Am heutigen Tag litt ich im Büro unter latenter Beschäftigungslosigkeit. Und was macht ein menschliches Hirn, wenn es nicht ausgelastet ist? Es schweift ab und beschäftigt sich mit allen möglichen und unmöglichen (irr)sinnigen Ideen.
Als mein Hirn heute in diese Situation geriet, begann es sich Gedanken über die japanische Autofahrer-Gesellschaft zu machen. Mein ansonsten wehrloser Körper, im besonderen die Finger, wurden über den Nachmittag hinweg immer wieder gezwungen, schriftlich festzuhalten, was da oben im Kopf so sprudelte.
Die folgenden Zeilen geben die Ergebnisse wieder.
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(... nein nicht meins...)
Trotz der Vielzahl an kulturellen Eigenheiten, die die japanische Gesellschaft von der deutschen unterscheidet, finde ich doch immer wieder auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Völkern. So fällt unter anderem jeden Tag die Liebe des japanischen (Tokyoter) Mannes zu seinem Auto auf.
Genau wie in Deutschland, gelten auch hierzulande Auto bei vielen als Statussymbole. Neben den heimischen Marken, wie Daihatsu, Honda, Isuzu, Lexus, Mazda, Mitsubishi, Mitsuoka, Nissan Subaru, Suzuki und Toyota sind insbesondere deutsche Automobile sehr beliebt. Mercedes und BMW sind dabei die am häufigsten anzutreffenden Hersteller, mit etwas Abstand gefolgt von Porsche, Audi und einigen Volkswagen-Modellen. Autos - oder was man dafür halten mag - aus Frankreich (Citroen, Renault, …), Spanien (Seat) und anderen europäischen Ländern sieht man dagegen kaum.
Während in Deutschland jedoch meist unveränderte Serienfahrzeuge im Einsatz sind, die wegen der Unterhaltskosten (Versicherung, Steuern, Treibstoff) auch noch (für ihre Klasse) relativ verbrauchsarm und umweltschonend sein sollten, legt der gemeine japanische Autobesitzer insbesondere bei ausländischen Modellen viel Wert auf einen großen Motor und nach Möglichkeit einen bekannten Tuner. An den Modellen von Mercedes prangen fast durchweg die Schriftzüge "Brabus", "Carlsson" oder "AMG" und die Hubräume bewegen sich zwischen 2,6 und 6,0 Litern, wobei der Trend unbestritten zu den höheren Volumina geht. Bei BMW (Alpina, M), Audi (RS, S, Abt) und Volkswagen (GTI, W8, W12) sieht es ähnlich aus. Und trotz mangelnder Offroad-Strecken fahren ungezählte SUV und Geländewagen durch Tokyo: Mercedes G- und M-Klasse, Porsche Cayenne, Audi Q7, VW Touareg, Toyota Landcruiser, Hummer, ...


Und da heißt es immer Stellflächen für Autos in Tokyo seien rar und teuer (ein Parkplatz oder eine Garage kann in Tokyo schnell den Preis einer kleinen Eigentumswohnung in Deutschland erreichen). Und in der Stadt findet man eh keinen Parkplatz - schon gar nicht für Fahrzeuge über 4,50 m Länge. Aber die Tokyoter haben dafür eine einfache Lösung: Wenn sie irgendwo halten wollen, um beispielsweise in ein Restaurant einzukehren, dann wird einfach der Warnblinker angeschaltet und an die linke Seite der Fahrbahn gefahren. In der Nacht wird zusätzlich auch das Licht angelassen; nicht, dass einem noch einer in die Karosse fährt.
Auch der Pflege der metallenen Schützlinge wird überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Fahrzeuge in Tokyo blitzen und blinken meist vor Sauberkeit (oder um es mit den Worten von Henry Fonda aus dem Film „My Name Is Nobody“ mit Terence Hill zu sagen: "Du blitzt und blinkst wie eine Bordelltür").

Zum einen mag das sicher daran liegen, dass es in diesem Jahr in Tokyo keinen Schnee und damit auch keinen Matsch auf den Strassen gab. Zum anderen achten aber Fahrer und Besitzer meiner Überzeugung nach sehr auf einen gepflegten Auftritt der Vehikel. In meiner Nachbarschaft wohnt irgend ein wichtiger Manager einer scheinbar nicht zu armen Firma. Er wird täglich mit einer Limousine abgeholt. Die Zeit, die der Fahrer morgens auf seinen Fahrgast wartet, verbringt er stets mit der gleichen Beschäftigung: Abwischen und Wienern der Karosse.
Den Vogel abgeschossen hat letztens jedoch der Besitzer eines modernen japanischen Kleinbusses. Mit einem überdimensionalen Staubwedel bewaffnet, der mindestens so lang war, wie der Benutzer groß, wuselte letzterer um den Wagen, um den Lack vom nächtlichen Staubbefall zu befreien.