代々木公園で見た

代々木公園で見た

Montag, 7. Mai 2007

Und Langnasen beißen doch!

Nun ist sie schon wieder vorbei, die Golden Week in Japan. Bei dieser besonderen Woche im japanischen Kalender handelt es sich um einen Zeitraum, in dem (zumindest dieses Jahr) innerhalb einer Arbeitswoche gleich vier Feiertage liegen:
  • Am 29.04. ist der "Showa-Tag" zum Gedenken an Kaiser Hirohito (da das dieses Jahr ein Sonntag war, war der Montag frei)
  • Der 03.05. ist der "Verfassungsgedenktag"
  • Den "Tag der Umwelt" feiert man am 04.05.
  • Und der 05.05. ist der "Tag des Kindes"
Ganz Japan ist in dieser Woche unterwegs; entweder um zur Familie zu fahren oder mal ausgiebig (mehr als fünf Tage) Urlaub zu machen.

Auch ich hatte die Möglichkeit wahrgenommen, mal aus Tokyo rauszukommen und etwas anderes zu sehen. Mein Weg führte mich nach Kyoto, der alten Hauptstadt Japans.
Zu nachtschlafener Zeit startete mein Zug Donnerstagmorgen um 06:30 Uhr in Tokyo. Und ich muss sagen, ich liebe die japanischen Shinkansen. Die Züge sind sowas von bequem. Und Beinfreiheit ohne Ende. Sogar ich als Riese im Land von Zwergen konnte meine Beine lang ausstrecken und es mir im bequemen Sessel so richtig gemütlich machen. Für mich lustig (wenn auch mittlerweile nicht ganz unerwartet) anzusehen war auch das Verhalten der Zugbegleiter. Bevor sie einen Wagen betreten, verbeugen sie sich zuerst. Und bevor sie den Wagen auf der anderen Seite wieder verlassen, drehen sie sich nochmal um, um eine erneute Verbeugung auszuführen. Angenehm, dass die Schaffner auch nicht nerven, wenn sie ihren Stempel auf die Fahrkarte drücken wollen und der Fahrgast gerade schläft (oder so tut). Während deutsche Bahnbeamte solange Querelen machen, bis man entnervt die Augen öffnet, wird man hier in Japan in Ruhe gelassen.

In Kyoto traf ich mich mit Toshi-san, einem netten älteren Herrn, der zusammen mit seinem 99,5-jährigen Vater in der Nähe von Kyoto lebt. Toshi-san habe ich über einen Volunteer-Service kennengelernt und er war für zwei Tage mein Stadtführer. Bei herrlichstem Frühsommer-Wetter zogen wir am Donnerstag und Freitag durch die Stadt. Mit wirklich viel und interessantem Hintergrundwissen konnte er mir die Geschichten diverser Tempel, Paläste und Villen näherbringen. Auch wenn ich zugeben muss, das meiste schon wieder vergessen zu haben. Aber wer kann sich schon merken, welcher Gründer welcher buddhistischen Sekte wann welchen Tempel erbaut hat, nachdem die Sekte von wem auch immer aufgrund von "Monopolbildungen" aufgespalten wurde.

Auf unseren Streifzügen bewegten wir uns meist etwas abseits der breitgetretenen Touristenpfade. Einer der Gründe, weshalb ich mich zeitweise wie der einzige Gaijin in der 1,5 Mio-Metropole vorkam. Es können schon seltsame Gefühle in einem aufkommen, wenn man bei der Besichtigung einer alten herrschaftlichen Villa oder eines Tempels in einer Gruppe von 30 bis 50 Touristen die einzige Langnase ist. Für manchen der Besucher war ich dann interessanter, als die eigentlichen geschichtlich interessanten Bauten und Objekte.
Nur einmal wurde mir die Show gestohlen. Auf einem meiner abendlichen Wege zurück ins Hotel wartete ich zusammen mit einigen Japanern an einer Ampel. Ein junges Pärchen, beide eher von kleinerer Statur, betrachtete mich ob meiner Größe "erfurchtsvoll" von unten herauf. Später liefen wir drei (und einige andere) den selben Weg entlang, als uns ein anderer Ausländer entgegenkam, der mich mit gut 2m weit überragte. Da gab es hinter mir aber ein großes Aah und Ooh...

Während der Zeit mit Toshi-san mutierte ich zeitweise zum echten Fotomodel. Zwar ohne die Fähigkeit toll posieren zu können und auch ohne den notwendigen Körperbau, um zur Topliga zu gehören; aber was die Anzahl der Ablichtungen angeht, kann ich es sicher mit dem einen oder anderen aufnehmen. An allen möglichen Plätzen meinte Toshi-san "Stell Dich mal dort hin", "Sitz mal hier" oder "Warte mal da drüben". Jetzt bin ich gespannt, wie ich mich so gemacht habe, wenn er mir demnächst die Bilder schickt...

Als ich mich Samstag schließlich allein umhertrieb, musste ich im kaiserlichen Palast die Erfahrung machen, dass sich einige der hiesigen Inselbewohner trotz der Öffnung des Landes vor gut 150 Jahren noch immer vor Menschen mit langer Nase und unglaublicher Körpergröße fürchten. Da Toshi-san als Schreinträger in seiner Heimatstadt unabkömmlich war, musste ich mich nach anderen Möglichkeiten umsehen, um mich auch einmal auf ein Bild bannen zu lassen. Also guckte ich mir in meiner riesigen japanischen Begleitergruppe einen vertrauenswürdig wirkenden Mitmenschen heraus, um ihn zu fragen, ob er mich mal vor einem der Gebäude ablichten könnte. Keine Ahnung, ob ich mich so missverständlich ausdrückte oder er echt Angst vor mir hatte. Jedenfalls rannte er zuerst zu seiner Familie (kleiner Sohn, zwei Töchter und Ehefrau), um sich mit denen zu beraten. Hatte er mich so verstanden, dass ich mit ihm (oder einem anderen Japaner) zusammen auf ein Foto will?! Denn er fragte irgendwas seine Töchter und seine Frau, die mit angstgeweiteten(?) Augen ein verneinendes Kopfschütteln erkennen ließen. Schließlich kam er wieder zu mir zurück, um selbst die Tat zu vollbringen. Da ich durch das Verhalten seiner Familie etwas verunsichert war, machte ich ihm nochmal klar, dass er wirklich nur ein Foto von mir machen sollte. Ich war nicht auf der Suche nach irgendwelchen obskuren Abenteuern!

Vom wilden Affen gebissen wurde ich (zumindest fast) auf dem Arashiyama. Auf diesem Berg im Westen von Kyoto kann man im Iwatayama Monkey Park eine große Anzahl japanischer Affen in freier Natur beobachten und man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Am späten Samstagnachmittag fuhr ich auf Empfehlung einer Guide mit der Keifuku-Arashiyama Line nach Arashiyama. Dort angekommen und nach einem knapp 20-minütigen Aufstieg auf den Berg, erreichte ich eine Aussichtsplattform, auf der sich auch einige Affen rumtrieben. Bereits vor dem Aufstieg wurde ich gewarnt, den Viechern nicht in die Augen zu blicken. Besonders die älteren männlichen Exemplare sollen da ziemlich giftig drauf reagieren. Da ich den Blick auf Kyoto jedoch auch genießen wollte, näherte ich mich auf dem Weg zum Rand der Plattform einem älteren männlichen Affen (allerdings ohne ihn direkt anzusehen). Irgendwie fühlte sich der Kerl aber von mir dumm angemacht, denn plötzlich fing der ein Geschrei an und zeigte mir seine netten Beißerchen. Da ich jedoch keine Erfahrung mit selbigen machen und dem Tierchen auch kein Haar krümmen wollte, machte ich lieber kehrt und stiefelte weiter den Berg hoch, bis zum Gipfel. Oben angekommen konnte ich dann auch die Aussicht genießen - in Gesellschaft von netten Affen, die mehr miteinander zu tun hatten, als sich auf mich zu stürzen.

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