Ich bin in Japan. Endlich hab ich das Ziel meiner mehrmonatigen Vorbereitungen erreicht.
Da ich eine riesige Menge an Sachen zu organisieren habe und meine Orientierung in Tokyo immer noch unter aller Sau ist – was u. a. an den fehlenden Straßenschildern liegt – kann ich leider erst heute erste Dinge berichten.
Heute schreibe ich Tag 6 meines Aufenthaltes und die ersten Tage brachten bereits eine Menge spannende Ereignisse hervor. Drum ist dieser Post etwas länger, ich hoffe aber nicht zu lang für euch (^_^)
Achso: auf vielfachen Wunsch hin, werde ich die Posts nun doch in Deutsch verfassen und nicht wie ursprünglich geplant in Englisch.
TAG 1 – Die Anreise
Dienstagmorgen gegen kurz vor 6 Uhr war die Zeit gekommen, von meinen Eltern Abschied zu nehmen und mich in den Zug nach Frankfurt Flughafen zu setzen. Kurz nachdem der ICE gestartet war, war ich auch schon wieder halb eingeschlafen und konnte mich so noch ein wenig von der kurzen letzten Nacht in Deutschland erholen. Nach gut fünf Stunden Zeit erreichte der Zug den Frankfurter Flughafen, wo ich mich zusammen mit Matthias (auch ein Teilnehmer des Heinz-Nixdorf-Programm) Richtung Terminal 2 begab, um für unseren Flug nach Tokyo, über Hongkong einzuchecken. Zum Glück hatten die fleißigen Damen von InWEnt bereits Sitzplätze im Flieger reserviert, so dass unsere gesamte HNP-Gruppe auch relativ nah beisammen sitzen konnte. Alle hatten wir Gangplätze ziemlich weit vorn im Flieger (der Economy Class versteht sich (^_^) ). Eine Sorge war, dass wir für unsere Koffer mit Übergepäck evtl. hätten nachzahlen müssen, was bei 53 Euro pro Kilogramm Übergewicht nicht grad wenig ist. Aber die Angestellten von Cathay Pacific waren super nett und ließen uns mit unseren drei bis fünf Kilogramm Übergepäck gewähren. Ein paar Minuten später trafen wir dann auf unsere zwei restlichen „Mitstreiter“ Uta und Raik.
Um kurz vor 13 Uhr sind wir dann – nun nur noch mit Handgepäck und den modischen Plastetüten für die Flüssigkeiten – zum Gate marschiert, um in unsere Boeing 747-400 der Cathay Pacific einzusteigen. Neben dem Gangplatz hatte ich auch das Glück, dass neben mir der Platz frei war, so dass ich auf dem Flug genug Platz hatte meine langen Grätschen von mir zu strecken. Pünktlich um 14 Uhr deutscher Ortszeit ging es ab in Richtung Hongkong, welches wir nach einem ruhigen zehnstündigen Flug erreichten. Von der Stadt und der Umgebung sahen wir freilich nichts, was daran lag, dass wir (1) nur knapp zwei Stunden Aufenthalt hatten, damit (2) auf dem Flughafen blieben und es (3) sehr neblig war. Schlussendlich ging es dann bald weiter Richtung Tokyo. Um 14 Uhr Ortszeit erreichten wir den Flughafen Narita.
Der Tokyoter Flughafen bietet einen super Service an, den ich jedem, der mit großem Gepäck anreist, wärmstens empfehlen kann. Um sich nicht mit schweren und sperrigen Gepäck in der Metro – im schlimmsten Fall auch noch zur Rush Hour – abmühen zu müssen, kann man sich die Koffer zu einer anzugebenden Adresse liefern lassen. Wenn man bis 12 Uhr Mittag anreist kommen die Koffer noch am selben Tag an. Der Preis beträgt 1640 Yen (derzeit ca. 10 Euro).
Genau diesen Service haben wir auch genutzt und unsere großen Koffer abgegeben. Da diese aber erst am kommenden Morgen zugestellt werden konnten, hat jeder aus unserer Gruppe jedoch einen kleinen Koffer mit Sachen für die ersten Tage mit in die Metro genommen.
Mit der Kesei-Line fuhr unser kleiner HNP-Haufen vom Flughafen in Richtung Tokyo, wo wir uns mit Marlen, unserer betreuenden Seele von der Nippon Carl Duisberg Gesellschaft trafen. Auf dieser Fahrt hab ich einen ersten Eindruck von der japanischen Landschaft und den Menschen gewinnen können … ja es ist wahr: Alle Japaner schlafen, sobald sie in der Bahn sitzen. Und wenn sie mal grad nicht schlafen dann lesen oder schreiben sie E-Mails mit ihren Mobiltelefonen.
Zuerst fuhren wir zum Sakura House Office, um unsere Mietverträge für die Zimmer zu unterschreiben und die erste Monatsmiete zu zahlen. Anschließend trennte sich unsere Gruppe. Raik, Matthias und Marlen fuhren nach Sendagaya zum Haus der beiden Jungens. Uta und ich fuhren nach Yaraicho zu unserer Unterkunft. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch erste Erfahrungen im Verständnis des Tokyoter Metronetzes sammeln. Da es viele Linien gibt, die zum Teil von verschiedenen Gesellschaften betrieben werden, muss man immer drauf achten, durch welche Durchgangsautomaten man läuft. Das Gute ist aber, wenn man mal den ganz falschen erwischt, dann macht der einfach zu und lässt einen nicht durch. Aber – ganz im Gegensatz zu Deutschland – ist das japanische Personal in der Metro (und auch den Geschäften) super aufmerksam und hilft einem weiter.
Die Gegend, in dem sich meine Unterkunft befindet ist eine sehr ruhige. Bisher dachte ich immer, Tokyo sei überall laut und hektisch. Mittlerweile habe ich jedoch gemerkt, dass dies nur auf einige Bezirke, wie beispielsweise Shibuya oder Roppongi zutrifft. Andere hingegen sind super ruhig und angenehm. Die Unterkunft selbst ist auch ok. Bereits im Voraus wurde mir von verschiedenen Seiten gesagt, dass man hinsichtlich des Wohnkomforts Abstriche machen muss. Aber im Großen und Ganzen ist das Haus sauber. Nur in der Küche gibt es ein paar Ecken, in die man lieber nicht zu lange sehen sollte (^_^). Wenn ihr diesem Link folgt, seht ihr das Haus in dem ich wohne. Wenn der Link nicht funktioniert, dann geht bitte auf Google Maps Japan und gebt folgenden Text ein: "162-0805 新宿区矢来町160". Es ist das Haus mit dem grünen Dach, auf welches der Pfeil zeigt.
Nachdem wir unser Gepäck in das Zimmer, welches wir derzeit zu zweit bewohnen (meines wird erst am 07.12. frei) gestellt haben, fuhren Uta und ich dann in die Tokyoter Nacht hinaus, um noch was zu Essen zu finden.
TAG 2 – Wieder nur Tokyo bei Nacht
Freitag schliefen wir seeeehr lange. Erst der Kofferdienst vom Flughafen weckte uns gegen 11 Uhr. Aber aufgrund unseres allgemeinen Zustandes legten wir uns wieder hin und schliefen noch mal bis halb drei Uhr. Nachdem Uta und ich uns aufgerafft hatten, fuhren wir nach Shibuya, um ein paar Sachen, wie Handtücher, LAN-Kabel und anderes zu besorgen. Da die Sonne in Tokyo ziemlich früh und recht abrupt untergeht, konnten wir selbige nur kurz genießen, bevor die hell erleuchtete Tokyoter Nacht uns wieder verschluckte.
Nach unserer Rückkehr in unserer Unterkunft in Kagurazaka haben wir uns noch bis ca. 3 Uhr morgens mit einem unserer französischen Mitbewohner im Haus unterhalten. Nachdem ich die erste Nacht sehr gut geschlafen habe, lag ich in dieser Nacht allerdings noch einige Stunden wach, was zum Einen wohl daran lag, dass ich eigentlich erst 12 Stunden vorher aufgestanden bin, zum Anderen aber vermutlich auch daran, dass unser Nachbar um 4 Uhr anfing mit seiner Mutter in Kanada zu telefonieren und die Wände zwischen den Zimmern doch recht dünn sind.
TAG 3 – Geschichten über Erdbeben und die erste durchfeierte Nacht
Am Freitag traf sich unsere HNP-Gruppe zunächst bei der NCDG, um uns ein paar wichtige Informationen geben zu lassen – u. a. „Wie verhalte ich mich bei einem Erdbeben“. Eine der wichtigsten Regeln ist, sich unter einem Tisch zu verstecken oder in den Türrahmen zu stellen. Und natürlich alle Fluchtwege öffnen und die Lage der Sammelplätze im Stadtteil zu merken. Letzteres ist leicht gesagt, wenn man keine Orientierung hat. Marlen, unsere gute Seele von der NCDG, meinte jedoch, dass man diese Maßnahmen dann doch meist sein lässt, denn eh man alles begriffen hat, ist es eh meist schon vorbei und man hat es dann eben überstanden oder aber eben nicht. An die Infoveranstaltung anschließend fuhren wir zu unserer Sprachschule nach Meguro, um unseren Einstufungstest zu absolvieren. Wie bereits von uns erwartet wurde unsere Gruppe 3:1 geteilt. Uta erhält Einzelunterricht und wir anderen Japanisch-Newbies erhalten ihn (zunächst) zu dritt.
Am Abend fuhren Uta, Raik, Remi (unser französischer Nachbar in Yaraicho) und ich nach Roppongi zum Essen und feiern. Zunächst ging es in ein brasilianisches Restaurant, um zu trinken und etwas zu essen. Anschließend zogen wir durch zwei Clubs, bevor wir uns kurz vor Mitternacht überlegten, ob wir wieder in die Unterkünfte zurückkehren sollten.
In Tokyo fährt zwischen Mitternacht und 5 Uhr Morgens jedoch leider keine Metro. Und da wir die letzte Fahrt um kurz nach Mitternacht verpassten, kehrten wir zurück und verbrachten die Nacht im Vanilla Club. Dieser Club ist für alle, die mal nach Tokyo kommen, sehr zu empfehlen. Es existieren mehrere Dance-Floors und die Möglichkeit mit JapanerInnen oder wenn nötig auch anderen Gaijins in Kontakt zu treten ist aufgrund des engen (An-)Tanzens auch gegeben. Es rennen zwar viele Gaijins (nun ja, bin ja selbst auch einer) rum, aber auch ne Menge hübsche japanische Frauen *hehe*. Wer mehr erfahren will, fragt mich lieber persönlich. Will hier im Blog nicht alles Erlebte breit treten …
Samstagmorgen um 5 Uhr nahmen wir total erschöpft und auch ein wenig müde die erste Metro-Bahn zurück nach Hause und schliefen um kurz nach 6 Uhr in unseren Betten / Tatamimatten ein.
TAG 4 – Design-Festa im Tokyo International Exhibition Center
Nachdem wir morgens erst um 6 Uhr in den Federn lagen, hieß es bereits um kurz nach 11 wieder „Aufstehen“, da wir uns mit den anderen Schützlingen von Onkel Heinz (Anm.: Das ist der nette Mann, dem ich den Japan-Aufenthalt zu verdanken habe) im Tokyo Exhibition Center treffen wollten, um uns ein wenig auf der INVITATION umzutun, einer Designausstellung auf der eine große Anzahl von einheimischen und ausländischen Künstlern ihre „Werke“ – meist Bilder, Fotos oder sonstigen Firlefanz – vorgestellt haben. Das Messegelände liegt auf einer riesigen künstlich aufgeschütteten Insel in der Tokyoter Bucht. Die Exponate waren super interessant, es war allerdings noch interessanter, die Typen von Menschen zu beobachten, die so durch die Hallen schlenderten. Auf den folgenden Bildern sind einige Impressionen des Design-Festa von mir festgehalten.



Am späten Abend fuhren wir mit der Fähre durch den Tokyoter Hafen zurück zum Festland und dann beizeiten nach Hause. Und schon um 2 Uhr am Sonntagmorgen lag ich im Bett, nachdem ich mein Überleben der Anreise und der ersten Tage nach Deutschland vermeldet hatte.
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TAG 5 – Einkaufen in Japan, Besuch Tokyo Dome Freizeitpark
Der Sonntagvormittag wurde von Raik, Matthias und mir für einen ausführlichen Gang durch Tokyos Elektronikmärkte genutzt. Nachdem ich wieder mal gut 20 Minuten in Shinjuku herumgeirrt bin, bis ich (1) den richtigen Ausgang aus der Metro, (2) den richtigen Weg und (3) den vereinbarten Treffpunkt gefunden habe, begaben wir uns auf die Suche nach dem absoluten Thrill für technikverliebte Männer. Riesige Elektronikmärkte, vollgestopft mit aller Art von Elektronik, vom kleinen Mobiltelefon mit Fernsehempfang, bis hin zum riesigen Flatscreen mit gut 1,5 m Diagonale. Ich muss hier mal sagen: Deutsche Märkte, wie Media Markt oder Saturn sind ein Mäuseschiss gegen die Läden hier. Neben den unzähligen Geräten ist v. a. die Atmosphäre beeindruckend. Überall blinkt und piept es (wie sowieso überall in Tokyos Einkaufs- und Vergnügungs-Straßen) und von allen Seiten hallen Werbesprüche oder rennen Maskottchen rum. Auch der Service ist unbeschreiblich. Es fängt bereits damit an, dass wirklich überall Verkäufer herumstehen und einen beim Vorbeigehen mit einem kräftigen „Irasshaimase“ begrüßen. Sie sind außerdem extrem hilfsbereit, kommen selbst auf einen zu oder behaupten nicht, sie hätten Pause, wenn man sie etwas fragen will. Und wenn sie mal selbst nicht weiterwissen, dann rennen sie los, um einen Verkäufer zu finden und heranzuholen, der dem Kunden – also mir – weiterhelfen kann.
Bei soviel gutem Service fühlte ich mich schließlich gut genug beraten, um einen Sprachcomputer zu erstehen. Dieser hat mir heute (Montag) bereits beim Kauf einer Monatskarte für die Tokyo Metro und bei der Beratung bezüglich eines Mobilfunkvertrags weitergeholfen. Bei dem Gerät handelt es sich um den „Papyrus PW-AT 750“ von Sharp mit einer Erweiterungsspeicherkarte mit Deutsch-Japanischem Dictionary. Außerdem kann das Gerät handgeschriebene Kanji erkennen, welches mir sehr wichtig war, denn wie oft hab ich schon irgendwo gesessen und ein Schild gelesen, bei dem ich dachte „und was heißt das nun schon wieder?“. Wer also einmal mit Japanisch in Berührung kommt und meint, auch einen solchen Computer zu benötigen, dem kann ich das Gerät sehr empfehlen. Mitsamt Erweiterungskarte und Tasche kostete es hier in Tokyo ca. 40.000 Yen (derzeit etwa 260 Euro).
Am Nachmittag fuhren Marlen, Dilek (auch ein HNPler), Raik und ich zum Freizeitpark am Tokyo Dome. Das ist ein recht großes Gelände mitten in Tokyo, wo man Achterbahnen (mitten durch die Häuser) und andere lustige Sachen fahren kann. Marlen hatte über die NCDG Sonderkarten bezogen, so dass wir alle Attraktionen für lediglich 500 Yen nutzen konnten. Normal kostet eine Tageskarte 4.000 Yen oder die einzelnen Fahrgeschäfte zwischen 300 – 1.000 Yen. Die erste Stunde irrten wir jedoch ein wenig durch den Park, da wir den Eingang zum ersten favorisierten Fahrgeschäft – dem „Parachute“ – nicht sofort fanden. Auch das Einholen von Informationen bei den Beschäftigten des Parks führte nicht zum gewünschten Erfolg. Der eine schickte uns in die eine Richtung, die andere in eine andere und der dritte Gefragte wiederum in eine gänzlich andere … dachten wir zumindest. Aber irgendwann kamen wir auf den Trichter, dass sie im Grunde genommen alle richtig gezeigt haben, wir jedoch immer nur an einem unscheinbaren Eingang vorbeigelaufen sind. Nun ja aber schlussendlich fanden wir es dann doch und unser Vergnügen konnte beginnen. Wir probierten so ziemlich alle Fahrgeschäfte aus – bis auf die für die ganz kleinen Kinder und die riesige Achterbahn. Die war zumindest Raik und mir zu viel. Für das Amüsement der Parkangestellten durfte ich auch einmal sorgen, als ich in den Wagen einer kleineren Achterbahn stieg und mit meinen langen Grätschen Probleme bekam den Sicherheitsbügel ordentlich zu schließen. Nachdem ich mich dann nach einigem Mühen regelrecht zusammengefaltet habe, konnte die Fahrt aber starten.
Also es dunkel wurde (was ja schon gegen 17 Uhr passiert) waren überall im Freizeitpark weihnachtlich beleuchtete Bäume und Gänge zu sehen. Und die Lichter änderten sich zum Takt von Weihnachtsliedern. Wir waren allesamt genauso fasziniert, wie die Japaner und rannten gemeinsam mit ihnen von einem Musik-Licht-Spektakel zum nächsten.
Diesmal ging es auch recht zeitig – 1 Uhr – ins Bett, denn es folgte der erste Tag unseres Sprachkurses.
TAG 6 – Sprachkurs und wieder mal Verlaufen in Shinjuku
Heute hatten wir unsere ersten Stunden im Meguro Language Center. Wir drei Jungens wurden von zwei "kawai" Senseis angeleitet – Hitomi-san und Makiko-san. Gemeinsam hatten wir richtig viel Spaß und waren überrascht, dass wir doch noch nicht alles in Bochum Gelernte vergessen haben. Tiefgründige Konversationen sind aufgrund des mangelnden Sprachschatzes jedoch noch nicht möglich. Aber die Hoffnung besteht, dass sich das noch ändert. Derzeit behelfen wir uns immer mit schlecht ausgesprochenem Englisch und hoffen, dass dabei irgendein Vokabular entsteht, welches die Japaner als Bestandteil ihrer Sprache akzeptieren. Diese Versuche sind von uns durchaus ernst gemeint und nicht ohne Grund, denn in Japan wurden viele moderne Begriffe u. a. aus Technik und Sport aus dem Englischen oder anderen Sprachen übernommen und leicht abgewandelt beibehalten. Da das Japanisch jedoch einige Laute nicht zulässt, werden Vokabeln oftmals ein wenig verbogen. So wird beispielsweise „Party“ im Japanischen „Pâtî“ ausgesprochen, oder „Television“ als „Telebi“ gelesen.
Die vier Stunden des Kurses gingen leider viel zu schnell um. Aber morgen kommt ja schon der nächste Kurs.
Im Anschluss an den Kurs fuhr ich mit der JR Yamanote Line von Meguro nach Shinjuku – ja da bin ich wirklich oft – um im Bezirksbüro meine „Alien Registration Card“ zu beantragen. Das ist so ne Art Ausweis für Ausländer und muss spätestens 90 Tage nach Einreise beantragt werden. Außerdem gibt es nur mit einer solchen Karte Dinge, wie Mobiltelefone mit Vertrag, zu kaufen.
Eben jenes hatte ich auch gleich noch vor. In Japan (Tokyo) gibt es drei große Anbieter von Mobiltelefonen – AU, Softbank und DoCoMo. Geschäfte, die Mobiltelefone und Verträge dazu anbieten gibt es wie Sand am Meer; aber einen Katalog mit den Tarifen oder den aktuellen Telefonen in Englisch zu bekommen ist fast unmöglich. Nachdem ich zunächst erfolglos durch mehrere Geschäfte gepilgert war und immer wieder vertröstet wurde, fand ich schließlich eine Verkäuferin, die mir ein großes Geschäft, ausschließlich von DoCoMo, empfahl. Witzig fand ich allerdings ihre Beschreibung: "… Bis zum Südausgang der Shinjuku Station und dort an dem großen Haus mit dem Logo 'IDC' links abbiegen …". HAHA – in Shinjuku stehen NUR große Häuser mit tausenden von Leuchtreklamen. Wie soll ich als Unkundiger, der sich in diesem Stadtteil eh immer verläuft da ausgerechnet dieses Haus finden. Nun ja zu meinem Glück kam ich an einem der Stadtpläne vorbei, die ab und zu mal in der Stadt stehen und den aktuellen Stadtteil ein wenig anzeigen. Dort war ein Hochhaus mit dem Namen "NTT DoCoMo Building" verzeichnet. Nun dachte ich mir: "wenn das Haus schon so heißt, wie die Telefongesellschaft, dann gehe ich mal einfach dort hin". Gesagt, getan, ich fand dort dann auch einen DoCoMo-Shop, in dem man mir bezüglich Telefon und Tarifen weiterhelfen konnte. So erfuhr ich, dass nicht alle Telefone im Ausland verwendet werden können, da Japan einen anderen Standard hat, als beispielsweise Europa. Aber mein derzeitiges Wunschtelefon kann ich glücklicherweise wohl auch in Deutschland verwenden. Bei den Tarifen geht es auch heiß her. Es gibt zwar im Grunde nur sieben Grundtarife, die aber mit diversen Vergünstigungen und Sonderdiensten, wie Bezahlen mit dem Telefon in Geschäften und der Tokyo Metro, E-Mail, der Möglichkeit des Versendens von bunten Nachrichten mit Animationen, TV, Internet, Newsletter, Radio, Musikdownload und und und kombinieren kann. Die Grundpreise liegen leicht über den deutschen Preisen. Die günstigste Monatsrate beginnt bei 3.600 Yen (ca. 23 Euro) und damit verbunden Verbindungspreise von 40 Yen pro Minute und geht bis zu 18.000 Yen Grundgebühr mit nur noch 14 Yen Minutenpreis. Allerdings sind viele der Sonderdienste kostenlos, bzw. ohne zusätzliche monatliche Grundgebühr zu haben, wenn man sich einmal angemeldet hat. Auch kommt man leicht aus Verträgen wieder raus (man muss lediglich eine „Strafe“ von 3.000 Yen zahlen) und es werden Ein-Jahres-Verträge angeboten. Und mit dem Rabatt für Studenten, Familien, Kinder, Rentner usw. lassen sich die Kosten auch drücken. Leider werde ich wohl nur den Rabatt für einen Jahresvertrag in Anspruch nehmen können.
"Zum Glück" stellt sich dieses Problem für mich jedoch erst in drei Wochen, da man Mobilfunkverträge erst abschließen kann, wenn man die "Alien Registration Card" in Händen hält. Meine Hoffnung, dass es auch bereits mit der Bestätigung der Beantragung selbiger geht, wurde heute von einer DoCoMo-Hostess leider zerstört.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERSTEN TAGE
Nun brennen wir alle darauf, dass wir endlich einen Mobilfunkvertrag abschließen können, denn es lebt sich nicht leicht ohne mobile Telekommunikation in Tokyo. Am stärksten fällt es uns auf, wenn wir uns irgendwo in der Stadt treffen wollen. Ein einfaches „wir treffen uns am Bahnhof Xyz“ reicht nicht, da die Bahnhöfe meist sehr viele Ausgänge haben. Und auch wenn man sagt, dass man sich beispielsweise am Ausgang „A1“ trifft muss das noch lange nicht heißen, dass alle dort auch wirklich rauskommen. Mal ganz davon abgesehen davon, dass aufgrund unserer Unkenntnis der lokalen Gegebenheiten und des Metro-Plans bisher Verspätungen von 30 Minuten am Treffpunkt keine Seltenheit waren. Es ist dann dumm nicht zu wissen, ob der/diejenige auf den/die gewartet wird überhaupt kommt.
Eine weitere Schwierigkeit, die sich ergibt ist, dass die Bahnhöfe in Tokyo nicht, wie in Deutschland in separaten Gebäuden untergebracht, sondern in riesige Kaufhaus- oder Wohnkomplexe integriert sind. So sieht man oftmals nicht auf den ersten oder zweiten Blick, wo der Bahnhof überhaupt ist, oder wo die anderen Ausgänge sind.
Ansonsten kann ich über Tokyo sagen, dass es mich bisher nur positiv überrascht hat. Es ist extrem sauber, obwohl nirgendwo Mülleimer rumstehen. Die Leute nehmen ihren Müll nämlich mit nach Hause und entsorgen ihn dort. Außerdem sind alle Menschen angenehm nett und rücksichtsvoll. Laut und hektisch ist Tokyo entgegen meiner bisherigen Meinung auch nur in wenigen Vierteln, wie Shinjuku, Shibuya oder Roppongi. Dies sind die Einkaufs- oder Ausgehviertel und es herrscht dort 24 Stunden am Tag ein Trubel, wie in München nur am Wochenende in der Kaufinger Straße. Außerdem leuchten überall Reklametafeln und man wird mit Videospots und Werbung beschallt.
In anderen Gebieten, u. a. Kagurazaka, in dem ich wohne, ist es hingegen ruhig und gemütlich.
Nun noch die obligatorische Bestätigung einiger sorgsam gehegter Vorurteile über Japaner:
- Fast alle Japaner schlafen in der Metro oder wenn sie mal irgendwo sitzen um auszuruhen. Allerdings kann man sich da auch leicht anpassen. Selbst während sie von lauter Musik beschallt werden, können Japaner schlafen:
- Alle Japaner rennen mit einem Mobiltelefon vor der Nase oder am Ohr durch die Welt.
- Japaner – insbesondere die älteren – sind wirklich klein. Aber die Jugend wird immer größer.
- Viele Japaner – vorrangig junge Frauen – ziehen sich seltsam an.
- Die Metro-Bahnen sind so richtig knackevoll früh zwischen 8 und 9 Uhr und abends von 10 Uhr bis 11 Uhr.
- Die Autos fahren links und die Fahrräder auf dem Fußweg.
- Taschentücher gibt es nur in der Form von Werbegeschenken. Aber die Nase putzen macht man eh nicht in der Öffentlichkeit. Sogar unsereiner geht schon in dunkle Ecken oder auf die Toilette, um das Riechorgan mal zu säubern.
- Es gibt Automaten mit warmen und kalten Getränken auf der Straße.