich ein Geschäft, in dem es die Kamera für 39.000 Yen gab. Und da ich auch gleich noch eine Kundenkarte ausfüllte, um damit noch 15% Rabatt in Anspruch nehmen zu können, habe ich noch eine 1GB SD-Karte für mau (also in Form des Rabatts der Kamera) dazu nehmen können.

Kommende Woche will ich noch mal nach Akihabara. Allerdings nicht zum Einkaufen, sondern einfach nur zum Gucken und Fotografieren. Die Atmosphäre ist einfach überwältigend. Ich werde an dieser Stelle dann auch ein paar Impressionen reinstellen.

Nachher fahren wir dann alle nach Ginza zum Deutschen Kulturfest in die Sapporo Lion Ginza Hall (Sapporo ist eine japanische Biermarke). Da gibt es kostenlos zu Essen und zu Trinken und – das Wichtigste – man lernt neue Leute (Deutsche und Japaner) kennen.

Freitag, 8. Dezember 2006

Mobil telefonieren in Japan

Was mobile Kommunikaton angeht sind die asiatischen Länder, wie Japan, Europa weit überlegen. Hier hat man schon früh auf die mobilen Technologien gesetzt. Japan (und auch Südkorea) sind in Sachen Mobilfunk die innovativsten Länder der Welt.

Wie ich schnell gemerkt habe, hat sich das Mobiltelefon mittlerweile zu einem der unentbehrlichsten Hilfsmittel im Leben eines jeden Bewohner Tokyos entwickelt. Nicht nur, dass man damit telefonieren oder SMS/MMS schreiben kann, nein auch E-Mail und Content-Angebote, egal ob Musik, Video oder virtuelle Güter werden – im Gegensatz zu Deutschland – sehr intensiv genutzt; ganz zu schweigen von Video-Telefonie. Die japanischen Keitai-Webdienste (Keitai [携帯] = Mobiltelefon) bieten umfangreiche (mehr oder weniger) nützliche Informationen zum täglichen Leben, wie Wettervorhersage, Nachrichten, Shopping- und Freizeittipps und sogar Online-Shopping. Der obligatorische Musik- und Spiele-Download darf natürlich nicht fehlen. Diese Dienste können über spezielle Mobiltelefon-Webseiten abgerufen und auf dem Mobiltelefon gelesen werden.

In Japan gilt das Telefonieren in der Öffentlichkeit als wenig schicklich und wird daher meist unterlassen. Da Telefone in den Metrobahnen grundsätzlich auf stumm geschaltet werden müssen und Gespräche als störend empfunden werden, haben sich Daten- oder Messaging-Dienste sehr schnell durchgesetzt und verbreitet. Hinzu kommt, dass die SMS zwischen den hiesigen drei Mobilfunknetzen nicht verschickt werden können. Deshalb haben sich Datendienste frühzeitig durchgesetzt und Mobile-Mail als Kommunikationsform etabliert. Über einen zusätzlichen Chip in einigen Telefongeräten können sogar Dinge, wie Fahrkarten, Lebensmittel und anderes per ePayment-Funktionen gezahlt werden und ist die drahtlose Identifikation möglich. Auch die Navigation mit dem Mobiltelefon sind keine Seltenheit in Japan.

Nun ein paar Worte zur Entscheidung für das mobile Telefonieren in Tokyo / Japan. Ebenso, wie in Deutschland, werden sowohl Prepaid-Telefone, als auch Telefone mit festen Jahres- und Mehrjahresverträgen angeboten. Wer kein Telefon kaufen will, kann sich eines mieten.
Darauf, wie Prepaid-Telefone angeschafft und genutzt werden können, gehe ich hier nicht ein, da ich mich damit nicht weiter auseinandergesetzt habe.

Für den Abschluss von Mobilfunkverträgen existieren im Großen und Ganzen drei Gesellschaften: NTT DoCoMo, KDDI au und Softbank. Die Qual der Wahl, welche Gesellschaft der glückliche Gewinner eines Neukunden sein soll, entscheidet sich für Gaijins dabei vor allem an drei Faktoren: Dringlichkeit des Besitzes eines Mobiltelefons, Netzabdeckung und Telefontypen-Angebot. Der Preis spielt nur eine Nebenrolle, da sich die Kosten bei allen drei Gesellschaften hinsichtlich Grundgebühr und Minutenpreise nicht großartig unterscheiden. Werden jedoch weitere Zusatzdienste (wie Navigation) gewünscht, dann lohnt auch hier ein intensiver Vergleich, da der eine oder andere Dienst ggf. nicht überall verfügbar ist. Hier mal ein Beispiel zu Verträgen von Softbank. Ihr könnt sehen, dass es ähnlich wie in Deutschland verschiedene Verträge mit unterschiedlichen Grundgebühren und Gesprächspreisen gibt. Die Grundgebühren sind etwas höher, als in Deutschland. Die Minutenpreisen kann man in etwa mit den deutschen vergleichen.

Für alle, die sich vorrangig in Tokyo aufhalten, spielt die Netzabdeckung meiner Meinung nach bei der Entscheidung nur eine sekundäre Rolle, da diese hier bei allen drei Anbietern gut bis sehr gut ist. Wer jedoch öfter auf das Land hinausfährt, dem sei NTT DoCoMo angeraten, da die das dichteste Sendernetz haben und man auch auf der entferntesten japanischen Insel noch erreichbar sein soll.

Wer schnell ein Mobiltelefon haben möchte, wie es bei einigen von uns HNP-Stipendiaten der Fall war, dem rate ich aus dem im Folgenden genannten Grund zu Softbank.
Einen Mobilfunkvertrag kann man als Ausländer in Japan nur abschließen, wenn man (1) längere Zeit in Japan bleibt und (damit zwangsweise verbunden) (2) beim City Office des Wohnortes eine "Alien Registration Card" beantragt, die immer als Ausweis mit sich zu tragen ist. Diese "Alien Registration Card" muss innerhalb der ersten 90 Tage nach der Einreise beantragt werden und das Amt benötigt etwa zwei bis drei Wochen für dessen Ausstellung. Für die Zwischenzeit kann man sich eine Bestätigung der Beantragung aushändigen lassen. Mit dieser "temporären Bescheinigung" kann man manchmal Dinge bekommen, die sonst nur mit einer "Alien Registration Card" möglich sind. So eben auch das Abschließen eines Mobilfunkvertrags. Anfang dieser Woche habe ich die "Alien Registration Card" im Ward Office von Shinjuku beantragt und bin daraufhin zu den Telefongeschäften marschiert, um mir deren Tarife für Verträge und die verfügbaren Mobiltelefone anzusehen. Dabei kristallisierte sich schon bald heraus, dass weder bei NTT DoCoMo, noch bei KDDI au ein Vertrag ohne endgültige "Alien Registration Card" abgeschlossen werden kann. Die löbliche Ausnahme war da nur Softbank. Und da wir nicht drei Wochen darauf warten wollten, mobil erreichbar zu sein, fiel die Entscheidung zugunsten Softbank aus. Bei Vertragsabschluss mussten wir dann nur die vorläufige Bescheinigung und den Reisepass vorlegen. Von einem Freund, der schon etwas länger in Japan lebt habe ich gestern gehört, dass man ggf. auch mit einem (japanischen) Führerschein einen Vertrag abschließen kann, wenn man noch keine "Alien Registration Card" besitzt.

Das dritte Kriterium bezüglich der Entscheidung für eine der drei Telefongesellschaften stellt die Wahl des Handsets dar. Alle drei Gesellschaften bieten unterschiedliche Geräte an. Und man kann (bei Neuabschluss eines Vertrags) nicht sagen "ich möchte gern bei Gesellschaft X einen Vertrag abschließen, aber ein Telefon der Gesellschaft Y haben". Wem relativ egal ist, welches Telefon genutzt wird, für den spielt dies natürlich keine ausschlaggebende Rolle. Wer jedoch wie ich ein oder zwei spezielle Wunschgeräte ins Auge gefasst hat und darauf auf gar keinen Fall verzichten möchte, hat eigentlich keine großen Entscheidungsmöglichkeiten bei der Wahl der Telefongesellschaft.

Bezahlt werden können die monatlichen Rechnungen übrigens auf verschiedenen Wegen. Da wäre u. a. die Begleichung der Rechnung in den sogenannten "Conbini" (Geschäften, die 24 Stunden am Tag geöffnet sind), per Kreditkarte, oder per e-Payment.

Achso - fast vergaß ich es nochmal zu erwähnen. Die Telefongesellschaften bieten auch eine Vielzahl von Vergünstigungen an. So zum Beispiel Rabatte, wenn man Mehrjahresverträge abschließt, der Gesellschaft über mehrere Jahre treu bleibt, wenn die ganze Familie bei einer Gesellschaft telefoniert, wenn man Rentner ist usw. usf.. Aber für Gaijins kommen die in den meisten Fällen eh nicht in Frage. Es sei denn man gründet in Japan ne Familie und bleibt länger hier.

Montag, 4. Dezember 2006

Die ersten Tage in Tokyo

Ich bin in Japan. Endlich hab ich das Ziel meiner mehrmonatigen Vorbereitungen erreicht.

Da ich eine riesige Menge an Sachen zu organisieren habe und meine Orientierung in Tokyo immer noch unter aller Sau ist – was u. a. an den fehlenden Straßenschildern liegt – kann ich leider erst heute erste Dinge berichten.

Heute schreibe ich Tag 6 meines Aufenthaltes und die ersten Tage brachten bereits eine Menge spannende Ereignisse hervor. Drum ist dieser Post etwas länger, ich hoffe aber nicht zu lang für euch (^_^)

Achso: auf vielfachen Wunsch hin, werde ich die Posts nun doch in Deutsch verfassen und nicht wie ursprünglich geplant in Englisch.


TAG 1 – Die Anreise

Dienstagmorgen gegen kurz vor 6 Uhr war die Zeit gekommen, von meinen Eltern Abschied zu nehmen und mich in den Zug nach Frankfurt Flughafen zu setzen. Kurz nachdem der ICE gestartet war, war ich auch schon wieder halb eingeschlafen und konnte mich so noch ein wenig von der kurzen letzten Nacht in Deutschland erholen. Nach gut fünf Stunden Zeit erreichte der Zug den Frankfurter Flughafen, wo ich mich zusammen mit Matthias (auch ein Teilnehmer des Heinz-Nixdorf-Programm) Richtung Terminal 2 begab, um für unseren Flug nach Tokyo, über Hongkong einzuchecken. Zum Glück hatten die fleißigen Damen von InWEnt bereits Sitzplätze im Flieger reserviert, so dass unsere gesamte HNP-Gruppe auch relativ nah beisammen sitzen konnte. Alle hatten wir Gangplätze ziemlich weit vorn im Flieger (der Economy Class versteht sich (^_^) ). Eine Sorge war, dass wir für unsere Koffer mit Übergepäck evtl. hätten nachzahlen müssen, was bei 53 Euro pro Kilogramm Übergewicht nicht grad wenig ist. Aber die Angestellten von Cathay Pacific waren super nett und ließen uns mit unseren drei bis fünf Kilogramm Übergepäck gewähren. Ein paar Minuten später trafen wir dann auf unsere zwei restlichen „Mitstreiter“ Uta und Raik.

Um kurz vor 13 Uhr sind wir dann – nun nur noch mit Handgepäck und den modischen Plastetüten für die Flüssigkeiten – zum Gate marschiert, um in unsere Boeing 747-400 der Cathay Pacific einzusteigen. Neben dem Gangplatz hatte ich auch das Glück, dass neben mir der Platz frei war, so dass ich auf dem Flug genug Platz hatte meine langen Grätschen von mir zu strecken. Pünktlich um 14 Uhr deutscher Ortszeit ging es ab in Richtung Hongkong, welches wir nach einem ruhigen zehnstündigen Flug erreichten. Von der Stadt und der Umgebung sahen wir freilich nichts, was daran lag, dass wir (1) nur knapp zwei Stunden Aufenthalt hatten, damit (2) auf dem Flughafen blieben und es (3) sehr neblig war. Schlussendlich ging es dann bald weiter Richtung Tokyo. Um 14 Uhr Ortszeit erreichten wir den Flughafen Narita.

Der Tokyoter Flughafen bietet einen super Service an, den ich jedem, der mit großem Gepäck anreist, wärmstens empfehlen kann. Um sich nicht mit schweren und sperrigen Gepäck in der Metro – im schlimmsten Fall auch noch zur Rush Hour – abmühen zu müssen, kann man sich die Koffer zu einer anzugebenden Adresse liefern lassen. Wenn man bis 12 Uhr Mittag anreist kommen die Koffer noch am selben Tag an. Der Preis beträgt 1640 Yen (derzeit ca. 10 Euro).

Genau diesen Service haben wir auch genutzt und unsere großen Koffer abgegeben. Da diese aber erst am kommenden Morgen zugestellt werden konnten, hat jeder aus unserer Gruppe jedoch einen kleinen Koffer mit Sachen für die ersten Tage mit in die Metro genommen.

Mit der Kesei-Line fuhr unser kleiner HNP-Haufen vom Flughafen in Richtung Tokyo, wo wir uns mit Marlen, unserer betreuenden Seele von der Nippon Carl Duisberg Gesellschaft trafen. Auf dieser Fahrt hab ich einen ersten Eindruck von der japanischen Landschaft und den Menschen gewinnen können … ja es ist wahr: Alle Japaner schlafen, sobald sie in der Bahn sitzen. Und wenn sie mal grad nicht schlafen dann lesen oder schreiben sie E-Mails mit ihren Mobiltelefonen.

Zuerst fuhren wir zum Sakura House Office, um unsere Mietverträge für die Zimmer zu unterschreiben und die erste Monatsmiete zu zahlen. Anschließend trennte sich unsere Gruppe. Raik, Matthias und Marlen fuhren nach Sendagaya zum Haus der beiden Jungens. Uta und ich fuhren nach Yaraicho zu unserer Unterkunft. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch erste Erfahrungen im Verständnis des Tokyoter Metronetzes sammeln. Da es viele Linien gibt, die zum Teil von verschiedenen Gesellschaften betrieben werden, muss man immer drauf achten, durch welche Durchgangsautomaten man läuft. Das Gute ist aber, wenn man mal den ganz falschen erwischt, dann macht der einfach zu und lässt einen nicht durch. Aber – ganz im Gegensatz zu Deutschland – ist das japanische Personal in der Metro (und auch den Geschäften) super aufmerksam und hilft einem weiter.

Die Gegend, in dem sich meine Unterkunft befindet ist eine sehr ruhige. Bisher dachte ich immer, Tokyo sei überall laut und hektisch. Mittlerweile habe ich jedoch gemerkt, dass dies nur auf einige Bezirke, wie beispielsweise Shibuya oder Roppongi zutrifft. Andere hingegen sind super ruhig und angenehm. Die Unterkunft selbst ist auch ok. Bereits im Voraus wurde mir von verschiedenen Seiten gesagt, dass man hinsichtlich des Wohnkomforts Abstriche machen muss. Aber im Großen und Ganzen ist das Haus sauber. Nur in der Küche gibt es ein paar Ecken, in die man lieber nicht zu lange sehen sollte (^_^). Wenn ihr diesem Link folgt, seht ihr das Haus in dem ich wohne. Wenn der Link nicht funktioniert, dann geht bitte auf Google Maps Japan und gebt folgenden Text ein: "162-0805 新宿区矢来町160". Es ist das Haus mit dem grünen Dach, auf welches der Pfeil zeigt.

Nachdem wir unser Gepäck in das Zimmer, welches wir derzeit zu zweit bewohnen (meines wird erst am 07.12. frei) gestellt haben, fuhren Uta und ich dann in die Tokyoter Nacht hinaus, um noch was zu Essen zu finden.


TAG 2 – Wieder nur Tokyo bei Nacht

Freitag schliefen wir seeeehr lange. Erst der Kofferdienst vom Flughafen weckte uns gegen 11 Uhr. Aber aufgrund unseres allgemeinen Zustandes legten wir uns wieder hin und schliefen noch mal bis halb drei Uhr. Nachdem Uta und ich uns aufgerafft hatten, fuhren wir nach Shibuya, um ein paar Sachen, wie Handtücher, LAN-Kabel und anderes zu besorgen. Da die Sonne in Tokyo ziemlich früh und recht abrupt untergeht, konnten wir selbige nur kurz genießen, bevor die hell erleuchtete Tokyoter Nacht uns wieder verschluckte.

Nach unserer Rückkehr in unserer Unterkunft in Kagurazaka haben wir uns noch bis ca. 3 Uhr morgens mit einem unserer französischen Mitbewohner im Haus unterhalten. Nachdem ich die erste Nacht sehr gut geschlafen habe, lag ich in dieser Nacht allerdings noch einige Stunden wach, was zum Einen wohl daran lag, dass ich eigentlich erst 12 Stunden vorher aufgestanden bin, zum Anderen aber vermutlich auch daran, dass unser Nachbar um 4 Uhr anfing mit seiner Mutter in Kanada zu telefonieren und die Wände zwischen den Zimmern doch recht dünn sind.


TAG 3 – Geschichten über Erdbeben und die erste durchfeierte Nacht

Am Freitag traf sich unsere HNP-Gruppe zunächst bei der NCDG, um uns ein paar wichtige Informationen geben zu lassen – u. a. „Wie verhalte ich mich bei einem Erdbeben“. Eine der wichtigsten Regeln ist, sich unter einem Tisch zu verstecken oder in den Türrahmen zu stellen. Und natürlich alle Fluchtwege öffnen und die Lage der Sammelplätze im Stadtteil zu merken. Letzteres ist leicht gesagt, wenn man keine Orientierung hat. Marlen, unsere gute Seele von der NCDG, meinte jedoch, dass man diese Maßnahmen dann doch meist sein lässt, denn eh man alles begriffen hat, ist es eh meist schon vorbei und man hat es dann eben überstanden oder aber eben nicht. An die Infoveranstaltung anschließend fuhren wir zu unserer Sprachschule nach Meguro, um unseren Einstufungstest zu absolvieren. Wie bereits von uns erwartet wurde unsere Gruppe 3:1 geteilt. Uta erhält Einzelunterricht und wir anderen Japanisch-Newbies erhalten ihn (zunächst) zu dritt.

Am Abend fuhren Uta, Raik, Remi (unser französischer Nachbar in Yaraicho) und ich nach Roppongi zum Essen und feiern. Zunächst ging es in ein brasilianisches Restaurant, um zu trinken und etwas zu essen. Anschließend zogen wir durch zwei Clubs, bevor wir uns kurz vor Mitternacht überlegten, ob wir wieder in die Unterkünfte zurückkehren sollten.
In Tokyo fährt zwischen Mitternacht und 5 Uhr Morgens jedoch leider keine Metro. Und da wir die letzte Fahrt um kurz nach Mitternacht verpassten, kehrten wir zurück und verbrachten die Nacht im Vanilla Club. Dieser Club ist für alle, die mal nach Tokyo kommen, sehr zu empfehlen. Es existieren mehrere Dance-Floors und die Möglichkeit mit JapanerInnen oder wenn nötig auch anderen Gaijins in Kontakt zu treten ist aufgrund des engen (An-)Tanzens auch gegeben. Es rennen zwar viele Gaijins (nun ja, bin ja selbst auch einer) rum, aber auch ne Menge hübsche japanische Frauen *hehe*. Wer mehr erfahren will, fragt mich lieber persönlich. Will hier im Blog nicht alles Erlebte breit treten …

Samstagmorgen um 5 Uhr nahmen wir total erschöpft und auch ein wenig müde die erste Metro-Bahn zurück nach Hause und schliefen um kurz nach 6 Uhr in unseren Betten / Tatamimatten ein.


TAG 4 – Design-Festa im Tokyo International Exhibition Center

Nachdem wir morgens erst um 6 Uhr in den Federn lagen, hieß es bereits um kurz nach 11 wieder „Aufstehen“, da wir uns mit den anderen Schützlingen von Onkel Heinz (Anm.: Das ist der nette Mann, dem ich den Japan-Aufenthalt zu verdanken habe) im Tokyo Exhibition Center treffen wollten, um uns ein wenig auf der INVITATION umzutun, einer Designausstellung auf der eine große Anzahl von einheimischen und ausländischen Künstlern ihre „Werke“ – meist Bilder, Fotos oder sonstigen Firlefanz – vorgestellt haben. Das Messegelände liegt auf einer riesigen künstlich aufgeschütteten Insel in der Tokyoter Bucht. Die Exponate waren super interessant, es war allerdings noch interessanter, die Typen von Menschen zu beobachten, die so durch die Hallen schlenderten. Auf den folgenden Bildern sind einige Impressionen des Design-Festa von mir festgehalten.

Am späten Abend fuhren wir mit der Fähre durch den Tokyoter Hafen zurück zum Festland und dann beizeiten nach Hause. Und schon um 2 Uhr am Sonntagmorgen lag ich im Bett, nachdem ich mein Überleben der Anreise und der ersten Tage nach Deutschland vermeldet hatte.

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TAG 5 – Einkaufen in Japan, Besuch Tokyo Dome Freizeitpark

Der Sonntagvormittag wurde von Raik, Matthias und mir für einen ausführlichen Gang durch Tokyos Elektronikmärkte genutzt. Nachdem ich wieder mal gut 20 Minuten in Shinjuku herumgeirrt bin, bis ich (1) den richtigen Ausgang aus der Metro, (2) den richtigen Weg und (3) den vereinbarten Treffpunkt gefunden habe, begaben wir uns auf die Suche nach dem absoluten Thrill für technikverliebte Männer. Riesige Elektronikmärkte, vollgestopft mit aller Art von Elektronik, vom kleinen Mobiltelefon mit Fernsehempfang, bis hin zum riesigen Flatscreen mit gut 1,5 m Diagonale. Ich muss hier mal sagen: Deutsche Märkte, wie Media Markt oder Saturn sind ein Mäuseschiss gegen die Läden hier. Neben den unzähligen Geräten ist v. a. die Atmosphäre beeindruckend. Überall blinkt und piept es (wie sowieso überall in Tokyos Einkaufs- und Vergnügungs-Straßen) und von allen Seiten hallen Werbesprüche oder rennen Maskottchen rum. Auch der Service ist unbeschreiblich. Es fängt bereits damit an, dass wirklich überall Verkäufer herumstehen und einen beim Vorbeigehen mit einem kräftigen „Irasshaimase“ begrüßen. Sie sind außerdem extrem hilfsbereit, kommen selbst auf einen zu oder behaupten nicht, sie hätten Pause, wenn man sie etwas fragen will. Und wenn sie mal selbst nicht weiterwissen, dann rennen sie los, um einen Verkäufer zu finden und heranzuholen, der dem Kunden – also mir – weiterhelfen kann.

Bei soviel gutem Service fühlte ich mich schließlich gut genug beraten, um einen Sprachcomputer zu erstehen. Dieser hat mir heute (Montag) bereits beim Kauf einer Monatskarte für die Tokyo Metro und bei der Beratung bezüglich eines Mobilfunkvertrags weitergeholfen. Bei dem Gerät handelt es sich um den „Papyrus PW-AT 750“ von Sharp mit einer Erweiterungsspeicherkarte mit Deutsch-Japanischem Dictionary. Außerdem kann das Gerät handgeschriebene Kanji erkennen, welches mir sehr wichtig war, denn wie oft hab ich schon irgendwo gesessen und ein Schild gelesen, bei dem ich dachte „und was heißt das nun schon wieder?“. Wer also einmal mit Japanisch in Berührung kommt und meint, auch einen solchen Computer zu benötigen, dem kann ich das Gerät sehr empfehlen. Mitsamt Erweiterungskarte und Tasche kostete es hier in Tokyo ca. 40.000 Yen (derzeit etwa 260 Euro).

Am Nachmittag fuhren Marlen, Dilek (auch ein HNPler), Raik und ich zum Freizeitpark am Tokyo Dome. Das ist ein recht großes Gelände mitten in Tokyo, wo man Achterbahnen (mitten durch die Häuser) und andere lustige Sachen fahren kann. Marlen hatte über die NCDG Sonderkarten bezogen, so dass wir alle Attraktionen für lediglich 500 Yen nutzen konnten. Normal kostet eine Tageskarte 4.000 Yen oder die einzelnen Fahrgeschäfte zwischen 300 – 1.000 Yen. Die erste Stunde irrten wir jedoch ein wenig durch den Park, da wir den Eingang zum ersten favorisierten Fahrgeschäft – dem „Parachute“ – nicht sofort fanden. Auch das Einholen von Informationen bei den Beschäftigten des Parks führte nicht zum gewünschten Erfolg. Der eine schickte uns in die eine Richtung, die andere in eine andere und der dritte Gefragte wiederum in eine gänzlich andere … dachten wir zumindest. Aber irgendwann kamen wir auf den Trichter, dass sie im Grunde genommen alle richtig gezeigt haben, wir jedoch immer nur an einem unscheinbaren Eingang vorbeigelaufen sind. Nun ja aber schlussendlich fanden wir es dann doch und unser Vergnügen konnte beginnen. Wir probierten so ziemlich alle Fahrgeschäfte aus – bis auf die für die ganz kleinen Kinder und die riesige Achterbahn. Die war zumindest Raik und mir zu viel. Für das Amüsement der Parkangestellten durfte ich auch einmal sorgen, als ich in den Wagen einer kleineren Achterbahn stieg und mit meinen langen Grätschen Probleme bekam den Sicherheitsbügel ordentlich zu schließen. Nachdem ich mich dann nach einigem Mühen regelrecht zusammengefaltet habe, konnte die Fahrt aber starten.

Also es dunkel wurde (was ja schon gegen 17 Uhr passiert) waren überall im Freizeitpark weihnachtlich beleuchtete Bäume und Gänge zu sehen. Und die Lichter änderten sich zum Takt von Weihnachtsliedern. Wir waren allesamt genauso fasziniert, wie die Japaner und rannten gemeinsam mit ihnen von einem Musik-Licht-Spektakel zum nächsten.

Diesmal ging es auch recht zeitig – 1 Uhr – ins Bett, denn es folgte der erste Tag unseres Sprachkurses.

TAG 6 – Sprachkurs und wieder mal Verlaufen in Shinjuku

Heute hatten wir unsere ersten Stunden im Meguro Language Center. Wir drei Jungens wurden von zwei "kawai" Senseis angeleitet – Hitomi-san und Makiko-san. Gemeinsam hatten wir richtig viel Spaß und waren überrascht, dass wir doch noch nicht alles in Bochum Gelernte vergessen haben. Tiefgründige Konversationen sind aufgrund des mangelnden Sprachschatzes jedoch noch nicht möglich. Aber die Hoffnung besteht, dass sich das noch ändert. Derzeit behelfen wir uns immer mit schlecht ausgesprochenem Englisch und hoffen, dass dabei irgendein Vokabular entsteht, welches die Japaner als Bestandteil ihrer Sprache akzeptieren. Diese Versuche sind von uns durchaus ernst gemeint und nicht ohne Grund, denn in Japan wurden viele moderne Begriffe u. a. aus Technik und Sport aus dem Englischen oder anderen Sprachen übernommen und leicht abgewandelt beibehalten. Da das Japanisch jedoch einige Laute nicht zulässt, werden Vokabeln oftmals ein wenig verbogen. So wird beispielsweise „Party“ im Japanischen „Pâtî“ ausgesprochen, oder „Television“ als „Telebi“ gelesen.
Die vier Stunden des Kurses gingen leider viel zu schnell um. Aber morgen kommt ja schon der nächste Kurs.

Im Anschluss an den Kurs fuhr ich mit der JR Yamanote Line von Meguro nach Shinjuku – ja da bin ich wirklich oft – um im Bezirksbüro meine „Alien Registration Card“ zu beantragen. Das ist so ne Art Ausweis für Ausländer und muss spätestens 90 Tage nach Einreise beantragt werden. Außerdem gibt es nur mit einer solchen Karte Dinge, wie Mobiltelefone mit Vertrag, zu kaufen.

Eben jenes hatte ich auch gleich noch vor. In Japan (Tokyo) gibt es drei große Anbieter von Mobiltelefonen – AU, Softbank und DoCoMo. Geschäfte, die Mobiltelefone und Verträge dazu anbieten gibt es wie Sand am Meer; aber einen Katalog mit den Tarifen oder den aktuellen Telefonen in Englisch zu bekommen ist fast unmöglich. Nachdem ich zunächst erfolglos durch mehrere Geschäfte gepilgert war und immer wieder vertröstet wurde, fand ich schließlich eine Verkäuferin, die mir ein großes Geschäft, ausschließlich von DoCoMo, empfahl. Witzig fand ich allerdings ihre Beschreibung: "… Bis zum Südausgang der Shinjuku Station und dort an dem großen Haus mit dem Logo 'IDC' links abbiegen …". HAHA – in Shinjuku stehen NUR große Häuser mit tausenden von Leuchtreklamen. Wie soll ich als Unkundiger, der sich in diesem Stadtteil eh immer verläuft da ausgerechnet dieses Haus finden. Nun ja zu meinem Glück kam ich an einem der Stadtpläne vorbei, die ab und zu mal in der Stadt stehen und den aktuellen Stadtteil ein wenig anzeigen. Dort war ein Hochhaus mit dem Namen "NTT DoCoMo Building" verzeichnet. Nun dachte ich mir: "wenn das Haus schon so heißt, wie die Telefongesellschaft, dann gehe ich mal einfach dort hin". Gesagt, getan, ich fand dort dann auch einen DoCoMo-Shop, in dem man mir bezüglich Telefon und Tarifen weiterhelfen konnte. So erfuhr ich, dass nicht alle Telefone im Ausland verwendet werden können, da Japan einen anderen Standard hat, als beispielsweise Europa. Aber mein derzeitiges Wunschtelefon kann ich glücklicherweise wohl auch in Deutschland verwenden. Bei den Tarifen geht es auch heiß her. Es gibt zwar im Grunde nur sieben Grundtarife, die aber mit diversen Vergünstigungen und Sonderdiensten, wie Bezahlen mit dem Telefon in Geschäften und der Tokyo Metro, E-Mail, der Möglichkeit des Versendens von bunten Nachrichten mit Animationen, TV, Internet, Newsletter, Radio, Musikdownload und und und kombinieren kann. Die Grundpreise liegen leicht über den deutschen Preisen. Die günstigste Monatsrate beginnt bei 3.600 Yen (ca. 23 Euro) und damit verbunden Verbindungspreise von 40 Yen pro Minute und geht bis zu 18.000 Yen Grundgebühr mit nur noch 14 Yen Minutenpreis. Allerdings sind viele der Sonderdienste kostenlos, bzw. ohne zusätzliche monatliche Grundgebühr zu haben, wenn man sich einmal angemeldet hat. Auch kommt man leicht aus Verträgen wieder raus (man muss lediglich eine „Strafe“ von 3.000 Yen zahlen) und es werden Ein-Jahres-Verträge angeboten. Und mit dem Rabatt für Studenten, Familien, Kinder, Rentner usw. lassen sich die Kosten auch drücken. Leider werde ich wohl nur den Rabatt für einen Jahresvertrag in Anspruch nehmen können.

"Zum Glück" stellt sich dieses Problem für mich jedoch erst in drei Wochen, da man Mobilfunkverträge erst abschließen kann, wenn man die "Alien Registration Card" in Händen hält. Meine Hoffnung, dass es auch bereits mit der Bestätigung der Beantragung selbiger geht, wurde heute von einer DoCoMo-Hostess leider zerstört.


ZUSAMMENFASSUNG DER ERSTEN TAGE

Nun brennen wir alle darauf, dass wir endlich einen Mobilfunkvertrag abschließen können, denn es lebt sich nicht leicht ohne mobile Telekommunikation in Tokyo. Am stärksten fällt es uns auf, wenn wir uns irgendwo in der Stadt treffen wollen. Ein einfaches „wir treffen uns am Bahnhof Xyz“ reicht nicht, da die Bahnhöfe meist sehr viele Ausgänge haben. Und auch wenn man sagt, dass man sich beispielsweise am Ausgang „A1“ trifft muss das noch lange nicht heißen, dass alle dort auch wirklich rauskommen. Mal ganz davon abgesehen davon, dass aufgrund unserer Unkenntnis der lokalen Gegebenheiten und des Metro-Plans bisher Verspätungen von 30 Minuten am Treffpunkt keine Seltenheit waren. Es ist dann dumm nicht zu wissen, ob der/diejenige auf den/die gewartet wird überhaupt kommt.

Eine weitere Schwierigkeit, die sich ergibt ist, dass die Bahnhöfe in Tokyo nicht, wie in Deutschland in separaten Gebäuden untergebracht, sondern in riesige Kaufhaus- oder Wohnkomplexe integriert sind. So sieht man oftmals nicht auf den ersten oder zweiten Blick, wo der Bahnhof überhaupt ist, oder wo die anderen Ausgänge sind.

Ansonsten kann ich über Tokyo sagen, dass es mich bisher nur positiv überrascht hat. Es ist extrem sauber, obwohl nirgendwo Mülleimer rumstehen. Die Leute nehmen ihren Müll nämlich mit nach Hause und entsorgen ihn dort. Außerdem sind alle Menschen angenehm nett und rücksichtsvoll. Laut und hektisch ist Tokyo entgegen meiner bisherigen Meinung auch nur in wenigen Vierteln, wie Shinjuku, Shibuya oder Roppongi. Dies sind die Einkaufs- oder Ausgehviertel und es herrscht dort 24 Stunden am Tag ein Trubel, wie in München nur am Wochenende in der Kaufinger Straße. Außerdem leuchten überall Reklametafeln und man wird mit Videospots und Werbung beschallt.

In anderen Gebieten, u. a. Kagurazaka, in dem ich wohne, ist es hingegen ruhig und gemütlich.

Nun noch die obligatorische Bestätigung einiger sorgsam gehegter Vorurteile über Japaner:

  • Fast alle Japaner schlafen in der Metro oder wenn sie mal irgendwo sitzen um auszuruhen. Allerdings kann man sich da auch leicht anpassen. Selbst während sie von lauter Musik beschallt werden, können Japaner schlafen:
  • Alle Japaner rennen mit einem Mobiltelefon vor der Nase oder am Ohr durch die Welt.
  • Japaner – insbesondere die älteren – sind wirklich klein. Aber die Jugend wird immer größer.
  • Viele Japaner – vorrangig junge Frauen – ziehen sich seltsam an.
  • Die Metro-Bahnen sind so richtig knackevoll früh zwischen 8 und 9 Uhr und abends von 10 Uhr bis 11 Uhr.
  • Die Autos fahren links und die Fahrräder auf dem Fußweg.
  • Taschentücher gibt es nur in der Form von Werbegeschenken. Aber die Nase putzen macht man eh nicht in der Öffentlichkeit. Sogar unsereiner geht schon in dunkle Ecken oder auf die Toilette, um das Riechorgan mal zu säubern.
  • Es gibt Automaten mit warmen und kalten Getränken auf der Straße.