代々木公園で見た

代々木公園で見た

Sonntag, 4. März 2007

Indianer in Tokyo

Gestern Abend habe ich mich mal wieder sportlich betätigt. Zwar nicht wirklich körperlich, sondern eher mit den Augen, aber das mit voller Begeisterung. Im "Tokyo Ariaka Colosseum" verfolgte ich zusammen mit meinem Kollegen Warapong das Spiel zwischen den "Tokyo Apache" und den "Saitama Broncos". Wer? werden jetzt vermutlich die meisten fragen. Nun ich gebe zu, dass ich die Namen der beiden Mannschaften auch das erste Mal vor einer Woche gehört habe, als ich Sakura House meinen monatlichen Besuch abstattete, um meine Miete abzudrücken. Der Sakura-Mensch, der mich bediente, machte mich während eines kurzen Plausches auf das Spiel aufmerksam.
Da Basketball in Japan nicht gerade ein Volkssport ist (der Grund ist sicher jedem klar *hehe*), steht er auch nicht so sehr im Blickpunkt der (Welt-)Öffentlichkeit. Aber nach einigen Recherchen konnte ich herausfinden, dass beide Mannschaften gemeinsam mit sechs weiteren Teams in der "jbleague" spielen. Das ist die erste Liga des Basketball in Japan.
Im Rahmen des "International Day", der bereits zum zweiten Mal stattfindet, haben die "Tokyo Apache" für dieses Wochenende ein paar Freikarten springen lassen. Na ja, das war auch der eigentliche Grund, warum ich bei dem Spiel dabei war. Denn wenn es was gratis gibt (und ich nichts peinliches machen muss), bin ich immer dabei. Vor allem, da man hier in Tokyo oft unverschämte Preise für Partys oder Veranstaltungen zahlen muss. Allerdings glaube ich nicht, dass genug Werbung für das Event gemacht wurde. Denn sehr international schien mir das Publikum nicht zu sein. Es waren zwar auch ein paar Nicht-Japaner anwesend - vorwiegend Amerikaner und deren Familien (vermutlich aus dem nahen Marinestützpunkt in Yokohama) - aber deren Anzahl war verschwindend gering.



Nach dem der Auftritt der Heimmannschaft, der so richtig nach amerikanischem Vorbild mit viel Rauch und Lärm vonstatten ging, fing das Spiel aber gleich ziemlich einseitig an. Schon nach einer Minuten hingen die "Tokyo Apache" mit sieben Punkten zurück, was den Coach zu einer ernsten Unterredung mit den Spielern zwang und das Publikum bisher von größeren Begeisterungsstürmen abhielt. Jedoch auch danach hingen die Apachen meist punktemäßig hinterher, was vermutlich einer der Gründe war, warum das Publikum nicht sonderlich begeistert am Spiel teilnahm. Lediglich ein kleiner aber unerschütterlicher Fanblock versuchte die Mannschaft und das Restpublikum mit Anfeuerungsrufen etwas zu ermuntern.
Ab und an gab es dann auch lustige Szenen. Unter anderem, wenn mal wieder einer der kleineren japanischen Spieler einem der amerikanischen Riesen einfach sprichwörtlich zwischen den Beinen durchrannte.

So verlief das Spiel über fast drei Quarter recht geordnet, und der Rückstand der Apachen schwankte zwischen einem und zehn Punkten. Größere Fouls gab es eigentlich nicht, mit einer Ausnahme. An dieser waren der größte Spieler (Nichtjapaner) der "Saitama Broncos" und der kleinste japanische Spieler der "Tokyo Apache" beteiligt. Letzterer wollte mit dem Ball über das Feld davonhuschen, als sich der Bär, wie ich ihn ob seiner Größe und Statur genannt habe, von hinten auf ihn stürzt und festhält. Da hielt den Indianer natürlich nichts mehr auf den Füßen und er landete mit der Nase auf dem Parkett. Das Ende vom Lied war ein rumbrüllender Coach der "Tokyo Apache", ein Bär, der nach eigener Meinung nichts verbrochen hat und trotzdem vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurde, ein Gefallener der sich die Wunden leckte und zwei Punkte für die "Tokyo Apache".
Zum Schluss des dritten und vierten Quarters wurde es dann aber richtig spannend, da beide Teams sich nicht wirklich einigen konnten, wer jetzt gewinnt und wer verliert und dadurch manch anschauliche Aktion, Ball und Korb verbindend, zeigten. In den letzten zwei Minuten des Spiels brachten es die "Tokyo Apache" dann aber doch fertig sich ein paar Fouls zu leisten, so dass aus einem kleinen Zweipunkte-Rückstand durch Strafwürfe der "Broncos" ein nicht mehr einzuholender Rückstand von acht Punkten entstand.
Das Gute war aber, dass wir so einen vollauf begeisterten Maskenfreund (siehe Bild oben) durch die Halle rennen und sein Team feiern sehen konnten.

In den Pausen zwischen den Quartern wurde das Publikum von den Cheerleadern (heißen die im Basketball eigentlich so?) mit teils akrobatischen Tanzeinlagen unterhalten. Allerdings waren die Mädels für mein Dafürhalten alle zu jung. Keines älter als 14 oder 15 Jahre. Vermutlich war das aber Absicht, um die Spieler nicht zu sehr abzulenken...

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