Dieser Satz, den ich einfach mal von den Borg geklaut und etwas modifiziert habe, ging mir an diesem Nachmittag durch den Kopf, nachdem ich mich durch einen weiteren wichtigen Schritt tiefer in die japanische Gesellschaft gekrallt habe.
Wegen eines erhöhten Aufkommens an Reisetätigkeiten in der nächsten Zeit (siehe Beitrag "Zur Arbeit in die Provinz"), führte mich einer meiner heutigen Wege – mit dem Ziel einer Kontoeröffnung für die zu erstattenden von Reisekosten – zur örtlichen Repräsentanz der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Zusammen mit meiner schnuckligen Begleiterin von Merck HR betrat ich gegen 14 Uhr die extrem überfüllte Filiale. Aufgrund des heute ablaufenden Geschäftsjahres japanischer Unternehmen war diese – nach Auskunft meiner Begleiterin – überwiegend angefüllt mit unzähligen MitarbeiterInnen diverser Finance/Controlling-Abteilungen.
Nach dem Ziehen einer Nummer und 15 Minuten Warten, kamen wir schließlich an die Reihe und übergaben das bereits im Voraus ausgefüllte Antragsformular an die Dame auf der anderen Seite des Schalters. Nach dem Nachweis meiner Identität anhand meiner Alien Registration Card, der Einzahlung von 10 Yen Startkapital (jetzt hoffe ich mal auf eine enorme Verzinsung) und einer kurzen weiteren Wartezeit, wurde mir endlich in einer feierlichen Zeremonie mein "Sparbuch", und das Versprechen des Erhalts meiner Geld-/VISA-Karte innerhalb der kommenden Woche, übergeben. Plus einer Tüte, in der sich allerlei Überraschungen finden ließen: Neben den obligatorischen Werbe-Tissues und den Kontobedingungen in Japanisch (SUPER!!!) auch ein Mousepad. Als ich mir letzteres genauer ansah, stellte ich mir die Frage, ob ich gerade ein Konto eröffnet, oder aber die Aufnahme meines Kindes in den Kindergarten beantragt hatte. Vom Antlitz der Mausschubsarena grinsten mich, unter dem Logo der MUFJ, Winnie The Poo, Tigger und Piglet an. Nun ich werde damit sicher einer japanischen Freundin eine Freude machen können.
Doch auch ungefragt und ohne mein Wissen wurde meine Assimilation vom Merck-Kollektiv bereits seit langem geplant und vorangetrieben. Beim Ausfüllen des Antrags für die Kontoeröffnung kam ich auf die Frage, wo ich denn bitte zu unterschreiben habe. Nirgendwo! War die Antwort. Nach einem verwunderten Blick meinerseits wurde mir von meiner bereits oben erwähnten schnuckligen HR-Unterstützerin mein höchsteigener – freundlicherweise von Merck Ltd. Japan bereitgestellter – Hanko (jap. 判子) präsentiert und letztlich auch überreicht. Dieser in Japan als Unterschriftsersatz dienende Stempel schlummerte bereits seit meinem Firmeneintritt in den heiligen Hallen der HR-Gruppe.

Ab sofort werde ich die Krakel, die ich meine Unterschrift zu nennen pflege, auf jeglichen Formularen durch die formvollendeten Kana meines Hanko ersetzen können.
Ich habe also resigniert und erkannt: Ich werde einer von ihnen! Es ist wohl nicht mehr zu verhindern. Nur ein schnelles Eingreifen meiner eigenen Spezies kann mich vielleicht noch retten!
Zum Schluss nochmal eine Zusammenstellung der Dinge und Eigenschaften, die mich immer tiefer in die japanische Gesellschaft hineinziehen und in ihr verwurzeln:
- Schlafen in Bus und Bahn... Krieg ich problemlos hin
- Mit dem iPod die Außenwelt abschalten... Mach ich regelmäßig
- Mit dem Handy vor der Nase (nicht am Ohr!) durch die Welt laufen... Auch das kein Problem
- Nase hochziehen... Aber hallo!
- Zur Begrüßung und zum Abschied verbeugen... Als wär's mir angeboren
- Als Bestätigung des aktiven Zuhörens ein regelmäßiges "Hai"... Rutscht einfach raus
- JR fahren nur mit Suica... Da bin ich japanischer als manch' Japaner
- Bus und Metro fahren nur mit Transnet Pass... Siehe vorigen Punkt
- Zur Kirschblüte unter den Bäumen stehen und mit großem Oh! und Ah! die Pracht bewundern und eine unendliche Serie von Fotos schießen... Erst gestern geschehen
- Einen Kalender vom Tenno auf dem Schreibtisch stehen haben... Da isser *zeig*
- Schuhe im Restaurant ausziehen... Ok, muss man halt manchmal einfach
- Die Muttersprache... Da kann man (zum Glück) nix dran drehen
- Die Körpergröße... Da kann auch nichts dran geändert werden
- Schuhgröße... Nur im Handel für Sondergrößen könnte ich vernünftige Fußbekleidung bekommen
- Die Geschwindigkeit beim Gehen... Ich werde nur in Menschenmassen gebremst
- Mein leidliches Japanisch... Was soll ich dazu sagen?!
- Ich mag immer noch kein Natto... Obwohl ich mir das überlegen muss; hab letztens das Angebot von zwei Kolleginnen gekriegt, dass sie mir ihre Freundinnen vorstellen wollen, wenn ich Natto esse/mag – Japanerinnen sollen bei Maennern da voll drauf stehen – haben'se gesagt!








