代々木公園で見た

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Montag, 6. August 2007

Hanabi in Itabashi

Mehrmals im Kalenderjahr finden in Japan im Rahmen von traditionellen Festen (jap. 祭り matsuri) eine Vielzahl von Feuerwerken statt, zu denen stets tausende Menschen pilgern. Frauen und Mädchen dabei meist in Kimonos gekleidet und die Herren manchmal im Yukata. Feuerwerk heißt im Japanischen 「花火」, was exakt übersetzt "Blumenfeuer" bedeutet. Und diese Übersetzung kann man ruhig wörtlich nehmen. Denn Feuerwerke erreichen in Japan eine Qualität und einen Umfang, von in Deutschland nicht bekannten Maßen. Mittlerweile erreicht die Kunst des Feuerwerkens eine neue unglaubliche Bildervielfalt. Angefangen bei einfacheren Blumengebilden oder Feuertränen, die den gesamten Himmel bedecken, bis hin zu komplexen Gebilden, wie Gesichtern, Planeten mit Äquatorringen (so wie der Saturn) oder anderes.
Verantstaltet werden die Feuerwerke in Tokyo durch die Stadt selbst. Das hat den sehr positiven Effekt, dass alles super geregelt und extrem sicher ist. Der Weg zu den Orten des Geschehens wird von Ordnungskräften gewiesen, die allesamt mit einer verkleinerten Kopie der Jedi-Schwerter ausgestattet sind und damit rumwedeln. War Rot eigentlich die Farbe der Guten oder der Bösen?
Auch am Ziel ist dann für alles gesorgt: Große Mülleimer an zentralen Stellen, Absperrungen und wieder zahlreiche nette Helferlein, die auf jede noch so kleine Gefahr (Stufen, Absperrband, ...) hinweisen und sowie in der kleinsten, als auch größten Not hilfreich zur Seite stehen.

Vergangenen Samstag-Spätnachmittag machten Ronald, Ümit und ich uns auf den Weg zum Hanabi in Itabashi, im Norden von Tokyo, nachdem der Alternativ-Veranstaltungs-Vorschlag "Bauchtanz in Shibuya" mit 2/3-Mehrheit demokratisch abgelehnt wurde.
Glücklicherweise kamen wir etwas verspätet (30 Minuten nach Beginn des Feuerwerks) am Zielbahnhof in Nishidai an, so dass das größte Menschengedränge bereits vorüber war. Auf unserem gut 15-minüten Weg zum Ort des Spektakels, den Ufern des Ara-kawa, versorgten wir uns noch mit ausreichend Bier und Wassermelonen. Außerdem konnten wir bereits zwischen den Häusern die Feuerwerke beobachten und den davon ausgehenden Donner hören. Durch den Rückschall durch die Gebäude klang das stellenweise wie Trommelfeuer.
Am Ziel angekommen fanden wir glücklicherweise schnell ein paar Sitzplätze zwischen einigen jungen Japanern. Denn auf den Wegen oder Treppen stehen durfte man nicht. Schließlich könne man ja ggf. den Weg versperren... uuuund das ist GEFÄHRLICH!!!

Hier ein paar Impressionen des Gesehenen und Erlebten:





Nachdem das Feuerwerk etwa 100 Minuten nahezu ununterbrochen lief, ging es gegen 20:45 Uhr in einem fulminanten Finale zu Ende.
Anschließend machten sich geschätzte 10.000 Menschen auf den Rückweg zur JR-Station, um zurück in die Stadt zu fahren. Und wir mittendrin. Nachdem wir uns zunächst einfach von der Menge mittreiben ließen und uns unterwegs mit Yakitori und Furankufutaa-Würsten versorgten, strandeten wir irgendwann vor dem Abfahrtsbahnhof, in den das Gros der Menge strömte. Keine Lust verspürend, uns sofort in überfüllte Züge zu zwängen, machten wir es uns in den Abgasen der parkenden Autos zunächst gemütlich und beobachteten die vorbeilaufenden Leute. Zu unserem Erstaunen ging die Zahl der Gaijins nahezu gegen Null. Wir durften uns also wie wahre Exoten fühlen.
Nachdem sich der Großteil der Hanabi-Besucher bereits in unzählige Zügen gezwängt und in alle Himmelsrichtungen verstreut hatte, sowie unsere Sinne hinreichend benebelt waren, starteten wir noch zu einem kurzen Rundgang über den Platz und schlossen diesen mit dem Betreten des Bahnhofs ab. Mit einem nunmehr bereits halbleeren Zug (man konnte die Arme beim Stehen bereits wieder bewegen) ging es auch für uns nach Hause.

Ach noch ein Wort zu den Abgasen parkender Autos: In Japan werden Motoren beim Parken oft laufen gelassen, wenn jemand im Fahrzeug sitzt oder nur kurz mal selbiges verlassen hat. Doch wird dies nicht aus dem selben Grund gemacht, aus dem die LKW-Fahrer in Sibirien und Alaska ihre Motoren den ganzen Winter über laufen lassen. Nein, der Grund sind die Klimaanlagen, die das Raumklima auf angenehmen 18 °C halten müssen. Da machen die paar Gramm Stickoxide und andere Abgase mehr in der Atmosphäre auch nix aus. Ist ja eh schon genug da.

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