代々木公園で見た

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Mittwoch, 23. Mai 2007

Sanja Matsuri

Vom 18. bis 20. Mai herrschte Ausnahmezustand in Asakusa, einem historischen Stadtteil Tokyos, denn es fand das jährliche Fest Sanja Matsuri statt.
Dieses Fest geht auf das 13. Jahrhundert zurück, in dem der Historie zufolge drei Fischer im Fluss, der durch Asakusa fließt, eine Statue der Göttin Kannon in ihrem Netz fanden. Die goldene Statue ist jetzt im Sensoji Schrein in Asakusa untergebracht.
Zu Ehren der Fischer findet nun jährlich das Sanja Matsuri statt. Drei Tage lang vergessen die Japaner ihre Zurückhaltung und jegliche Regeln und das Leben wird bestimmt von Trinken, Tanzen und sonstigen Ausschweifungen.
Die Festlichkeiten begannen am Freitag mit Prozessionen von Musikern in traditioneller Kleidung durch Shitamachi, dem Gebiet in Asakusa um den Sensoji Tempel herum. Auf den Straßen außerdem zehntausende von Zuschauern, meist ortsansässige Ladenbesitzer, deren Angestellte und Anwohner, die ebenfalls zu einem großen Teil in traditionellen Gewändern gekleidet waren.
Am Samstag: wurden Mikoshi, transportable Schreine, aus allen 44 Bezirken von Asakusa zum Tempel gebracht, damit die Kami (shintoistische Götter) herabsteigen und in den Mikoshi Platz nehmen können. Anschließend starteten die Träger und mit ihnen die Schreine eine "Tour" zurück in ihre Bezirke. Auch dieses Spektakel wurde begleitet von hunderttausenden feiernden Menschen.
Der Sonntag schließlich stellte das Finale des Festes dar. Die drei großen Mikoshi des Sensoji-Schreins (jeder etwa eine Tonne schwer) wurden, begleitet von einigen kleineren Mikoshi (bspw. getragen von Kindern), von jeweils 40 Trägern den ganzen Tag und bis in den späten Abend hinein durch Asakusa getragen. Die Träger - früher ausschließlich Männer, mittlerweile sind aber auch Frauen zugelassen - trugen unterschiedliche hanten-Bekleidung mit verschiedenen Designs, welche für die einzelnen Stadtteile von Asakusa stehen.
Jeder der drei Mikoshi repräsentiert einen der Fischer, die die Kannon-Statue fanden. Die Japaner glauben, dass die Kami "hinuntersteigen" und sich in den Mikoshi niederlassen. Die Menschen führen sie dann durch ihre Wohngegenden, um diese den Kami zu zeigen und damit auf Glück zu hoffen. Regelmäßig kehren die Schreine auch zum Sensoji Tempel zurück, wo sie mit viel Jubel vor der Haupthalle präsentiert und herumgeschaukelt werden. Vermutlich, um die Götter aufzufordern, einzusteigen. Danach geht es wieder in alle möglichen Richtungen in die Stadt. Die Träger laufen jedoch nicht einfach stur vor sich hin, sondern tanzen und singen auf ihren Wegen durch die Stadt. Denn es heißt, je mehr die Mikoshi während der Tour geschüttelt werden und je mehr die Träger tanzen, desto mehr Glück soll es bringen.

Interessant ist, dass Sanja Matsuri eines der wenigen Feste in Japan ist, während denen die Yakuza öffentlich in Erscheinung tritt. Bis auf einen gebundenen Lendenschurz ihrer Kleidung entledigt, standen Mitglieder der örtlichen Gruppe "T-Gumi" auf den Mikoshi und feuerten die Träger an. Dabei präsentierten sie ihre teilweise bis auf die Hände, das Gesicht und die Füße komplett tätowierten Körper. Die Polizei schaute an diesem Tag dann auch einfach mal weg.



Aufgrund eines Pionierauftrags, den ich von meinen Eltern am Donnerstag bekommen hatte, mischte ich mich am Sonntag unter die Besucher des Festivals. Und allen, die wie ich bisher glaubten Shinjuku-Station zur morgendlichen/abendlichen Rush Hour oder der Platz am Hachiko in Shibuya am Samstagabend seien voll, denen sei gesagt: Es geht noch voller! In den vergangenen Jahren wurde ca. 1,5 Mio. Besucher an den drei Tagen des Festivals gezählt. Deswegen wage ich zu behaupten, dass auch am vergangenen Sonntag mindestens 500.000 Menschen die Straßen um den Sensoji Tempel bevölkerten. Das mag auch gar nicht so schlimm sein, wenn die sonst in Japan geltenden Verhaltensregeln eingehalten würden. Aber wie bereits weiter oben erwähnt, gelten die zu Sanja Matsuri nicht. Auf den völlig überfüllten Straßen Asakusas und im Tempelbereich selber wuselten die Menschen ohne Ordnung durcheinander. Besonders drastisch entwickelte sich die Situation, wenn in engen Straßen, wie der Nakamise dori, in denen die Menschen eh schon wie die Sardinen aneinander vorbeidrängten einer der großen Mikoshi seinen Weg durch die Stadt suchte. Als Vorhut liefen immer dutzende Begleiter, die mit Megaphonen, Pfeifen und ihrer schieren Masse die Menschen beiseite schoben. Da wurde keine Rücksicht mehr auf kleine alte Großmütterchen oder große schlanke Deutsche genommen. Ich war ziemlich glücklich über 1,70 m groß zu sein. Denn so verlor ich nie den Überblick und lief auch nicht Gefahr zu ersticken, weil ich den Bauch oder die Brust eines unglücklich auf mich gefallenen Mitmenschen ins Gesicht gedrückt bekam.
Lustig auch die Szenen an den Kreuzungen der Gassen: Von allen Seiten strömten die Menschen heran, mit dem Wunsch, sich wieder in alle Richtungen zu verteilen. Doch auch hier gab es keine Regeln, nach dem Motto "Links gehen von Ost nach West, rechts gehen von West nach Ost". Je nachdem, wie gut man darin war, seine Mitmenschen davon zu überzeugen einem den Vortritt beim Vortrieb zu lassen (bei manchen half ein Lächeln, bei anderen ein ernster Blick), kam man mehr oder weniger schnell und halbwegs in der gewünschten Richtung über die Wegkreuzung. Gut dran waren diejenigen - zumeist Mütter - die einen Kinderwagen vor sich herschieben konnten. Vor den Fahrten in die eigenen Hacken und über die Füße fürchteten sich viele "Wegkonkurrenten" dann doch und machten freiwillig Platz.


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