代々木公園で見た

代々木公園で見た

Freitag, 30. März 2007

Sie werden assimiliert werden

"Wir sind die Japaner! Sie werden assimiliert werden, Widerstand ist zwecklos!"

Dieser Satz, den ich einfach mal von den Borg geklaut und etwas modifiziert habe, ging mir an diesem Nachmittag durch den Kopf, nachdem ich mich durch einen weiteren wichtigen Schritt tiefer in die japanische Gesellschaft gekrallt habe.

Wegen eines erhöhten Aufkommens an Reisetätigkeiten in der nächsten Zeit (siehe Beitrag "Zur Arbeit in die Provinz"), führte mich einer meiner heutigen Wege – mit dem Ziel einer Kontoeröffnung für die zu erstattenden von Reisekosten – zur örtlichen Repräsentanz der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Zusammen mit meiner schnuckligen Begleiterin von Merck HR betrat ich gegen 14 Uhr die extrem überfüllte Filiale. Aufgrund des heute ablaufenden Geschäftsjahres japanischer Unternehmen war diese – nach Auskunft meiner Begleiterin – überwiegend angefüllt mit unzähligen MitarbeiterInnen diverser Finance/Controlling-Abteilungen.

Nach dem Ziehen einer Nummer und 15 Minuten Warten, kamen wir schließlich an die Reihe und übergaben das bereits im Voraus ausgefüllte Antragsformular an die Dame auf der anderen Seite des Schalters. Nach dem Nachweis meiner Identität anhand meiner Alien Registration Card, der Einzahlung von 10 Yen Startkapital (jetzt hoffe ich mal auf eine enorme Verzinsung) und einer kurzen weiteren Wartezeit, wurde mir endlich in einer feierlichen Zeremonie mein "Sparbuch", und das Versprechen des Erhalts meiner Geld-/VISA-Karte innerhalb der kommenden Woche, übergeben. Plus einer Tüte, in der sich allerlei Überraschungen finden ließen: Neben den obligatorischen Werbe-Tissues und den Kontobedingungen in Japanisch (SUPER!!!) auch ein Mousepad. Als ich mir letzteres genauer ansah, stellte ich mir die Frage, ob ich gerade ein Konto eröffnet, oder aber die Aufnahme meines Kindes in den Kindergarten beantragt hatte. Vom Antlitz der Mausschubsarena grinsten mich, unter dem Logo der MUFJ, Winnie The Poo, Tigger und Piglet an. Nun ich werde damit sicher einer japanischen Freundin eine Freude machen können.

Doch auch ungefragt und ohne mein Wissen wurde meine Assimilation vom Merck-Kollektiv bereits seit langem geplant und vorangetrieben. Beim Ausfüllen des Antrags für die Kontoeröffnung kam ich auf die Frage, wo ich denn bitte zu unterschreiben habe. Nirgendwo! War die Antwort. Nach einem verwunderten Blick meinerseits wurde mir von meiner bereits oben erwähnten schnuckligen HR-Unterstützerin mein höchsteigener – freundlicherweise von Merck Ltd. Japan bereitgestellter – Hanko (jap. 判子) präsentiert und letztlich auch überreicht. Dieser in Japan als Unterschriftsersatz dienende Stempel schlummerte bereits seit meinem Firmeneintritt in den heiligen Hallen der HR-Gruppe.



Ab sofort werde ich die Krakel, die ich meine Unterschrift zu nennen pflege, auf jeglichen Formularen durch die formvollendeten Kana meines Hanko ersetzen können.

Ich habe also resigniert und erkannt: Ich werde einer von ihnen! Es ist wohl nicht mehr zu verhindern. Nur ein schnelles Eingreifen meiner eigenen Spezies kann mich vielleicht noch retten!

Zum Schluss nochmal eine Zusammenstellung der Dinge und Eigenschaften, die mich immer tiefer in die japanische Gesellschaft hineinziehen und in ihr verwurzeln:
  • Schlafen in Bus und Bahn... Krieg ich problemlos hin
  • Mit dem iPod die Außenwelt abschalten... Mach ich regelmäßig
  • Mit dem Handy vor der Nase (nicht am Ohr!) durch die Welt laufen... Auch das kein Problem
  • Nase hochziehen... Aber hallo!
  • Zur Begrüßung und zum Abschied verbeugen... Als wär's mir angeboren
  • Als Bestätigung des aktiven Zuhörens ein regelmäßiges "Hai"... Rutscht einfach raus
  • JR fahren nur mit Suica... Da bin ich japanischer als manch' Japaner
  • Bus und Metro fahren nur mit Transnet Pass... Siehe vorigen Punkt
  • Zur Kirschblüte unter den Bäumen stehen und mit großem Oh! und Ah! die Pracht bewundern und eine unendliche Serie von Fotos schießen... Erst gestern geschehen
  • Einen Kalender vom Tenno auf dem Schreibtisch stehen haben... Da isser *zeig*
  • Schuhe im Restaurant ausziehen... Ok, muss man halt manchmal einfach
Und was unterscheidet mich noch?:
  • Die Muttersprache... Da kann man (zum Glück) nix dran drehen
  • Die Körpergröße... Da kann auch nichts dran geändert werden
  • Schuhgröße... Nur im Handel für Sondergrößen könnte ich vernünftige Fußbekleidung bekommen
  • Die Geschwindigkeit beim Gehen... Ich werde nur in Menschenmassen gebremst
  • Mein leidliches Japanisch... Was soll ich dazu sagen?!
  • Ich mag immer noch kein Natto... Obwohl ich mir das überlegen muss; hab letztens das Angebot von zwei Kolleginnen gekriegt, dass sie mir ihre Freundinnen vorstellen wollen, wenn ich Natto esse/mag – Japanerinnen sollen bei Maennern da voll drauf stehen – haben'se gesagt!

Donnerstag, 29. März 2007

Long Line

Ich habe zwölf Jahre meiner Kindheit in der Deutschen Demokratischen Republik gelebt und verbringe mittlerweile auch schon einige Zeit in Japan, weiß also was Schlangestehen und Warten bedeutet.
Jedoch erstaunt es mich stets aufs Neue, in welche Extreme es die Japaner treiben können:

30.11.2003 - Eröffnung der ersten Apple-Filiale in Ginza

Dienstag, 27. März 2007

Zur Arbeit in die Provinz

Es soll unter der Tokyoter Bevölkerung ArbeitnehmerInnen geben, die 30, 60, ja teilweise sogar bis zu 90 Minuten benötigen, um den täglichen Weg zwischen Wohnung und Büro zu absolvieren. Bisher blieb ich - auch durch eine günstige Wahl des Wohnortes - glücklicherweise davon verschont. Ja! Für die Möglichkeit eines kurzen zehnminütigen morgendlichen und abendlichen Fußmarschs von Haustür bis zum Schreibtisch und zurück, beneideten mich bislang gar viele.
Jedoch hat es damit - zumindest für die kommenden Wochen - erstmal ein Ende. Ich setze dem durchschnittlichen Arbeitsweg der hiesigen Arbeitnehmerschaft hinsichtlich Zeit und Weg sogar noch was drauf.
Aufgrund eines neuen Aufgabengebiets (Projektqualitätssicherung und -validierung), und der damit verbundenen Notwendigkeit eines regelmäßigen persönlichen Kontaktes mit Anwendern und Entwicklern vor Ort, darf ich ab sofort wenigstens ein- oder zweimal pro Woche nach Atsugi fahren. Das sieht zwar entfernungsmäßig auf der verlinkten Google-Map nicht wirklich schlimm aus (obwohl... wenn man weiter rauszoomt dann doch, merk' ich gerade), jedoch habe ich zu meinem Leidwesen noch keine Möglichkeit gefunden per Luftlinie auf dem geraden Weg dahin zu gelangen. Also muss ich auf dem Landweg eine Strecke von reichlich 65 km bewältigen. Zunächst von Meguro nach Shinjuku, dann nach Hon-Atsugi und weiter bis zur Produktionsstätte von Merck irgendwo in der Walachei. Bei einer Kombination der Verkehrsmittel Fußmarsch, Bahn (Express) und Taxi brauche ich dafür (heute gemessene) 113 Minuten. Wenn ich aus Kostengründen statt mit dem Taxi mit dem Bus fahre und das "Glück" habe mit selbigem in eine Feierabendverkehrsstockung zu geraten, erhöht sich der Zeitbedarf locker auf (ebenfalls gemessene) 168 Minuten. Von der unchristlichen Zeit, zu der ich ab sofort morgens aus dem Bett muss (06:45 Uhr) und der Zeit, zu der ich abends nach Hause zurückkehre (21:00 Uhr) ganz zu schweigen.

Aber!!! Jedes Schlechte (obwohl das ist glaube ich doch zuviel - sage ich mal besser "Unangenehme") hat auch sein Gutes: Nun hab' ich enorm viel Zeit, um Vokabeln zu büffeln, weil die unproduktive Zeit in Bahn und Bus schließlich überbrückt werden will.

Sonntag, 25. März 2007

"Weltuntergang" im Fernsehen

Heute geht die Welt unter! Hier in Japan kann man das am heutigen Tag auch wörtlich nehmen. In Tokyo stürmt und regnet es (hat aber zwischenzeitlich etwas nachgelassen) und im Nordwesten der Präfektur Ishikawa (Westjapan, also weit weg von Tokyo) gab es gegen 09:42 Uhr ein sehr starkes Seebeben (ungefähr Stärke 6). Die Region Tokyo soll das Beben noch mit einer Stärke von 1 auf der nach oben offenen Richterskala erreicht haben. Ich habe es nur daran gemerkt, dass mein kleiner roter Dharma kurz nach der oben genannten Zeit mal einen kurzen Spaziergang über den Tisch veranstaltet hat.

Da die Außenwelt aufgrund des Wetters nicht wirklich zu einem Ausflug einlädt, verbringe ich den heutigen Tag damit, eine Menge Japanisch-Hausaufgaben zu machen und Vokabeln zu büffeln.
Außerdem läuft nebenbei die Flimmerkiste. Nachdem heute Morgen auf nahezu allen Kanälen das Seebeben DAS Topthema war, kehren die Fernsehmacher so langsam zum Tagesprogramm zurück. Neben diversen Anime-Serien, die ohne Vorwarnung mit irgendwelchen seltsam anmutenden Spiel- und Kochshows abwechseln und durch Werbeblöcke unterbrochen werden, die so unverhofft kommen, wie sie gehen, wurde gegen 13 Uhr eine Art "Traumhochzeit" mit Linda de Mol gesendet. Nur, dass die Linda durch einen alternden Playboy und eine Assistentin mit der Stimme einer Kreissäge ersetzt wurde.


Hauptaufgabe der Kreissäge war, die Brautpaare zu Beginn mit einem lauten "Irashaaaaaai" zu begrüßen und mit einem darauf folgenden, aber mindestens genauso anstrengenden "doooosoooo" zum Setzen aufzufordern. Anschließend brüllten (vermutlich wegen der schwerhörigen Großmutter zu Hause) die beiden Gäste (also das Brautpaar) jeweils ihre Namen und ihr Alter in die Tischmikros, so dass der Moderator vor Schreck (oder wegen dem Schalldruck) mitsamt seinem Sessel seitlich umfiel, was vom Publikum mit lautem Gejohle begleitet wurde
Nachdem sich Mr. Playboy wieder aufgerichtet hatte, ging seine erste Frage an die Braut. Vermutlich jene, die in dem Moment - aufgrund des (für japanische Verhältnisse übermäßig) üppig gefüllten Kleides - alle ((japanischen) männlichen) Zuschauer am meisten interessierte: Wie denn ihre Körbchengröße lautet...?! Ich glaube, spätestens jetzt wäre in Deutschland Alice Schwarzer ins Studio gestürmt und hätte den Moderator entzwei gerissen. Aber die Braut musste sich zusammenreisen und brachte mit einem gekonnten Lächeln ein "etch cappu" über die Lippen. Danach sollte der Bräutigam das Gewicht der Oberweite seiner Angetrauten durch Live-Handwiegen schätzen. Da kam ich ob des Niveaus der Sendung doch ein wenig ins Grübeln.
Anschließend folgten noch Fragen zum Ort des Kennenlernens (Internetcafé), wer den Anfang gemacht hat (er) und diverses mehr.
Zum Schluss wurde das Paar mit einer gemeinsamen Verbeugung und einem "arigatooo" der Kreissäge erstmal hinter die Bühne geschickt und das zweite Paar hereingebeten, damit sich dieses einer ähnlichen Prozedur unterziehen lassen konnte. Die oben stehende erste Frage kam diesmal aufgrund einer veränderten Situation nicht auf. Dafür musste der Bräutigam die Namen von Blumen erraten, die in einem überdimensionalen Gebinde auf dem Tisch in der Mitte der Runde standen. Zum Erstaunen des Moderators schlug er sich dabei auch recht gut.


Das letzte, was ich von der "Traumhochzeit" mitbekam, bevor ich mich wieder "Japanese For Busy People II" widmete, war, dass die Paare durch ein multimediales Memory-Spektakel Preise, wie Reisen, Notebooks oder Kaffeemaschinen, gewinnen konnten.

Mittwoch, 14. März 2007

Fehler im System

Heute ist mal wieder einer der Tage bei Merck, an denen mein Email-Postfach von einer Flut von Meldungen heimgesucht wird. Jedoch nicht, weil der Spam-Filter ausgefallen ist, oder sich jemand daran erinnert hat, dass ich ja auch noch da bin und ein wenig Unterhaltung benötigen könnte. Nein der Grund ist, dass in einem vor kurzem aktualisierten SAP-System ein Fehler entdeckt wurde. Das passiert zwar sehr selten, kommt aber halt vor. Dieser Fehler wurde heute morgen zunächst vom Finder an die IS-Gruppe (in der auch ich bin) gemeldet. Und damit gleich alle anderen Benutzer auch Bescheid wissen, bekamen die Mitglieder der Verteilergruppen "MJ-SAP-User-Japanese", "MJ-SAP-User-English" und "MS-SAP-User-Japanese" die selbe Mail. Ich weiß, dass ich in wenigstens zwei der Gruppen enthalten bin.
Das ist ja auch schön und gut, denn so weiß gleich jeder Bescheid. Allerdings blieb es nicht bei dieser einen Nachricht. Zunächst wurde dem Finder für das Finden des Problems gedankt und das schnellstmögliche Beheben desselbigen versprochen. Und dann startete der Mailverkehr zwischen den SAP-Entwicklern. Die Mails wurden mit fortschreitender Kommunikation immer länger und umfangreicher, enthielten auch oftmals rieeesige Anhänge in Form von Screenshots, Excelsheets oder anderem. Und IMMER mit im Boot sind die oben genannten Verteilergruppen.
Jetzt frage ich mich doch als praktisch veranlagter und in den letzten Jahren auch ein wenig betriebswirtschaftlich geprägter Mensch, was ich (und nicht nur ich bin betroffen) als Unbeteiligter oder als einfacher Benutzer des SAP-Systems mit den ganzen, für mich völlig uninteressanten, Meldungen anfangen soll. Nicht allein der Umstand, dass ich mich normalerweise über Mails freue und dann beim Öffnen des Postfachs wieder nur enttäuscht eine unnötige Mail in einen Archivordner verschieben muss, ärgert mich. Nein auch die Zeit die dabei verloren geht (aktuelle Arbeit unterbrechen – zu Lotus Notes wechseln – Mail öffnen – kurz überfliegen (bei mir kann es auch mal etwas länger dauern, ist schließlich immer alles Japanisch (deswegen ist auch die Aufnahme des Verteilers "MJ-SAP-User-English" ein wenig fragwürdig)) – erkennen, dass es wieder nichts Interessantes ist – Mail schließen – Mail in Archiv verschieben) ist nicht unerheblich. In meinem Fall ist das für Merck zwar kein großer Verlust, da ich nichts koste (außer ein bisschen Strom und Sauerstoff) und als Praktikant eh Zeit habe, aber die Zeit all der fleissigen Bürokräfte, die durch das Studium dieser Nachrichten von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden, wird unwiderbringlich und sinnlos verpulvert.
Nach meiner Auffasung reicht es doch, wenn die erste Mail (meinetwegen auch der Dank dafür) an die Verteiler geht, und dann am Ende des Tages eine Mail mit der Meldung "考え物をもつれ解きました" – "Problem gelöst".

Das spart viel unnötigen Aufwand und ich gerate auch nicht in die Situation, kaum dass ich mich von einer Enttäuschung (unnütze Informationen betreffend) erholt habe, wieder die nächste zu erleben.

Ich werde den Vorschlag mal schriftlich festhalten und in den "Büroalltagsverbesserungsvorschlagskasten" werfen... nachdem ich ihn gefunden habe.

[Update... (14:30 Uhr)]

(Ok, ich geb' zu ich bereite den Beitrag während meiner Arbeitszeit vor. Also live am Ort des Geschehens. So aktuell ist der Blog selten.)

Gerade kam wieder so eine Meldung an die SAP-Benutzer rein. Inhalt übersetzt und kurz zusammengefasst: "Wir bitten die Unannehmlichkeit des weiterhin bestehenden Problems zu entschuldigen. An der Behebung wird intensivst gearbeitet. Seien Sie uns auch weiterhin gewogen."

Man kann es mit der "Kundenfreundlichkeit" auch übertreiben. Selbst in Japan!

[Update... (15:25 Uhr)]

Ich konnte ein Muster ausmachen! Die im vorigen Update genannte Entschuldigungsmeldung wird im Abstand von etwa 50 bis 60 Minuten versendet.

[Update... (17:50 Uhr)]

Gerade habe ich erfahren, dass es keinen "Büroalltagsverbesserungsvorschlagskasten" gibt. Also gilt es für mich erstmal diesen Misstand zu beseitigen. Ich werde heute Abend schon mal meinen Berater-Werkzeugkasten aus der Ecke holen. Und beim nächsten geselligen Gemeinsam-viel-Essen-und-noch-mehr-Trinken-Abend des IS-Departments kommende Woche werde ich meinem Chef dann ein ausgefeiltes "Büroalltagsverbesserungsvorschlagskasten"-Konzept vorlegen.

Dienstag, 13. März 2007

Heuschnupfen

Vor einigen Tagen hatte ich im Eintrag "Ausriss zum Thema 'Gesundheit'" den Bericht über Gouverneur Shintaro Ishihara in diesen Blog eingestellt. Dieser hat sich das Angehen und Bekämpfen eines der größten Probleme der modernen (Anm.: Die Firefox-Rechtschreibkontrolle bietet mir hier "modernden" an ;-) ) Menschheit auf die Fahne geschrieben: Heuschnupfen. Wie ich es in dieser Art Eintrag auch weiterhin halten möchte, ließ ich den Artikel unkommentiert. Jedoch will ich aus gegebener Situation hier doch noch ein paar Worte zum Thema verlieren:

In Deutschland gibt es bereits eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen, die zur Zeit des Pollenflugs an Heuschnupfen leiden, allerdings bei weitem nicht so viele, als dass man in der Öffentlichkeit von einem der größten Probleme der Menschheit sprechen würde. Wie ich auf medizin.de lesen konnte, ist etwa jeder sechste bis siebte Deutsche betroffen.

Aber gegen die Verhältnisse hier in Japan ist das eine ziemlich geringe Zahl. Ein nicht unerheblicher Teil meiner japanischen Kollegen und Freunde kämpft seit Tagen mit schmerzenden Augen, Niesreiz und einer laufenden Nase. Auch in den Straßen sind ungezählte Menschen mit dem berühmten Mundschutz unterwegs, der schon während der Zeit von SARS (auch außerhalb Asiens) äußerst "populär" war und seinen Weg in die deutschen Medien fand. Während eines Monja-Essens (Tokyoter Spezialität; so ähnlich wie Okonomi-Yaki) am Sonntag, zusammen mit Megumi und Hirotaka, kam das Thema "Heuschnupfen" auch kurz zur Sprache. Wie ich erfuhr, leidet ein sehr viel größerer Teil der Bevölkerung Japans mehr oder weniger stark an Heuschnupfen, als das in Deutschland der Fall ist. Laut Experten sollen es über 25% sein. Ursache sind neben Gräsern (von denen es in Tokyo allerdings außerhalb der Parks nicht viele gibt) oftmals Bäume, wie Zedern und Zypressen, deren Pollen über Kilometer bis in die großen Städte hinein fliegen.

Was bin ich froh, dass ich damit keine Probleme hab. Muss ich meinen Eltern wohl wieder mal danken, dass sie mich – solange sie die Macht dazu hatten ;-) – immer raus in die Natur getrieben haben (findet man als (Stadt-)Kind ja nicht immer so toll). Da konnte ich mich von klein an an alles gewöhnen, was so durch die Luft geflogen kommt und klein genug ist, eingeatmet zu werden.

Samstag, 10. März 2007

Ressource oder nicht Ressource, das ist hier die Frage

Japan besitzt ein "ausgeklügeltes" System zum Trennen des Mülls, der in Haushalten so anfällt. Es wird nach Ressourcen (Glas, Blech, Pappe, Zeitungen), brennbarem Müll (u. a. Bioabfall, Holz, Papier) und nicht brennbarem Abfall (alles andere) unterschieden. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es (zumindest in Tokyo) auf der Straße jedoch keine (halb)öffentlichen Müllbehälter, in die man seinen Mülleimer bei Bedarf entleeren kann. Stattdessen muss der Abfall zunächst in Tüten oder Kisten in/vor den Wohnungen gesammelt werden. Um zu wissen, wann man den Müll loszuwerden kann, gibt es in jedem Stadtviertel die "Müllpläne". In diesen ist aufgeführt, welche Sorte Abfall an welchem Tag der Woche abgeholt wird. Kommt nun beispielsweise am Montag der Transporter zur Entsorgung des nicht brennbaren Mülls, dann muss man früh morgens seine sorgsam verschlossenen Mülltüten an vorgegebenen Stellen neben der Straße ablegen. Oftmals liegen dazu auch große Netze bereit, unter die man die Tüten platziert, damit sie bei starkem Wind nicht davonfliegen. Sehr wichtig ist jedoch, dass man an besagtem Tag auch wirklich nur den Müll rausstellt, der laut Plan abgeholt wird. Denn jeglicher anderer Abfall wird von der Entsorgungsfirma NICHT mitgenommen. Stattdessen klebt sie einen Zettel an den Müll, mit dem auf den Fehler aufmerksam gemacht wird. Kommt man am Abend dann von der Arbeit zurück und findet seine Tüte noch vor, dann muss man sie notgedrungen wieder mitnehmen und am richtigen Tag nochmal hinstellen.

Nun aber zum eigentlichen Grund, der mich bewog, an dieser Stelle über die Müllwirtschaft Japans zu referieren: In meinem Viertel wird am Samstag stets der Abfall abgeholt, den man als Ressourcen definiert, also Pappe, Zeitungen usw.. So auch vergangenes Wochenende. Deshalb lag vormittags an bekannter Stelle ein kleiner Haufen, bestehend aus ein paar Zeitungspacken und der Verpackung von irgendeinem Schrank. Was der Besitzer der Schrankverhüllung jedoch "vergaß" war die Tatsache, dass sich in der Pappe noch Styropor und anderes Füllmaterial befand, was natürlich KEINE Ressourcen sind. Also kam es, wie es kommen musste: das Styropor wurde mitsamt der umgebenden Pappe von der Müllabfuhr nicht mitgenommen. Stattdessen prangte ein Aufkleber mit einem lustigen Männchen drauf, den die Müllmänner da draufgepappt haben. Nur leider wohnt der Verursacher des "Problems" anscheinend nicht in meiner Straße oder ist auf Reisen, denn am Montagmorgen lag die Pappe immer noch da, wenn auch durch den Wind ein paar Meter verschoben. Dieser Umstand hatte mittlerweile den Unmut einiger engagierter Nachbarinnen auf sich gezogen. Da der "Besitzer" nicht freiwillig hervorkam, konnte nur noch einer helfen: Der freundliche Schutzmann vom Kōban (jap. 交番) um die Ecke.

Was ein Kōban ist, wissen zwar sicher die meisten eh schon, aber für diejenigen, die nur "Bahnhof" verstehen, hier eine Begriffserläuterung: Als Kōban bezeichnet man in Japan allgemein ein kleines Polizeihäuschen, in dem meist eine Handvoll Polizisten ihren Dienst tut. Davon (also von den Kōbans) gibt es in Tokyo alle paar Blocks einen. Die dort eingesetzten Beamten verbringen den Großteil der Zeit mit dem Schlichten kleinerer Streitigkeiten oder weisen einem Fremden, der sich verlaufen hat, den rechten Weg.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Als ich also früh das Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen, standen da zwei nette ältere Damen und ein Polizist mit seinem Rad und beguckten sich die Pappe mit dem Styropor, anderem Füllmaterial und dem lustigen Männchen drauf. Ein wenig ratlos sahen die drei zwar aus, aber der Polizist schrieb zumindest erstmal alles auf, was ihm die Damen so erzählten. Ich schlich mich lieber schnell vorbei, bevor der Polizist auf die Idee kommen konnte, mich bezüglich der Situation ins Kreuzverhör zu nehmen.

Japanische Beamte (nicht nur die Polizei) sind oft sehr konservativ eingestellt und begegnen uns Ausländern mit Unsicherheit oder Misstrauen. Es nützt dann wenig, sie überzeugen zu wollen, dass man weder ein gefährliches noch ein subversives Subjekt ist. Die Unsicherheit gegenüber Fremden sitzt tief. Oft kann nur das Fürsprechen eines (angesehenen) japanischen Bürgers helfen, dieses Misstrauen auszuräumen. Schließlich kann ein Fremder, für den ein Japaner Fürsprache einlegt, nicht sooo verdächtig sein. (Wer Erfahrensberichte aus erster Hand bekommen möchte, den vermittle ich gern an meinen thailändischen Kollegen Warapong. Der ist schon zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit auf der Straße kontrolliert worden.)

Aber wieder weiche ich vom Thema ab. Also nochmal kurz zurück zum Müll der Stadt. Nachdem ich erfolgreich einer peinlichen Befragung entkommen war und den Tag im Büro verbracht habe, kehrte ich am Abend zurück – und wahrlich, die Pappe war verschwunden. Ob die Polizei den Schuldigen ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen konnte, oder ob die Pappe durch den starken Wind der an dem Tag herrschte einfach weggewedelt und vom einsetzenden stürmischen Regen mehr oder weniger aufgelöst wurde, konnte ich aber leider nicht definitiv klären.

Sonntag, 4. März 2007

Ausriss...

... zum Thema "Stalking"


Prosecutors demanded that a 70-year-old woman on trial for stalking a 79-year-old man by bombarding him with love letters and visits be jailed for 10 months. According to police files, the suspect sent the man 206 love letters and cleaned his family grave 85 times.


Quelle: メトロポリス - Metropolis, Japan's N° 1 English Magazine; March 2, 2007 #675

Wenn der Wähler nicht zur Politik kommt...

... dann kommt die Politik eben zum Wähler.
So geschehen am heutigen sonnigen Sonntag. Gerade war ich dabei meinen Zwischenbericht für InWEnt fertigzustellen, als von draußen eine Megaphonstimme erklang. An und für sich ist das in Japan keine Besonderheit. Denn schließlich fahren fast täglich PKW oder kleine LKW mit teilweise riesigen Lautsprechern auf dem Dach durch die Viertel dieser Stadt, um mit sonorer Stimme ein umweltfreundliches Verhalten im Haushalt anzumahnen oder die Weisheiten einer mehr oder weniger wichtigen (politischen) Gruppe kundzutun.



Diesmal fuhr jedoch kein Auto durch die Gassen Meguros, sondern Frau Ishigawa, ihres Zeichens Lokalpolitikerin, gesellte sich persönlich in unser lustiges Viertel, um ihre politischen Ziele mitzuteilen. Vermutlich aufgrund einer nahenden Wahl berichtete sie unter anderem, wie sie sich um Familienförderung und eine Anhebung der Renten bemühe und das auch weiterhin zu tun gewillt sei.



Nun ist es an und für sich auch keine schlechte Sache, dass Politiker auf diese Weise Volksnähe beweisen. Jedoch kommt an der Stelle, an der sie sich da zusammen mit ihrem getreuen Begleiter positioniert hat, Sonntagmittag nur sehr selten jemand vorbei, der auch noch Zeit und Lust hat einer einsamen Politikerin, die noch nicht einmal Mitbringsel dabei hat, zuzuhören. Aber auch daran hat die kluge Aktivistin gedacht und zwei Pläne erdacht: (1) Megaphon voll aufdrehen, denn dann hört man sie auch noch hinter drei Ecken oder wenn die Musik in der Wohnung läuft und (2) Nachdem alles Wichtige erzählt wurde, einfach zwei Straßenecken weitergehen, sich dort von neuem platzieren und alles von vorn erzählen. Das ist auch gut für den Wähler der in der Nachbarschaft wohnt. Denn wenn er einen wichtigen Abschnitt beim ersten Mal nicht ganz mitbekommen hat, weil der Staubsauger lief oder eine Freundin angerufen hat, dann bekommt er die Gelegenheit, noch einmal lauschen zu können.

Ausriss...

... zum Thema "Gesundheit"


Kanagawa Prefecture asked residents to vote online for or against a total ban on smoking in public, prompting Japan Tobacco to ask all 200 of its employees in the prefecture to vote against. The resolution failed.

Tokyo Governor Shintaro Ishihara, seeking reelection, appeared on citywide posters with clenched fists and expressing determination to tackle one of the big concerns of 21st-century human existence: hay fever.


Quelle: メトロポリス - Metropolis, Japan's N° 1 English Magazine; March 2, 2007 #675

Indianer in Tokyo

Gestern Abend habe ich mich mal wieder sportlich betätigt. Zwar nicht wirklich körperlich, sondern eher mit den Augen, aber das mit voller Begeisterung. Im "Tokyo Ariaka Colosseum" verfolgte ich zusammen mit meinem Kollegen Warapong das Spiel zwischen den "Tokyo Apache" und den "Saitama Broncos". Wer? werden jetzt vermutlich die meisten fragen. Nun ich gebe zu, dass ich die Namen der beiden Mannschaften auch das erste Mal vor einer Woche gehört habe, als ich Sakura House meinen monatlichen Besuch abstattete, um meine Miete abzudrücken. Der Sakura-Mensch, der mich bediente, machte mich während eines kurzen Plausches auf das Spiel aufmerksam.
Da Basketball in Japan nicht gerade ein Volkssport ist (der Grund ist sicher jedem klar *hehe*), steht er auch nicht so sehr im Blickpunkt der (Welt-)Öffentlichkeit. Aber nach einigen Recherchen konnte ich herausfinden, dass beide Mannschaften gemeinsam mit sechs weiteren Teams in der "jbleague" spielen. Das ist die erste Liga des Basketball in Japan.
Im Rahmen des "International Day", der bereits zum zweiten Mal stattfindet, haben die "Tokyo Apache" für dieses Wochenende ein paar Freikarten springen lassen. Na ja, das war auch der eigentliche Grund, warum ich bei dem Spiel dabei war. Denn wenn es was gratis gibt (und ich nichts peinliches machen muss), bin ich immer dabei. Vor allem, da man hier in Tokyo oft unverschämte Preise für Partys oder Veranstaltungen zahlen muss. Allerdings glaube ich nicht, dass genug Werbung für das Event gemacht wurde. Denn sehr international schien mir das Publikum nicht zu sein. Es waren zwar auch ein paar Nicht-Japaner anwesend - vorwiegend Amerikaner und deren Familien (vermutlich aus dem nahen Marinestützpunkt in Yokohama) - aber deren Anzahl war verschwindend gering.



Nach dem der Auftritt der Heimmannschaft, der so richtig nach amerikanischem Vorbild mit viel Rauch und Lärm vonstatten ging, fing das Spiel aber gleich ziemlich einseitig an. Schon nach einer Minuten hingen die "Tokyo Apache" mit sieben Punkten zurück, was den Coach zu einer ernsten Unterredung mit den Spielern zwang und das Publikum bisher von größeren Begeisterungsstürmen abhielt. Jedoch auch danach hingen die Apachen meist punktemäßig hinterher, was vermutlich einer der Gründe war, warum das Publikum nicht sonderlich begeistert am Spiel teilnahm. Lediglich ein kleiner aber unerschütterlicher Fanblock versuchte die Mannschaft und das Restpublikum mit Anfeuerungsrufen etwas zu ermuntern.
Ab und an gab es dann auch lustige Szenen. Unter anderem, wenn mal wieder einer der kleineren japanischen Spieler einem der amerikanischen Riesen einfach sprichwörtlich zwischen den Beinen durchrannte.

So verlief das Spiel über fast drei Quarter recht geordnet, und der Rückstand der Apachen schwankte zwischen einem und zehn Punkten. Größere Fouls gab es eigentlich nicht, mit einer Ausnahme. An dieser waren der größte Spieler (Nichtjapaner) der "Saitama Broncos" und der kleinste japanische Spieler der "Tokyo Apache" beteiligt. Letzterer wollte mit dem Ball über das Feld davonhuschen, als sich der Bär, wie ich ihn ob seiner Größe und Statur genannt habe, von hinten auf ihn stürzt und festhält. Da hielt den Indianer natürlich nichts mehr auf den Füßen und er landete mit der Nase auf dem Parkett. Das Ende vom Lied war ein rumbrüllender Coach der "Tokyo Apache", ein Bär, der nach eigener Meinung nichts verbrochen hat und trotzdem vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurde, ein Gefallener der sich die Wunden leckte und zwei Punkte für die "Tokyo Apache".
Zum Schluss des dritten und vierten Quarters wurde es dann aber richtig spannend, da beide Teams sich nicht wirklich einigen konnten, wer jetzt gewinnt und wer verliert und dadurch manch anschauliche Aktion, Ball und Korb verbindend, zeigten. In den letzten zwei Minuten des Spiels brachten es die "Tokyo Apache" dann aber doch fertig sich ein paar Fouls zu leisten, so dass aus einem kleinen Zweipunkte-Rückstand durch Strafwürfe der "Broncos" ein nicht mehr einzuholender Rückstand von acht Punkten entstand.
Das Gute war aber, dass wir so einen vollauf begeisterten Maskenfreund (siehe Bild oben) durch die Halle rennen und sein Team feiern sehen konnten.

In den Pausen zwischen den Quartern wurde das Publikum von den Cheerleadern (heißen die im Basketball eigentlich so?) mit teils akrobatischen Tanzeinlagen unterhalten. Allerdings waren die Mädels für mein Dafürhalten alle zu jung. Keines älter als 14 oder 15 Jahre. Vermutlich war das aber Absicht, um die Spieler nicht zu sehr abzulenken...