代々木公園で見た

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Donnerstag, 1. Februar 2007

123 Tage Abstinenz haben eine Ende

Genau so lange ist es her, dass ich zum letzten Mal in einem Büro gesessen und gearbeitet habe. Sicher beneidet mich jetzt so mancher, ob soviel Urlaub am Stück.
Auch wenn mich mein heute erhaltener temporärer Ausweis noch als Gast auszeichnet, sagen mein unterschriebener Vertrag und meine Visitenkarten doch etwas anderes aus: Ich bin seit heute offiziell "Angestellter" bei Merck Ltd. Japan; allerdings ohne Dienstwagen, Sekretärin - und... Gehalt.

Der Tag verlief relativ entspannt. Am frühen Morgen um 09:00 Uhr betrat ich die Etage des Arco Tower in Meguro, in der Merck seinen Sitz hat. Zunächst führte mein Weg zu den Damen von der Human Resources Abteilung, von denen ich meinen Vertrag, die übliche Verpflichtungserklärung und meine Visitenkarten erhielt. Anschließend wurde ich dem Präsidenten und Vizepräsidenten von Merck Ltd. Japan vorgestellt. Dabei konnte ich gleich als erstes die Achtung - oder vielleicht schon Angst - bemerken, die Japaner, insbesondere Frauen, Mitarbeitern der Firma entgegenbringen, die weit höher in der Hierarchie stehen, als sie selbst. Die junge Dame vom HR, die mich vorstellte, traute sich zunächst kaum in die Büros rein. Immer ganz langsam und schüchtern näherte sie sich Schritt für Schritt der Tür, stets darauf bedacht, nicht einfach ein wichtiges Telefonat zu stören.

Nach einer Vorstellungsrunde in den einzelnen Abteilungen führte mich ein Kollege aus meiner Gruppe in die Hierarchiestruktur der "Administration Division" ein, zu der auch ich gehöre. Außerdem erläuterte er mir detailliert den Lageplan des Büros und legte dabei besonderen Wert auf die Lage der Toiletten, Getränkeautomaten und Aufzüge.

Weiter ging es dann zur Einweisung in mein Arbeitsgerät, dem Notebook. Der erste Schreck: Windows? Japanisch! Word und Excel? Japanisch! E-Mail? Japanisch! Die Reihe könnte ich noch lange weiter fortsetzen. Ich werde wohl mein eigenes Notebook mit ins Büro nehmen, um immer eine Vergleichsmöglichkeit der Menüs und Buttons zu haben. Derzeit hangele ich mich sehr schüchtern durch die Anwendungen, immer froh, wenn mal irgendwo in den Menüs Katakana stehen, die auf eine englische Bezeichnung hinweisen. Nicht dass ich irgendwann mal in einem Fenster die Schaltfläche はい (hai), also "OK" drücke und dann wichtige Daten oder Einstellungen gelöscht werden.
Und auch die Tastatur hat ein japanisches Layout. Keine Taste da, wo sie sein sollte. Ich hab bestimmt den halben Tag gebraucht, bis ich die Taste für "_" gefunden habe. Und die Space-Taste ist nicht viel breiter, als die Tabulator-Taste. Dafür hat sie links und rechts je eine Taste zum Umstellen der Eingabemodi. Weil ich gern rechts auf die Space-Taste haue, hab ich mir andauernd den Eingabemodus von Romaji (also Lateinschrift) auf Hiragana oder Katakana umgestellt. Das ist echt unpraktisch und nervig, wenn man grad ne englische oder deutsche Mail schreiben will.
Aber bis zum Abend hatte ich mich halbwegs mit dem Rechner angefreundet, auch wenn ich manchmal noch suchen muss, um bestimmte Zeichen auf der Tastatur zu finden. Mit blind schreiben ist da erstmal nichts mehr.

Da ich für heute noch keinen echten Arbeitsauftrag hatte und mein Chef auch nicht da war, hab ich mich nach der ersten Aufregung den Rest des Tages überwiegend mit dem Lernen und Zuordnen der Namen der Kollegen meiner Gruppe und der Einarbeitung in meine Tätigkeit der nächsten Monate - der SAP-Entwicklung - beschäftigt.
Außerdem auf meinem Programm stand das Beobachten der Kollegen. Dabei fielen mir insbesondere vier Sachen auf:
(1) Wenn jemand niest, dann sagt niemand "Gesundheit" oder so.
(2) Ein Telefon klingelt nie mehr als zweimal.
(3) Ein Telefonat kann zu einem wahren Schwall von はい (hai) Ausrufen ausarten. Eine Kollegin, die mir gegenübersitzt hat das echt super drauf. Keine Ahnung, worum es in dem Gespräch ging, aber wie ein Maschinengewehr mit kurzen Aussetzern brachte sie ein はい nach dem anderen heraus. Ich konnte mir ein Grinsen echt nicht verkneifen.
(4) Wenn im Büro Mittag gegessen wird (z. B. Nudelsuppe), dann aber auch bitte so, dass es selbst der Kollege am anderen Ende des langen Tisches hört.

Und noch ein Wort zum Thema "Büro". Es ist zwar schon als Gerücht in Deutschland bekannt, aber ich möchte es nochmal bestätigen. Es gibt im Großen und Ganzen einen riesigen Raum, in dem mit Pappwänden oder Schränken die einzelnen Abteilungen voneinander getrennt sind. Alle Mitarbeiter einer Gruppe sitzen an langen Schreibtischen nebeneinander und gegenüber. Nur der Gruppen-/Abteilungschef hat evtl. einen etwas einzeln stehenden Tisch.
Und Einzelbüros gibt es genau drei: Für den Präsidenten, den Vizepräsidenten und den Division-Manager.

Um 18:30 Uhr hab ich schließlich das Büro verlassen, um mir noch eine große Feierabend-Ramen zu gönnen.

Für morgen hab ich mir vorgenommen eine Kurbel an meinem Tisch zu finden, die mir erlaubt selbigen etwas höher zu stellen. Entweder bin ich zu groß oder der Tisch ist zu niedrig. Auf jeden Fall kann ich nicht einmal meine Beine gerade hinstellen, ohne den Tisch anzuheben. Und auf der untersten Stufe des Stuhls zu sitzen ist auch nicht gerade angenehm für einen mittelgroßen Europäer.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

[off-topic]
Deutschland ist Handballweltmeister!!! Hab mir gerade das Finalspiel am TV reingezogen.
:-)


J.