代々木公園で見た

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Mittwoch, 23. Mai 2007

Butterbrot und Bier

Soviel Kultur aus dem alten Europa durfte ich schon lang’ nicht mehr an einem Tag erleben!

Vergangenen Freitag, dem letzten Tag meines "wohlverdienten" einwöchigen Urlaubs, bekam ich eine extra große Dosis Lebensgefühl des ach so fernen Europas verpasst.
Zunächst besuchte ich am frühen Nachmittag gemeinsam mit Yuki - übrigens einer äußerst bezaubernden zukünftigen Studentin und Japanisch-Lehrerin in Bochum - eine Kinovorstellung im Rahmen der EU Film Days. Gezeigt wurde der polnische Film Mój Nikifor, dessen Handlung sich um das Leben des berühmten polnischen Künstler Nikifor Krynicki (1895-1968) dreht. Bemerkenswert war - was mir jetzt erst beim Verfassen des Blog so richtig auffällt, dass Nikifor im Film von der Schauspielerin Krystyna Feldman gespielt wird.
Aufgrund der Ausstrahlung des Streifens in polnischer Originalfassung, gepaart mit – für meine mittelschlechte Leseleistung - ziemlich schnell wechselnden japanischen Untertiteln, verstand ich nur leider nicht die Hälfte der Zusammenhänge im Film. Aber ich hatte ja glücklicherweise Yuki dabei, die mir nach dem Film u. a. erklären konnte, wieso der ärmlich und verstört wirkende Nikifor zum Ende des Films mit einem Mal eine große Ausstellung mit allerlei Prominenz bekam.
Aber es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass es die Europäer (wieder) vermögen, auch ohne die übliche Hollywood-Dramatik und -Gewalt gute und des Kinobesuchs würdige Filme zu produzieren.

Im Anschluss an den Film machten wir uns durch das sonnenbeschienene Tokyo auf den Weg zum DAAD, in dessen Räumlichkeiten am Abend eine Veranstaltung stattfand, die unter dem im Titel des Blog-Eintrags genannten Thema stand. Was war ich überrascht, wie viele Deutsche - insbesondere Studenten (zumeist DAAD-Stipendiaten) - sich doch in Tokyo leben und an einem solchen Abend zusammenfinden. Ok es war aber auch alles gratis! Also ein triftiger Grund für finanziell ewig klamme Studenten und Praktikanten ans Tageslicht zu kommen und die Gemeinschaft zu suchen.
Nach einer für japanische Verhältnisse erfreulich kurzen Ansprache des japanischen DAAD-Präsidenten(?) bildete ein klassisches Konzert, bei dem von deutschen und japanischen Hobby-Musikern vor allem Werke Johann Sebastian Bachs aufgeführt wurden, den Auftakt des Abends. Im Anschluss daran startete der Höhepunkt des Tages und der Grund, warum die Veranstaltung mit "Butterbrot und Bier" überschrieben war: Eine Stehparty mit hektoliterweise Bier (gutes Sapporo) und - mein Herz schwang über vor Freude - echtem deutschen Schwarzbrot und ebenso echter deutscher Wurst, Käse, Butter und Saurer Gurken. Nach über fünf Monaten Ernährung fast ausschließlich durch Reis, Buchweizennudeln, Fisch und, wenn der Appetit einmal nach Brot und Wurst verlangte, blassem Weißbrot und seltsam anmutendem Wurstersatz, wieder einmal eine dicke Scheibe Schwarzbrot mit Jagdwurst und Schinken belegt in Händen halten und verspeisen zu können, ließ in mir Gefühle wie zu Weihnachten aufkommen.
Flankiert wurde die Veranstaltung von Fotographien und Videoinstallationen deutscher und japanischer DAAD-Stipendiaten, die Kunststudiengänge absolvierten.

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