代々木公園で見た

代々木公園で見た

Montag, 26. Februar 2007

Das Jüngste Gericht kann kommen

Ich bin gewappnet! Zumindest solange ich mich im Büro aufhalte.

Heute habe ich überraschend eine Merck-Katastrophen-Überlebensausrüstung bekommen. Was hat das zu bedeuten? Sehen die Weisen des Landes ein Unheil heraufziehen? Haben die Experten etwa ein großes Erdbeben, einen Meteoriteneinschlag, einen Überfall durch Godzilla oder Megaguiras, oder gar den Aufstand unzufriedener Angestellter vorausgesagt?

Auch wenn diese Gedanken etwas Angst in mir aufkommen lassen und ich den Platz unter meinem Schreibtisch im Büro vorsichtshalber schon mal von Unrat befreit habe, so bin ich nun doch guter Hoffnung, aufgrund des mir ausgehändigten Equipment zu den glücklichen Überlebenden gehören zu können. Die Ausrüstung enthält neben einem stabilen Schutzhelm zum Verhüten größerer (äußerer) Kopfschäden durch herumfliegende Steine, Notebooks, Stromkabel oder anderer harten Gegenstände, auch einen leuchtend orangenen Sack, prall gefüllt mit lauter leckeren Sachen. Als da u. a. wären drei Dosen Kekse, zwei Flachen Wasser und irgendwas, das nach getrocknetem Fisch aussieht. Auch eine Schutzplane – oder isses ein aufblasbares Rettungsboot – darf nicht fehlen. Jetzt muss ich die Sachen nur noch gut verstauen. Nicht, dass ich im Falle eines mich überkommenden Gefühls von Heisshunger, weil ich mal wieder kein Frühstück zu mir genommen habe, einfach anfange die Notration zu verspachteln. Eine zweite Ration ist bestimmt nicht für mich vorgesehen! Und ob die Kollegen im Katastrophenfall ihre leckeren Trocken-Kekse mit mir teilen würden?

Freitag, 23. Februar 2007

Gedanken der Langeweile

Am heutigen Tag litt ich im Büro unter latenter Beschäftigungslosigkeit. Und was macht ein menschliches Hirn, wenn es nicht ausgelastet ist? Es schweift ab und beschäftigt sich mit allen möglichen und unmöglichen (irr)sinnigen Ideen.
Als mein Hirn heute in diese Situation geriet, begann es sich Gedanken über die japanische Autofahrer-Gesellschaft zu machen. Mein ansonsten wehrloser Körper, im besonderen die Finger, wurden über den Nachmittag hinweg immer wieder gezwungen, schriftlich festzuhalten, was da oben im Kopf so sprudelte.
Die folgenden Zeilen geben die Ergebnisse wieder.

3...
2...
1...
(... nein nicht meins...)

Trotz der Vielzahl an kulturellen Eigenheiten, die die japanische Gesellschaft von der deutschen unterscheidet, finde ich doch immer wieder auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Völkern. So fällt unter anderem jeden Tag die Liebe des japanischen (Tokyoter) Mannes zu seinem Auto auf.

Genau wie in Deutschland, gelten auch hierzulande Auto bei vielen als Statussymbole. Neben den heimischen Marken, wie Daihatsu, Honda, Isuzu, Lexus, Mazda, Mitsubishi, Mitsuoka, Nissan Subaru, Suzuki und Toyota sind insbesondere deutsche Automobile sehr beliebt. Mercedes und BMW sind dabei die am häufigsten anzutreffenden Hersteller, mit etwas Abstand gefolgt von Porsche, Audi und einigen Volkswagen-Modellen. Autos - oder was man dafür halten mag - aus Frankreich (Citroen, Renault, …), Spanien (Seat) und anderen europäischen Ländern sieht man dagegen kaum.

Während in Deutschland jedoch meist unveränderte Serienfahrzeuge im Einsatz sind, die wegen der Unterhaltskosten (Versicherung, Steuern, Treibstoff) auch noch (für ihre Klasse) relativ verbrauchsarm und umweltschonend sein sollten, legt der gemeine japanische Autobesitzer insbesondere bei ausländischen Modellen viel Wert auf einen großen Motor und nach Möglichkeit einen bekannten Tuner. An den Modellen von Mercedes prangen fast durchweg die Schriftzüge "Brabus", "Carlsson" oder "AMG" und die Hubräume bewegen sich zwischen 2,6 und 6,0 Litern, wobei der Trend unbestritten zu den höheren Volumina geht. Bei BMW (Alpina, M), Audi (RS, S, Abt) und Volkswagen (GTI, W8, W12) sieht es ähnlich aus. Und trotz mangelnder Offroad-Strecken fahren ungezählte SUV und Geländewagen durch Tokyo: Mercedes G- und M-Klasse, Porsche Cayenne, Audi Q7, VW Touareg, Toyota Landcruiser, Hummer, ...




Und da heißt es immer Stellflächen für Autos in Tokyo seien rar und teuer (ein Parkplatz oder eine Garage kann in Tokyo schnell den Preis einer kleinen Eigentumswohnung in Deutschland erreichen). Und in der Stadt findet man eh keinen Parkplatz - schon gar nicht für Fahrzeuge über 4,50 m Länge. Aber die Tokyoter haben dafür eine einfache Lösung: Wenn sie irgendwo halten wollen, um beispielsweise in ein Restaurant einzukehren, dann wird einfach der Warnblinker angeschaltet und an die linke Seite der Fahrbahn gefahren. In der Nacht wird zusätzlich auch das Licht angelassen; nicht, dass einem noch einer in die Karosse fährt.

Auch der Pflege der metallenen Schützlinge wird überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Fahrzeuge in Tokyo blitzen und blinken meist vor Sauberkeit (oder um es mit den Worten von Henry Fonda aus dem Film „My Name Is Nobody“ mit Terence Hill zu sagen: "Du blitzt und blinkst wie eine Bordelltür").



Zum einen mag das sicher daran liegen, dass es in diesem Jahr in Tokyo keinen Schnee und damit auch keinen Matsch auf den Strassen gab. Zum anderen achten aber Fahrer und Besitzer meiner Überzeugung nach sehr auf einen gepflegten Auftritt der Vehikel. In meiner Nachbarschaft wohnt irgend ein wichtiger Manager einer scheinbar nicht zu armen Firma. Er wird täglich mit einer Limousine abgeholt. Die Zeit, die der Fahrer morgens auf seinen Fahrgast wartet, verbringt er stets mit der gleichen Beschäftigung: Abwischen und Wienern der Karosse.
Den Vogel abgeschossen hat letztens jedoch der Besitzer eines modernen japanischen Kleinbusses. Mit einem überdimensionalen Staubwedel bewaffnet, der mindestens so lang war, wie der Benutzer groß, wuselte letzterer um den Wagen, um den Lack vom nächtlichen Staubbefall zu befreien.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Ausriss...

... zum Thema "Kuriosität Lebensmittel"


A beer made with milk - called Bilk - went on sale in Hokkaido. One potential benefit is that it'll get rid of some of the prefectures's surplus milk supply.

It was alleged that producers of the scandal-tainted natto program on Kansai TV, which last month inaccurately claimed the food could help with weight loss, mistranslated the Japanese subtitles of an overseas interview to make it sound like natto could also help reverse the affects of aging. They apparently did similar tricks to say miso soup and lemon could make you thinner, red beans make you more clever, and wasabi makes you look younger.


Quelle: メトロポリス - Metropolis, Japan's N° 1 English Magazine; February 16, 2007 #673

Dienstag, 13. Februar 2007

Den Kindern ein Vorbild

Hier noch eine kurze zum Grübeln gebende Begebenheit auf meinem heutigen Weg vom Büro nach Hause:

Auf meinem langen Heimweg von immensen 800 m muss ich täglich diverse kleinere Ampelkreuzungen überqueren. Eine davon regelt den Verkehr zwischen der Hauptstraße und einer kleinen einmündenden Einbahnstraße. Nun begab es sich heute, dass für Fußgänger, die die Einbahnstraße überqueren wollten, die Ampel Rot zeigte. Zunächst blieben wir auch alle brav stehen, da ein paar Autos in die Hauptverkehrsstraße einbiegen wollten. Aber wenige Augenblicke später, als kein Auto mehr in Sicht war, stürmten alle wartenden Erwachsenen los. Kurz nachdem ich auf der anderen Straßenseite ankam (also nach gut vier Schritten) lief ich an einem kleinen Mädchen vorbei, welches auf dem Gehweg stand und ganz erschrocken zur noch immer roten Ampel starrte und ihrer Mutter (oder zumindest der Frau), die gerade dabei war die Straße zu überqueren, dieses Fehlverhalten durch eine Warnung hinterher rief. Aber schon im nächsten Moment schaltete die Ampel auf Grün (oder Blau - ach einigen wir uns auf Türkis) um. Das Mädchen warf mir noch einen total verwirrten Blick zu, dann war ich auch schon an ihr vorbei und im Dunkel der Nacht verschwunden.

Auf meinem weiteren Weg dachte ich mir dann: Wir sind doch alle echt tolle Vorbilder für die Kinder. Irgendwann, wenn es noch etwas älter ist, rennt das Mädchen auch bei Rot über die Ampel. Dann fährt es eines Tages nach Yokohama, begeht wieder dieses Fehlverhalten und wird von einem Polizisten dabei erwischt. Aus vertraulichen Kreisen habe ich erfahren, dass es vorkommen soll, dass solche Rot-Sünder in Yokohama dann zur Strafe für eine halbe Stunde an die Ampel gestellt werden und ein Schild hochhalten müssen, mit der Aufschrift "Ich habe bei Rot die Straße überquert". Ob es dann sein Fehlverhalten versteht???

Mr. & Ms. Clean

Wer beim Lesen des Titels dieses Posts sofort an eine mögliche Fortsetzung des Films "Mr. & Mrs. Smith" mit Brad Pitt und Angelina Jolie denkt, oder gar an einen Schönheitswettbewerb in einer Reinigungsfirma, liegt leider ganz und gar daneben.
Nein, mit diesem Titel ist ein Wettbewerb überschrieben, der bei Merck Ltd. Japan im Rahmen der "Mitarbeitererziehung" alljährlich stattfindet. Mit dem Titel "Mr. Clean", "Ms. Clean" oder auch "Group Clean" werden Mitarbeiter oder Arbeitsgruppen ausgezeichnet, die sich kontinuierlich für ein angenehmes Arbeitsumfeld oder eine saubere und gesunde Arbeitsweise engagieren.
Heute morgen wurden in einem Rundschreiben die Preisträger des Jahres 2006 aus jedem Standort in Japan bekanntgegeben:

M. K. aus dem Headquarter in Tokyo wurde ausgezeichnet, da ihr Arbeitsplatz im Rahmen der Inspektionen im Anschluss an die regelmäßig stattfindenden "Office Clean-up Days" stets mit den besten Noten versehen wurde.
A. N. aus Osaka wurde für ihren steten Beitrag für ein sauberes Büro zur Ms. Clean ernannt. Sie ist kontinuierlich bemüht, für eine Verschönerung des Arbeitsumfelds zu sorgen.
Für sein unermüdliches Bestreben, nach einem sauberen und geordneten Büroumfeld wurde Y. O. aus dem Kreise der Mitarbeiter der Produktionsanlage in Atsugi zum Mr. Clean gekürt. Er trägt vorbildhaft zu einer Verbesserung des Arbeitsumfeldes in einem sauberen Büro bei.
Mit dem Titel "Group Clean" dürfen sich gleich zwei Gruppen aus Onahama schmücken. Für ihre Vorbildfunktionen in Sachen sicheres und gesundheitsbewusstes Arbeiten bekamen die Mitglieder der Gruppen "Onahama Production" und "Onahama TC / A&T" diesen Titel zugeschrieben.
Der letzte im Bunde der Preisträger ist S. K. aus Onahama. Er dient als Vorbild für andere Mitarbeiter bei der Umsetzung der Anforderungen des "5S-Prinzips" im Büro. Außerdem trägt er aktiv zur Umsetzung einer sauberen und hygienischen Arbeit bei.

Anmerkung: Beim 5S-Prinzip handelt es sich um eine Art Qualitätssicherung in Sachen Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz. "Erfunden" wurde das natürlich in Japan. Unter diesem Link können sich Interessierte näher informieren.

Ich denke, dass man einen solchen Wettbewerb auch in deutschen Büros einführen sollte. Dann hat es endlich ein Ende mit Kaffeetassen, die tagelang auf dem Schreibtisch stehen und als Grab für Fliegen dienen, die im klebrigen Rest aus Kaffee und Zucker hängenbleiben. Auch der leckere Anblick halbleerer Teller mit den Pizzaresten vom letzten Freitag bliebe uns erspart.
Liebe Manager, denkt mal drüber nach.

Und da ich sicher weiß, dass dieser Blog auch von einer Menge Beratern gelesen wird: Versucht doch mal das 5S-Prinzip als Beratungsangebot in euer Portfolio einzubauen. *Unter vorgehaltener Hand* - Unter dem obenstehenden Link ist auch eine mehr oder weniger fertige Präsentation zu finden. Also fix auf zu Banken, Versicherungen, öffentlichen Institutionen und wer sonst noch so in Frage kommt. Und zum Üben - weil man muss ja bei den potentiellen Kunden glaubwürdig rüberkommen - gleich in den Büros in Hamburg, München, Frankfurt usw. damit anfangen.

Achso - und falls jemand fragen will: Außer dem Titel "Mr. / Ms. / Group Clean", mit dem sich die Ausgezeichneten schmücken dürfen, gab es auch (nicht zu kleine) Geldprämien zu gewinnen.

Donnerstag, 8. Februar 2007

Ausriss...

... zum Thema "Schule in Japan"


SERIOUS BUSINESS
The government decided that schoolchildren aren't working hard enough, which is why academic standards are slipping compared to China and South Korea. It drew up plans to add up to 100 hours of new classes a year to the curriculum.

PEST CONTROL
It was reported that Shiga Prefecture attracts perverts from all over the country trying to take photographs of schoolgirls, whose skirts are said in such circles to be the shortest in Japan.


Quelle: メトロポリス - Metropolis, Japan's N° 1 English Magazine; February 2, 2007 #671

Der schwebende Tisch

Wie ich im letzten Post vom 1. Februar abschließend bemerkt hatte, ist mein derzeitiger Schreibtisch im Büro bei Merck nicht unbedingt für Menschen über 1,75 m Größe gemacht worden.
Meine Suche nach einer Kurbel zum Verstellen der Höhe verlief letzten Freitag jedoch leider erfolglos und auch eine andere Technik zum Verstellen der Höhe der Tischplatte ließ sich nicht ausfindig machen. Da meine Abteilung Mitte des Monats in eine andere Ecke des riesigen Büros umzieht, hab ich mir dann aber nicht erst die Mühe gemacht nach einem anderen Tisch zu fragen. Um jedoch trotzdem bequem sitzen zu können, konnte ich mir einzig und allein dadurch Beinfreiheit verschaffen, dass ich Schubkästen, die unter der Tischplatte angebracht waren, herausgenommen habe.
Auf diese Weise konnte ich die Arbeitstage - zumindest was das Sitzen anging - recht angenehm verbringen.

Heute Nachmittag nun begab es sich, dass ich zusammen mit meinem Boss einen Termin für ein externes Meeting bei Merck Serono hatte. Dies wurde übrigens auf Japanisch gehalten. Es hat mich extrem geschlaucht dabeizubleiben und etwas zu verstehen. Verstanden hab ich trotzdem höchstens zehn Prozent. Und Zusammenhänge schon (fast) gar nicht. Am Anschluss an das Treffen hat mir mein Chef auf dem Weg zurück ins Büro das Wichtigste kurz zusammengefasst.

Aber zurück zum Thema "Tisch".
Mittlerweile glaube ich fest daran, dass unter den anderen Mitgliedern meiner Gruppe der Umstand, dass der Tisch für mich ggf. etwas zu niedrig ist, nicht ganz unbemerkt blieb. Ich vermute es lag an den Schubfächern, die ich einfach an die Wand gestellt habe. Als ich jedenfalls am frühen Abend ins Büro zurückkehrte, strahlten mich die beiden Kolleginnen Akiko und Aiko, die mir direkt gegenübersitzen, freudestrahlend an und im Rücken spürte ich auch einige Blicke der anderen. Ich war ein wenig verwirrt und wusste dieses Strahlen erst nicht zu deuten. Nicht, dass jetzt jemand denkt, wir sitzen uns sonst mit grimmigen oder ausdruckslosen Gesichtern gegenüber, aber das Lächeln in diesem Moment war doch anders.
Ich schaute die beiden fragend an, bis sie schließlich auf meinen Tisch deuteten. Ich sah ihn mir etwas genauer an - und wirklich - etwas war anders. Die Tischplatte befand sich etwa sieben Zentimeter über dem Niveau der anderen Tische und auch die Schieber waren wieder da, wo sie hingehörten - unter der Tischplatte.
Nachdem ich mich noch total verdutzt für das Verstellen der Tischhöhe bedankt hatte und auch ein paar bewundernde Worte fand, setzte ich mich erstmal hin und ging weiter meiner Arbeit nach. Nach dem Wie und Warum konnte ich in dem Moment gar nicht fragen. Werde es morgen mal nachholen.
Als ich dann so vor mich hinarbeitete, dachte ich mir, dass es also doch einen geheimen Mechanismus zum Verstellen des Tisches geben musste, den ich vergangene Woche nur nicht gefunden hatte.
Als ich jedoch Feierabend machen wollte und meinen Platz räumte, um nach Hause zu gehen, fiel mein Blick auf die Füße des Tisches. Und da stach mir des Rätsels Lösung in die Augen: Kein versteckter Mechanismus führte zum Anheben des "Arbeitsniveaus", sondern in einer gemeinsamen Aktion haben die Kollegen einfach vier Holzklötzer genommen und unter den Tisch gestellt...

Donnerstag, 1. Februar 2007

123 Tage Abstinenz haben eine Ende

Genau so lange ist es her, dass ich zum letzten Mal in einem Büro gesessen und gearbeitet habe. Sicher beneidet mich jetzt so mancher, ob soviel Urlaub am Stück.
Auch wenn mich mein heute erhaltener temporärer Ausweis noch als Gast auszeichnet, sagen mein unterschriebener Vertrag und meine Visitenkarten doch etwas anderes aus: Ich bin seit heute offiziell "Angestellter" bei Merck Ltd. Japan; allerdings ohne Dienstwagen, Sekretärin - und... Gehalt.

Der Tag verlief relativ entspannt. Am frühen Morgen um 09:00 Uhr betrat ich die Etage des Arco Tower in Meguro, in der Merck seinen Sitz hat. Zunächst führte mein Weg zu den Damen von der Human Resources Abteilung, von denen ich meinen Vertrag, die übliche Verpflichtungserklärung und meine Visitenkarten erhielt. Anschließend wurde ich dem Präsidenten und Vizepräsidenten von Merck Ltd. Japan vorgestellt. Dabei konnte ich gleich als erstes die Achtung - oder vielleicht schon Angst - bemerken, die Japaner, insbesondere Frauen, Mitarbeitern der Firma entgegenbringen, die weit höher in der Hierarchie stehen, als sie selbst. Die junge Dame vom HR, die mich vorstellte, traute sich zunächst kaum in die Büros rein. Immer ganz langsam und schüchtern näherte sie sich Schritt für Schritt der Tür, stets darauf bedacht, nicht einfach ein wichtiges Telefonat zu stören.

Nach einer Vorstellungsrunde in den einzelnen Abteilungen führte mich ein Kollege aus meiner Gruppe in die Hierarchiestruktur der "Administration Division" ein, zu der auch ich gehöre. Außerdem erläuterte er mir detailliert den Lageplan des Büros und legte dabei besonderen Wert auf die Lage der Toiletten, Getränkeautomaten und Aufzüge.

Weiter ging es dann zur Einweisung in mein Arbeitsgerät, dem Notebook. Der erste Schreck: Windows? Japanisch! Word und Excel? Japanisch! E-Mail? Japanisch! Die Reihe könnte ich noch lange weiter fortsetzen. Ich werde wohl mein eigenes Notebook mit ins Büro nehmen, um immer eine Vergleichsmöglichkeit der Menüs und Buttons zu haben. Derzeit hangele ich mich sehr schüchtern durch die Anwendungen, immer froh, wenn mal irgendwo in den Menüs Katakana stehen, die auf eine englische Bezeichnung hinweisen. Nicht dass ich irgendwann mal in einem Fenster die Schaltfläche はい (hai), also "OK" drücke und dann wichtige Daten oder Einstellungen gelöscht werden.
Und auch die Tastatur hat ein japanisches Layout. Keine Taste da, wo sie sein sollte. Ich hab bestimmt den halben Tag gebraucht, bis ich die Taste für "_" gefunden habe. Und die Space-Taste ist nicht viel breiter, als die Tabulator-Taste. Dafür hat sie links und rechts je eine Taste zum Umstellen der Eingabemodi. Weil ich gern rechts auf die Space-Taste haue, hab ich mir andauernd den Eingabemodus von Romaji (also Lateinschrift) auf Hiragana oder Katakana umgestellt. Das ist echt unpraktisch und nervig, wenn man grad ne englische oder deutsche Mail schreiben will.
Aber bis zum Abend hatte ich mich halbwegs mit dem Rechner angefreundet, auch wenn ich manchmal noch suchen muss, um bestimmte Zeichen auf der Tastatur zu finden. Mit blind schreiben ist da erstmal nichts mehr.

Da ich für heute noch keinen echten Arbeitsauftrag hatte und mein Chef auch nicht da war, hab ich mich nach der ersten Aufregung den Rest des Tages überwiegend mit dem Lernen und Zuordnen der Namen der Kollegen meiner Gruppe und der Einarbeitung in meine Tätigkeit der nächsten Monate - der SAP-Entwicklung - beschäftigt.
Außerdem auf meinem Programm stand das Beobachten der Kollegen. Dabei fielen mir insbesondere vier Sachen auf:
(1) Wenn jemand niest, dann sagt niemand "Gesundheit" oder so.
(2) Ein Telefon klingelt nie mehr als zweimal.
(3) Ein Telefonat kann zu einem wahren Schwall von はい (hai) Ausrufen ausarten. Eine Kollegin, die mir gegenübersitzt hat das echt super drauf. Keine Ahnung, worum es in dem Gespräch ging, aber wie ein Maschinengewehr mit kurzen Aussetzern brachte sie ein はい nach dem anderen heraus. Ich konnte mir ein Grinsen echt nicht verkneifen.
(4) Wenn im Büro Mittag gegessen wird (z. B. Nudelsuppe), dann aber auch bitte so, dass es selbst der Kollege am anderen Ende des langen Tisches hört.

Und noch ein Wort zum Thema "Büro". Es ist zwar schon als Gerücht in Deutschland bekannt, aber ich möchte es nochmal bestätigen. Es gibt im Großen und Ganzen einen riesigen Raum, in dem mit Pappwänden oder Schränken die einzelnen Abteilungen voneinander getrennt sind. Alle Mitarbeiter einer Gruppe sitzen an langen Schreibtischen nebeneinander und gegenüber. Nur der Gruppen-/Abteilungschef hat evtl. einen etwas einzeln stehenden Tisch.
Und Einzelbüros gibt es genau drei: Für den Präsidenten, den Vizepräsidenten und den Division-Manager.

Um 18:30 Uhr hab ich schließlich das Büro verlassen, um mir noch eine große Feierabend-Ramen zu gönnen.

Für morgen hab ich mir vorgenommen eine Kurbel an meinem Tisch zu finden, die mir erlaubt selbigen etwas höher zu stellen. Entweder bin ich zu groß oder der Tisch ist zu niedrig. Auf jeden Fall kann ich nicht einmal meine Beine gerade hinstellen, ohne den Tisch anzuheben. Und auf der untersten Stufe des Stuhls zu sitzen ist auch nicht gerade angenehm für einen mittelgroßen Europäer.